28.6.2007 Kautz CDU-Dölau

Mitgliederversammlung CDU - OV Dölau / Heide-Nord im "Waldhotel" / 28.6.07 / OV-Vorsitzender Harry Günther

Schwerpunktthema:
"Pro und Contra Rückbau der Hochstraße zwischen Waisenhausapotheke, Franckeplatz und Saalebrücken"

Referat Pro :      Ingo Kautz, Bürgerinitiative "Rückbau Hochstraße"
Referat Contra:  Rainer Möbius, Stadtverwaltung, Ressort Verkehrsplanung

 

Pro - Vortrag von Ingo Kautz, Vorstandsmitglied "BI Hochstraße Halle an der Saale e.V." (Motto: Wir fördern kreative Stadtgestaltung )

1. Persönliche Vorstellung

* Dank an Veranstalter

* 64 Jahre alt, von Beruf: Maurer und Dipl.- Bauingenieur, 40 Jahre war ich auf Baustellen in Halle, Buna, Berlin, Bad Frankenhausen - davon allein  20 Jahre in Halle-Neustadt tätig, von 1990 - 94 bei der Stadtverwaltung Halle für Planen, Bauen und Stadtsanierung verantwortlich

* seitdem bin ich freiberuflich als Bauplaner tätig

* nebenbei hatte und habe ich folgende Ehrenämter: 10 Jahre Stadtrat, OV-Vorsitzender der CDU Halle-Mitte, Sportausschussvorsitzender, Vorstandsmitglied der Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle und z.Z. noch Sachkundiger Einwohner im Stadtrat und Mitglied des Gestaltungsbeirates von Halle

* ich bin Gründungsmitglied der BI und Sprecher der Arbeitsgruppe "Stadtentwicklung"

* In der BI bin ich gerne aktiv geworden, weil mir die Zukunft unserer Stadt weiter sehr am Herzen liegt. Denn wer sich mit dem Thema "HS" befasst, muss sich mit der weiteren Stadtentwicklung insgesamt auseinandersetzen.

* Ich sehe mich da auch als hallescher Bürger und Hallore für das Wohl der Stadt in die Pflicht genommen.

2. Kurze Vorstellung der BI "HS"

* Die  BI hat sich als e.V. am 26.03.2007 gegründet und hat z.Z. 70 Mitglieder, 3 Fachberater sowie ca.30 Befürworter und Unterstützer ( u.a. sind dabei Nobelpreisträger Blobel und Ehrenbürger Hans-Dietrich Genscher). Bis Ende des Jahres soll die Mitgliederanzahl auf 100 erhöht werden.

* Vorsitzender ist Regierungspräsident i.R. und ehemaliger Baudezernent Dr. Jens Holger Göttner, sein 1.Stellvertreter bin ich, sein 2.Stellvertreter ist BURG-Kanzler Wolfgang Stockert, Notar Ludwig Schlereth ist Schatzmeister und Sprecher ist der Wirtschaftsjournalist Hans-Georg Ungefug.

* Herr Dieter Lehmann vom OV Reileck-Trotha ist Sprecher der Arbeitsgruppe "Verkehrsentwicklung". Zur Unterstützung des Vorstandes hat sich ein Beirat konstituiert. Mit den Herren Bauersfeld, El-Khalil und Dr. Köck sind auch Mitglieder des Stadtrates in der BI vertreten.

* Oberstes Ziel der BI ist es, Alternativen zur Hochstraße durch kreative Stadtgestaltung zu finden.

3. Warum bin ich grundsätzlich für Alternativen zur vorhandenen HS?

1. Die HS zerschneidet den südlichen Innenstadtbereich zwischen Altem Markt und Rannischem Platz und beeinträchtigt sehr die Aufenthalts- und Wohnqualität in diesem Bereich

2. Die HS beeinträchtigt die Erreichbarkeit, die Attraktivität und auch den baulichen Bestand des Gebäudekomplexes der historischen Franckeschen Stiftungen, des Elisabeth-Krankenhauses und der Propsteikirche

3. Es kommt der Zeitpunkt, wo sich die Stadt entscheiden muss: Will man die HS aufwendig erneuern, wenn die Lebensdauer des Betons abgelaufen ist - oder muss die HS endgültig abgerissen werden? Auf  diese Entscheidung muss  die Stadt vorbereitet sein. Und entscheiden kann man sich nur, wenn vorher Alternativen untersucht worden sind!

4. Ich habe bisher noch keine gegenteilige Auffassungen zu diesen drei Grundsätzen gehört und gelesen, aber man wirft der BI doch einiges vor:

* die HS ist städtebaulich nicht schön, aber notwendig für die Verkehrsbewältigung

* es gibt z.Z. keine Alternative und das Thema HS ist deshalb tabu

* oder: alternative Lösungen (z.B.: Tunnel...) sind zu teuer 

* das Anliegen der BI wäre weltfremd, denn es gibt noch so und soviel Straßen in Halle, die noch saniert bzw. neu gebaut werden müssten

5. Soll man nun den Kopf - wie der Straußenvogel-  in den Sand stecken und abwarten?

* Nein, wir wollen als Bürger unserer Stadt aktiv werden und Prozesse in Gang setzen. Wir können dabei alle demokratischen Möglichkeiten des Mitspracherechtes nutzen. Dieses Recht hatten wir zu Zeiten des Baues der HS nicht - da war eine Bürgerbeteiligung, wie wir sie heute schon als normal finden, nicht üblich und auch nicht möglich. Damals wurden die FSH, das Elisabethkrankenhaus und die Propsteikirche - geschweige denn: die Anwohner und Gewerbetreibenden - nicht gefragt, was sie zu dem Bauvorhaben HS eigentlich meinen.

