Journal Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara 8.).4.07

Gründung einer Bürgerinitiative „Umgestaltung der Hochstraße“

Beitrag von Dr. Manfred Brümmer, Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses


Mitten in der Hochzeit des Karnevals trafen sich am 16.02.2007 in den Franckeschen Stiftungen über 60 Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, um allen Ernstes eine Bürgerinitiative „Umgestaltung der Hochstraße“ zu gründen.

Über Gründung und Anliegen der Bürgerinitiative ist in den Zeitungen und in TV-Halle mehrfach berichtet worden.

Auf Einladung der Initiatoren bin auch ich aus Überzeugung dieser Bürgerinitiative beigetreten.

Als ich Ende der 60er Jahre zu Prüfungen für meine Studienzulassung nach Halle kam, war der Bau der Hochstraße gerade in vollem Gange. Die Schneise vom damaligen Thälmannplatz zur Waisenhaus-Apotheke und von dort durch Glaucha bis zum Holzplatz war in die Altbauten geschlagen und die massiven Pfeiler der zukünftigen Hochstraße errichtet worden. Der Spruch des damaligen SED-Bezirkschefs Horst Sindermann: „Hier kann man die Kraft des Sozialismus sehen!“ wurde auch damals schon vielfach kolportiert. Dass mit der Hochstraße die getrennten Städte Halle und Halle-Neustadt verbunden wurden, zugleich aber auch der zunehmende Fernverkehr ins Zentrum kam und der Thälmannplatz als verkehrsreichster Platz der DDR auch der gefürchtetste für alle auswärtigen Kraftfahrer war, ist hinreichend bekannt.

Der Riebeckplatz ist durch den Umbau heute angstfreier befahrbar. Durch die fehlenden Umgehungsstraßen wie z. B. die A 143 führen die Fernverkehrswege über die Hochstraße aber noch immer und für eine unabsehbare Zukunft von Westen direkt in die lnnenstadt.

Mit der wieder erstandenen Altstadt und den restaurierten und neugenutzten Franckeschen Stiftungen ist stärker ins Bewusstsein gekommen, dass die Hochstraße als „Fremdkörper“ die gewachsene Altstadt Halle zertrennt.

Die Emissionsbelastungen (Abgase, Staub, Lärm) für unser Krankenhaus sind enorm und alle Versuche seit Anfang der 90er Jahre, diese in Verhandlungen mit der Stadt zu mindern, erbrachten lediglich „Lärmschutzfenster“.

Seit sie aus ihrem zuletzt Ruinendasein wieder erstanden sind, wissen sich die Franckeschen Stiftungen ebenfalls durch die Hochstraße sehr beeinträchtigt. Diese wirkt sowohl durch die Emissionen als auch durch die verstellte Ansicht, insbesondere aber für den 1999 gestellten Antrag zur Aufnahme in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten nachteilig.

Wir Mitglieder der Bürgerinitiative möchten die Diskussion um die Hochstraße anregen. Wir möchten mit den Verantwortungsträgern in Stadt, Land und Bund nach Lösungen für einen Rückbau der Hochstraße suchen. So gibt es für Halle seit der Wende bis heute keinen „Generalverkehrsplan“. Wie wir aus eigener Erfahrung beim Umbau des Haupthauses zum Kinderkrankenhaus wissen, existieren nicht einmal aktuelle Daten über die Emissionen und die Verkehrsfrequenz auf und unter der Hochstraße. Zukunftsweisende Verkehrsbauten wie die Straßenbahntrasse Neustadt — Hauptbahnhof haben sich einfach am Verlauf der Hochstraße orientiert und deren Existenz damit verfestigt.

Für eine lebendige Stadt sind ihre Geschichte, aber auch ihre Attraktivität heute wichtige Lebensvoraussetzungen. Die 1 .200-Jahr-Feier hat gezeigt, wie viel Potential Halle aus seiner reichen Vergangenheit vorzuweisen hat. Die Lebensqualität der Einwohner würde durch den Wegfall der Hauptverkehrsachse Hochstraße und eine bessere Anbindung der „Vorstadt“ Glaucha und der Franckeschen Stiftungen deutlich zunehmen.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative streben keinen kurzfristigen Abriss der Hochstraße an weil sie wissen, dass diese für die gegenwärtige Führung des Nah- und Fernverkehrs unverzichtbar ist. Wir wollen aber mit möglichst vielen Bürgern und den in der Politik auf Stadt-, Land- und Bundesebene Verantwortlichen ins Gespräch kommen, um nach besseren Lösungen für den Nah- und Fernverkehr mit dem Ziel einer lebens- und liebenswerteren Altstadt Halle zu suchen.

Über die bisher dazu von den Gründern der Bürgerinitiative zusammengetragenen Ideen können Sie sich gern die mir vorliegenden Unterlagen ausleihen.

Sollten weitere Mitarbeiter unseres Krankenhauses Interesse an der Mitarbeit in der Bürgerinitiative haben, kann ich dies gern vermitteln.

Bitte sprechen Sie mich in beiden Fällen an (Tel.: 213-4020, Mail:
m.bruemmerc~krankenhaus-halIe-saale.de).

Manfred Brümmer

zurück zu Medien-Berichte