BILD Halle 15.9.09 - 2

Wirtschaft und Autofahrer in Halle können aufatmen
Umweltzone gestoppt

Autor: Jan Wätzold

Wirtschaft und Kraftfahrer können aufatmen! Die Pläne, Halles Luftqualität zukünftig durch eine Umweltzone zu verbessern, sind vorerst vom Tisch. Baudezernent Dr. Thomas Pohlack (54, parteilos): Eine solche Maßnahme ist in unserer Stadt einfach nicht machbar."

Grund der klaren Absage, die Pohlack in der vergangenen Woche auch beim Gipfel mit dem Landesumweltamt verteidigte, ist Halles Lage am Fluss. "Mit nur zwei Saaleübergängen gibt es keine Möglichkeit, den Verkehr, der den strengeren Abgasnormen nicht genügt, sinnvoll an einer Umweltzoge vorbeizuführen."

Auch die Proteste der Wirtschaft, die nach einem ersten BILD-Bericht über die Pläne aufflammten, haben Wirkung gezeigt. Für Pohlack ist klar: "Vielen Unternehmen fehlt das Geld, ihre Fahrzeugparks auf die Anforderungen einer Umweltzone umzurüsten."

Dennoch besteht die Gefahr, dass das ungeliebte Sperrgebiet noch einmal zum Thema werden könnte. "Das Landesamt für Umweltschutz hat ausgerechnet, dass Halle mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent gegen die verschärften EU-Normen für Stickstoffdioxid verstoßen könnte", warnt Umweltsamtschef Steffen Johannemann (48).

Damit es nicht soweit kommt, will die Stadt den Ausstoß von Stickstoffdixid und Feinstaub mit alternativen Maßnahmen drucken. "Das könnte zum Beispiel durch eine Pförtnerampel auf der B 100 geschehen", so Katharina Lange (41).

Dadurch würde der Verkehr in der besonders belasteten Paracelsusstraße so weit gedrosselt, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden. Mitte Oktober muss die Stadt ihren Maßnahmenkatalog beim Landesumweltamt vorlegen. Sonst droht womöglich doch noch die Umweltzone.

Kasten:

So schmutzig ist Halles Luft wirklich.

Der neue Messcontainer in der Paracelsusstraße soll verlässliche Schadstoffdaten liefern.

Nicht mehr als 35 Tage pro Jahr darf der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten werden.

Schon seit drei Jahren erfüllt Halle die Anforderung. Doch ab 1. Januar 2010 droht neues Ungemach. "Dann darf der jährliche Mittelwert von Stickstoffdioxid nur noch 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft betragen", so Wigbert Albrecht (55) vom Landesumweltamt. "Nach den bisherigen Messungen besteht die Gefahr, dass Halle durchfällt." Um genauere Daten zu bekommen, wurde gerade ein weiterer Messpunkt in der Paracelsusstraße eingerichtet.

Zurück zu "Medien-Berichte"