* Heute wissen wir, dass das Thema HS nicht von heute auf morgen gelöst werden kann - dazu braucht man Weitsicht und einen langen Atem.

6. Und was ist mit einem Weltkulturerbe in Halle an der Saale?

* Wie Sie vielleicht alle wissen, hatte Alt-OB Rauen den Vorschlag gemacht, die FSH als Weltkulturerbestätte der UNESCO vorzuschlagen. Daraufhin setzte die Kultusministerkonferenz der Bundesländer die FSH 1999 auf die Vorschlagsliste Deutschlands. 2010 wollen dann die FSH den entsprechenden Antrag als Weltkulturerbe an die UNESCO stellen.

* Da spielt das Thema HS natürlich mit hinein, denn generell muss es um die Weltkulturerbestätten sogenannte Schutzzonen geben. Das gilt nicht nur für Naturräume, sondern auch für Stadträume, wie um die FSH herum.

* So ist natürlich klar, dass die HS hier störend ist und den Antrag behindern kann. Deshalb ist es hier dringend notwendig, zumindest planerische Alternativen nachzuweisen, denn bis 2010 ist nicht mehr viel Zeit.

* Über die Bedeutung einer Weltkulturerbestätte für eine Stadt und eine Region gibt es sicherlich keine Zweifel. Wir sehen das ganz aktuell bei dem Wirbel um das Weltkulturerbe in Dresden und der "Waldschlösschenbrückenprobleme".

* Ein Welterbestatus in der Innenstadt von Halle wird  zweifellos weltweite Aufmerksamkeit erreichen und die Stadt Halle weiter bekannter machen.

Das ist auch wichtig, weil ...

7. ... die Attraktivität der Innenstädte in Zukunft den internationalen (globalen) Wettbewerb der Städte untereinander entscheiden wird

* Wir können heute schon den Trend feststellen, dass immer mehr Menschen aus dem Umland in die Stadt ziehen. Dieser Trend ist weltweit zu beobachten. Denn 2008 werden weltweit erstmalig mehr Menschen in den Städten leben als auf dem Land.

* Deshalb ist es wichtig, dass die Stadt Halle weiter an Attraktivität gewinnt und mit ihrer historischen Innenstadt - mit 800 ha übrigens die größte historische Altstadt in Deutschland - weltweites Interesse findet....

8. Die Stadt wird sich mittelfristig entscheiden müssen, wie sie mit der HS weiter umgeht

* Jährlich werden hohe Summen in die Instandhaltung der HS investiert, dennoch weisen die Betonteile an den Bewegungsfugen Höhenunterschiede von mehreren Zentimetern aus. Das führt zu Dauererschütterungen mit fatalen Folgen für die Substanz der angrenzenden Bausubstanz der FSH, Krankenhaus und Kirche.

* Möglicherweise ist ein Abriss der HS auf Dauer sogar wirtschaftlicher als deren Erhalt.

9. Die BI hat jetzt natürlich noch keine Alternativen vorzuschlagen

* Dazu braucht es noch einige Zeit. Erst müssen noch Verkehrs- und Stadtentwicklungsdaten erhoben werden.

* So will die BI die Stadt unterstützen, eine "Kennzeichenverfolgende Zählung" im Bereich B80 / HS durchzuführen, weil dafür keine Haushaltsmittel bei der Stadt zur Verfügung stehen..

* Die BI will ab sofort Sponsoren für diese Zählung und andere erste Projekte finden (Fachexkursionen nach Düsseldorf oder Bremen und Einschaltung von einem Planungsbüro).

* Möglichst noch in diesem Jahr will die BI einen 2-tägigen Workshop durchführen mit externen Verkehrsfachleuten und Stadtplanern mit dem Ziel, einen internationalen Ideenwettbewerb vorzubereiten. An diesen anschließend soll im nächsten Jahr ein planungstechnischer Umsetzungswettbewerb in Halle stattfinden.

* Die BI ist sich voll bewusst, dass es sich hier um sehr ehrgeizige Ziele handelt.

* Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn die BI die dazu nötigen Partner hat.

* Die Stadtverwaltung hat sich in der Beratung am 5.April zur Kooperation mit der BI bereiterklärt.

* Am 18. Juni hat sich die in Halle ansässige Bundeskulturstiftung bereit erklärt, einen nationalen bzw. internationalen Kongress mit Städten, die ähnliche Probleme wie Halle haben, durchzuführen.

* Ich meine, dass solche "Erfahrungsaustausche die billigste Investition"(Prof.Gilde, ZIS) sind und uns sehr behilflich sein können bei der Suche nach Alternativen für die jetzt vorhandene Situation.

* Ich will heute nicht auf die bisher angedachten Szenarien, wie 3.Saale-Übergang, Tunnel, Trog oder Rückbau nur einer HS-Fahrbahn als Kompromiss, eingehen. Dies wird vielleicht Herr Möbius in seinem Vortrag tun.

Für die BI steht jedenfalls fest, dass die Stadtverwaltung und die Stadtpolitik - und nicht zu vergessen: alle derzeitigen Nutzer der HS! - nicht als Gegner, sondern als Partner angesehen werden - und dass folgendes Motto gilt:

* Bei einer Lösung der Probleme darf es keinen Verlierer geben!

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