Brosche 15.4.07

Vorschläge zum weiteren Vorgehen Hochstraße B 80 im Ergebnis des Gesprächs bei Herrn Lunebach, Leiter  Stadtplanungsamt Halle 05.04.2007

Nach dem o.g. Gespräch zum Thema B 80 Hochstraße Halle unterbreite ich nachfolgende Vorschläge zum weiteren Vorgehen.

Zunächst:
Eine Abhängigkeit zwischen beabsichtigtem Antrag zur Aufnahme der Franckeschen Stiftungen in die UNESCO-Welterbeliste einerseits und Rückbau der Hochstraße andererseits ist nicht gegeben. Einem solchen Versuch sollte auch, falls er von irgendeiner Seite besteht, entgegen gesteuert werden.

Auch:
Versuche, die Hochstraße unter Denkmalschutz zu stellen, sind zu verhindern.

Es gibt zwei Gründe, die zu einem Rückbau der Hochstraße führen können.

1. Objektiv:
die anfallenden laufenden Unterhaltungs- und Wartungskosten, das zunehmende Alter,  erfordern eines Tages  eine  Entscheidung für eine teilweise oder gänzliche Rekonstruktion oder den Rückbau der Spannbetonbrücke. Die Verkehrsfunktion muss gesichert bleiben.

2. Subjektiv:
Von vielen Bürgern wird die Hochstraße besonders im Bereich der Franckeschen Stiftungen als städtebaulich störend empfunden. Sie wird als trennendes Element zwischen Altstadt und der erweiterten Innenstadt (Franckeplatz bis Rannischer Platz) betrachtet. Von ihnen wird der Rück- oder Umbau so früh wie möglich erwartet und gefordert.

Anmerkung: Seitens des Stadtplanungsamtes wird eine ebene Führung des Verkehrs der B 80 als weitaus stärker trennendes Element betrachtet.

Das Gespräch bei Herrn Lunebach hat ergeben, dass seitens der kommunalen Verwaltung der Stadt Halle aus finanziell-haushaltstechnischen Gründen bereits 3 Jahre lang keine planerischen Aktivitäten erfolgen konnten und nach wie vor nicht können,  um eine Aktualisierung des "Verkehrspolitischen Leitbildes der Stadt Halle (Saale)" durchzuführen. Das schließt besonders die Kosten verursachende  Erteilung von Aufträgen an Planungsbüros für erforderliche Untersuchengen ein, also auch für Untersuchungen über Möglichkeiten, Folgen und Ersatzlösung des Rückbaus der Hochstraße ein.

Diese Situation ist deshalb bedauerlich, weil gegenüber den Erwartungen im "Verkehrspolitischen Leitbild der Stadt Halle (Saale)"

- eine immer noch bestehende Tendenz des Einwohnerrückganges eingetreten ist,

- gegenwärtig infolge dessen der "Stadtumbau" betrieben wird, ohne dass Konsequenzen das Straßennetz betreffend somit ausreichend berücksichtigt werden,

- so manche in der Nachwendezeit zum Straßenverkehr getroffene Entscheidung  bereits verändert zu bewerten ist.

Von Vertretern des Rückbaus der Hochstraße B 80 wird eine Lösung  durch einen extremen Rückgang ihrer Verkehrsbelastung

1. nach Fertigstellung der A 143 bis zur A 14 bei Beidersee und

2. durch die "3. Saalebrücke" mit paralleler Linienführung der Südtangente entlang der Eisenbahnstrecke Halle - Sangerhausen       
erwartet.

Hierzu bestehen meinerseits begründete Bedenken. Während des o.g. Gesprächs wurde auch erkennbar, dass in dem Fachorgan Planung der Stadt dies ebenso mit Vorbehalt gesehen wird, denn:
 
- der Anteil des Durchgangsverkehrs in einer Stadt (im mitteldeutschen Raum) von der Größe und Funktion wie Halle wird erheblich überschätzt,

- der Verkehr über die "3.Saalebrücke" würde den Verkehr in die Wohnstraßen der Südstadt Halle lenken und damit  eine Verlagerung aber keine Lösung des Verkehrsproblems ergeben. Auf keinen fall kann Güterverkehr dorthin verlagert werden.

