Kautz 16.2.07

Anlässlich Gründungsversammlung der Bürgerinitiative "Rückbau Hochstraße"

Die Hochstraße ("HS") zerschneidet die Innenstadt und sie befindet sich nicht dort, wo die historische Stadtmauer zwischen der Altstadt und Glaucha stand. Die stand nämlich an der heutigen Brunoswarte und am Waisenhausring. Die "HS" ist also auf keinen Fall eine sogenannte Wiederbelebung der historischen Situation!

Wichtig ist, dass das Thema "HS" nicht unter der Aussage: "Das geht sowieso nicht!" abgehakt wird - vielmehr sollte grundsätzlich gelten: "Geht nicht - Gibt's nicht!"

Auch sollte man sich ein Beispiel nehmen an unseren Stadtgründern, den Vorfahren der Halloren. Die hatten den sagenhaften Mut, trotz ärmlichster Verhältnisse und jammervollen Aussehens, den vorbeireitenden König um die Genehmigung zu einer Stadtgründung zu bitten. Der König zweifelte an der Realisierung dieses Vorhabens angesichts der armen Menschen - wünschte aber gutes Gelingen mit der "Hilfe" von Mond- und Sternenschein.

Und sie -diese zweifelhaften Menschen - haben das Unmögliche möglich gemacht - heute ist unsere Stadt eine der geschichtsträchigsten in Deutschland!

Und da passt diese "HS" einfach nicht in's Bild - in ein Stadtbild, mit dem wir in aller Welt werben wollen!

Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren Vorfahren, getreu des alten Halloren-mottos: "Haben wir heute Wasser und Holz - haben wir morgen Silber und Gold!"

Was erst unmöglich scheint, kann doch mit viel Mut und Kreativität und später auch mit finanziellen Einsatz bewegt und verändert werden!

Die "HS" darf nicht auf ewig unsere Stadt durchschneiden! Deshalb sind in erster Linie neue Gedankenansätze gefragt, planerische Untersuchungen müssen intensiviert werden - erst, wenn wir wissen , was wir wollen und auch können - erst dann lassen sich die finanziellen Fragen richtig angehen!

Eine Tabuisierung des Themas "HS" ist deshalb in diesem Zusammenhang grundsätzlich kontraproduktiv!

Den Vorwürfen, unsere angestrebte Diskussion sei doch "weltfremd" und ob wir nichts Wichtigeres zu tun hätten, kann ich nur entgegenhalten: Denken ist jedenfalls besser als Nichtstun - fundierte Untersuchungen können Prozesse in Gang setzen, von denen wir jetzt erst mal nur Visionen haben!

Dabei stehen wir auch in der Verantwortung vor nachfolgenden Generationen, denn die könnten uns einmal vorwerfen, warum wir solange bei einem so wichtigen stadtgestalterischen Thema Ruhe bewahrt haben !

Die "HS" zerschneidet die Stadt und verhindert eine homogene Entwicklung der Innenstadt zwischen Markt und Rannischem Platz und steht einer Wiederbelebung der Stadtachse Rannische Str./ Franckeplatz/ Steinweg/ Rannischer Platz im Wege!

Und das passt nun gar nicht zu dem aktuellen Trend "Zurück in die Innenstädte"!

Das Wohnen und Arbeiten in der Stadt wird in Zukunft wieder weiter an Bedeutung gewinnen - auch angesichts der globalen Klimaveränderungen!

Das alles zwingt uns zu neuen Überlegungen auch in der städtischen Verkehrsplanung, bei der die "HS" lange ein Tabu-Thema war. Die Verkehrsbelastung auf der "HS" nahm allerdings von Anfang der 90-er Jahre bis heute um etwa 50% ab - das sind aber mit ca. 40.000 Fahrzeugen pro Tag immer noch fast autobahnähnliche Zustände!

Deshalb wird bei allen Untersuchungen zu beachten sein, dass die Verkehrsströme über die Saale auch in Zukunft nicht behindert werden!

Da macht das Beispiel von Hannover-Aegidientorplatz geradezu Mut, wo der Verkehr nach dem Rückbau der "HS" sogar besser rollte als vorher!

In Halle ist m.E. auch durch die neue Straßenbahntrasse von Neustadt zum Riebeckplatz eine Entlastung der "HS" erreicht worden.

An einer entlastenden Wirkung der Straßenbahn im halleschen Stadtverkehr insgesamt zu zweifeln, halte ich nicht für förderlich - zumal gerade in letzter Zeit andere Städte wie Darmstadt und Paris ihre Straßenbahnnetze weiter ausbauen bzw. überhaupt wieder neu aufbauen!

Das ist ein Trend auch unter dem Aspekt der Klimaerwärmung, dem wir uns in Halle nicht verschließen sollten - zumal uns da unsere Partnerstadt Karlsruhe ein gutes Vorbild ist, wo der öffentliche Verkehr aufgewertet wurde, ohne den privaten Autoverkehr zu benachteiligen.

Hier gibt es in Halle - vor allem in den Kreuzungsbereichen - noch einiges zu verbessern!

Auch diese Überlegungen und andere zukünftigen Untersuchungen wollen wir durch unsere BI anregen mit dem Ziel, eine mögliche Alternative zur "HS" zu finden und damit die Lebensqualität in der Innenstadt zu verbessern und die gestalterische Attraktivität unserer 1200-jährigen Stadt der Wissenschaft, Kultur und Arbeit zu erhöhen!

Ich wünsche unserer BI viele Ideen und Tatkraft auf ihrem sicher nicht leichtem Weg.

Lassen wir uns  immer auch von dem unverzagten Mut unserer Vorfahren und Stadtgründer inspirieren - dabei haben wir ja heute den Vorteil, nicht auf den eingangs erwähnten Schein des Mondes und das Leuchten der Sterne angewiesen zu sein - früher war das Salz unser Reichtum, heute muß es die Kreativität sein im Wettbewerb der Städte und Regionen!

Danke!

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