Eine grundlegende Reduzierung der Belastung der Hochstraße von gegenwärtig  40 000 DMTV ( = durchschnittlicher mittlerer Tagesverkehr) auf eine Größenordnung von etwa 15 000 DTMV (etwaiger Grenzwert für eine zweistreifige Straße, im Gegenverkehr befahren) ist nicht erkennbar. Deshalb ist den Planungen /Ausschreibungen eine 4-streifige B 80 im Bereich der heutigen Hochstraße neben den zwei Fahrstreifen für den innerstädtischen Ring zu Grunde zu legen.

Empfehlung an die Bürgerinitiative meinerseits:

1. Es ist zunächst ein überzeugender Nachweis über die künftige Belastung der Hochstraße nach Fertigstellung der A 38 und A 143 zu führen. Quellen und Ziele der über diese fahrenden Fahrzeuge sind innerhalb und außerhalb der Stadt differenziert nach Binnenverkehr, Zielverkehr, Quellverkehr und  Durchgangsverkehr festzustellen. Das kann nur durch das Planungsamt selbst oder - wahrscheinlicher - durch ein zu beauftragendes Planungsbüro erfolgen. Dazu sind verfügbare Netzmodelle auszuwerten und zu aktualisieren. Die Veränderungen des Straßennetzes in und um Halle und die der Stadtgröße (Einwohnerentwicklung) sind zu berücksichtigen. Für die verschiedenen Situationen des Straßennetzes außerhalb von Halle sind die Belastungssituationen der Hochstraße festzustellen:

a. Situation gegenwärtig,

b. Situation nach Fertigstellung der A 38 vsl. Ende 2008 aber bei noch fehlender Fertigstellung der  A 143 zwischen B 80 und A 14 AD Beidersee (kritische Phase bei verstärktem Neuverkehr über die A 38!),

c. Situation nach Fertigstellung der A 143,

d. Bewertung der verkehrsökonomischen und verkehrsökologischen Wirkungen des auf die Umgehung A 143 -Beidersee - A 14 abgedrängten Durchgangsverkehrs selbst

e. Einbeziehung von Variationen auch des Neuverkehrs aus großräumigen Verkehrverlagerungen resultierend (z.B.: nach Fertigstellung der A 71 Erfurt - Sangerhausen spürbare Verkürzung des sonst über das Hermsdorfer Kreuz führenden Weges).

In die Auftragserteilung sind  in jedem Fall die DEGES und das Landesamt für Straßenbau einzubeziehen, da seitens des Stadtplanungsamtes der Stadt Halle keine Aussagen zur Verkehrswirkung von A 38 und A 143 zu erwarten sind. Der Auftrag ist an ein geeignetes Planungsbüro ist gegebenenfalls durch den Bürgerverein zu finanzieren. Die finanzielle Beteiligung von Landesamt und DEGES (Bund) ist zu fordern.

Die Auswirkungen eines "3. Saaleüberganges" in Halle, der gegenwärtig auf Eis gelegt ist,  wurden bereits in einer speziellen Untersuchung "Stellungnahme zur Anbindung der A 38 an das Straßennetz der Stadt Halle (Saale)" im Auftrag der Stadt Halle  August 2004 umfangreich untersucht. Resümee: Es tritt eine spürbare Entlastung der Saalebrücken B 80, jedoch nicht der Hochstraße B 80 ein. Das Ergebnis ist in einem Bild- und Textteil dokumentiert und Liegt beim Stadtplanungsamt vor.

2. Bewertung /Auswertung des unter 1. beschriebenen Auftragsergebnisses in  Arbeitgremien des Bürgervereins.

Nach meinen Kenntnissen wird nachgewiesen werden, dass als Ersatz der Hochstraße eine vierstreifige (nicht sechsstreifige, aber in keinem Fall eine zweistreifige) Straße im Bereich Glauchaer Platz bis Riebeckplatz der Hochstraße erforderlich wird.

3. Erarbeitung eines Belastungsplanes mit einem Zeithorizont von etwa 15 bis 20 Jahren für den Bereich der B 80 von den Saalebrücken über den Glauchaer Platz bis hin zum Riebeckplatz einschließlich aller Abbiegebeziehungen, einbezogen Innenstadtring (Prof. Hoffmannstraße, Leipziger Turm, Rannische Straße, Steinweg, Glauchaer Straße, Hallorenring) als Grundlage für die Ausarbeitung von Lösungsvarianten ohne Hochstraße B 80 für vorgesehene planerische Untersuchungen oder Wettbewerbsausschreibungen. Hierzu Erteilung eines Auftrages und Sicherung der Finanzierung.
 
4. Auftragserteilung für planerische Untersuchungen  oder Wettbewerbsausschreibungen für verschiedene Gestaltungsszenarien unter Berücksichtung von technologischen Realisierungsmöglichkeiten (Bau unter Verkehr, Bau mit Umleitungen des Verkehrs); die Umgestaltungslösungen sollten sich möglichst nicht auf die bestehenden Anlagen der Franckestraße, des Knotenpunktes Prof. Hoffmannstraße / Franckestraße und die Straßenbahn zwischen Franckeplatz und Waisenhausapotheke  auswirken.  Im Zuge der B 80 sind vier  Fahrstreifen vorzusehen.

a. Szenario plangleiche Führung der B 80 mit der Straßenbahn am Franckeplatz

b. Szenario Führung B 80 am Franckeplatz  in der "Minus 1 Ebene" zur niveaufreien Kreuzung der  Straßenbahn.

c. Von den Szenarien a und b abweichende auch in anderen Stadtbereichen liegende Lösungen.

 Die Autoren der Entwürfe sollen  die Nach- und Vorteile der derzeitigen  und 
 vorgeschlagenen Lösungen einschließlich ihrer verkehrsökonomischen  und
 ökologischen Wirkung vortragen.

5. Es sollten - einer Anregung von Herrn Lunebach folgend - ergänzend Ausschreibungen für Ideen einer (zwischenzeitlichen?) Aufwertung und verbesserten Verbindung des gesamten Raumes unter der Hochstraße mit den Franckeschen Stiftungen zwischen Waisenhausapotheke und Glauchaer Platz bei im wesentlichen unveränderten Verkehrsanlagen, also einschließlich Hochstraße,  erfolgen.

6. Ein Tunnel, ausgehend von der Schleusenbrücke unter den Gebäuden der Franckeschen Stiftung führend bis hin zum Riebeckplatz,  wird aus zu erwartenden großen Gründungstiefen,  fehlenden Längenentwicklungen für die Ein- und Ausfahrten, vorhandenen komplizierten Baugrundverhältnissen, aber auch wegen zu  hoher Baukosten, hohen dauerhaften Betriebskosten (Be- und Entlüftung, Verkehrsüberwachung des Tunnels, Sicherung bei Wassereinbrüchen, Feuersicherung; Rettungsdiensten) als nicht realisierbar betrachtet.

Den Planungsbüros / Wettbewerbsteilnehmern sind die üblichen Unterlagen (Lage- und Höhenpläne) und die  Ergebnisse der unter 3. genannten Belastungsplanes im Planungsbereich als verpflichtende und  informative Angaben  zur Verfügung zu stellen.

Die konstruktive Tätigkeit der Arbeitsgruppen des Vereins sollte sich in der Anfangsphase auf die Bewertung der Verkehrsuntersuchungen, die Erarbeitung der Zielstellungen für die Auftragserteilungen  bzw. Ausschreibungsunterlagen konzentrieren. Die Einbeziehung des Planungsamtes der Stadt betrachte ich als durch Herrn Lunebach zugesagt.

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