halleforum 17.1.08

Aktuelles
Stadt gibt sich Franckeschen Stiftungen geschlagen
Internationale Bauausstellung
IBA-Projekte werden nur abgespeckt durchgeführt, keine Umgestaltung von Rotem Weg und Lindenhof

(ens) "Balanceakt Doppelstadt"; - unter diesem Motto steht die Teilnahme der Stadt Halle (Saale) an der internationalen Bauausstellung IBA 2010. Neustädter Passage, Riebeckplatz und Tulpenbrunnen sind einige der Projekte, die im Rahmen der IBA verwirklicht werden. Demonstrieren sollen sie die Nahtstelle und Verbindung zwischen der gewachsenen historischen Altstadt und dem modernen Stadtteil Halle-Neustadt auf den beiden Seiten der Saale. Die ersten beiden Projekte hat Halles IBA-Koordinater Friedrich Busmann am Dienstag dem Planungsausschuß vorgestellt.

Franckesche Gärten

Im Dezember sorgte das IBA-Projekt "Franckesche Gärten" für heftige Diskussionen zwischen IBA-Koordinator Friedrich Busmann und Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen. (Das Halleforum berichtete darüber.) So stellten sich die Franckeschen Stiftungen gegen das Vorhaben der Stadt, den sogenannten "Roten Weg" auf eine Breite von 4 Metern zu erweitern. Müller-Bahlke sprach damals von der Schaffung "einer weiteren Schnellstraße". Ebenso zeigte sich der Stiftungs-Direktor mit der Umgestaltung des Platzes vor dem Lindenhof nicht zufrieden und kritisierte unter anderem die geplante Versetzung des August-Hermann-Francke-Denkmals.

Zwar gab es in den letzten Wochen weitere Gespräche mit den Anliegern. Doch mit den Franckeschen Stiftungen kam man offenbar auf keinen gemeinsamen Nenner. Und so zog die Stadt die Notbremse. Das IBA-Projekt "Franckesche Gärten" wird nur noch in einer abgespeckten Variante ohne die beiden strittigen Projekte-Teile durchgeführt. "Aber das ist kein Grund, das gesamte Projekt an den Nagel zu hängen", machte Halles IBA-Koordinator Busmann am Dienstag im Planungsausschuß deutlich.

Realisiert werden nun Projekte, für die die Stadt das Einverständnis der Franckeschen Stiftungen nicht benötigt. Unter anderem soll der Tunneleingang am Waisenhausring aufgewertet werden. Einige Ideen hat Architektin Almuth Krause vom Leipziger Planungsbüro SpielRaumPlanung dazu entwickelt. So könnte das Tunnel-Innere mit einer Plakatwand aufgewertet werden. Auch Beleuchtungs-Effekte kann sich die Planerin vorstellen. Eine dritte Variante sieht den Tunneleingang als eine Art "Tor" vor, über dem eine überdimensionale Jahreszahl "1698" pragt - das Gründungsjahr der Franckeschen Stiftungen. "Der neue Eingang soll Lust machen auf das was dahinter folgt", sagte Krause.

Verbessert werden soll der Zugang vom Roten Weg zur Sekundarschule "August Hermann Franck". Krause will unter anderem die trennende Böschung durchbrechen und dort stattdessen eine große Treppenanlage mit Sitzstufen errichten. Das Umfeld will die Planerin zudem mit einem Kletterfelsen aufwerten. Auf der gegenüberliegenden Seite soll auch das Wohngebiet besser an den Verbindungsweg angebunden werden. Bei den Wohnungsgesellschaften sei man hierbei auf offene Ohren gestoßen. Doch in dieser abgespeckten Variante werden nicht mehr alle vorgesehenen Gelder benötigt. Etwa ein Drittel wird nun auf die anderen IBA-Projekte umgeschichtet.

Saline

Und auch ein weiteres IBA-Projekt wurde am Dienstag im Planungsausschuss vorgestellt: die Umgestaltung der Saline-Insel. Simone Trettin vom Stadtplanungsamt erläuterte unter anderem die Pläne für zwei neue Brücken auf der nördlichen Inselhälfte. Realisiert werden soll zumindeste die Verbindung für Fußgänger und Radfahrer in Höhe Franz-Schubert-Straße, die auch an den Saale-Radwander-Weg angebunden wird. Rund 1,2 Mio Euro soll das Bauwerk kosten und 2009 entstehen und damit eine bessere Verbindung zur Innenstadt darstellen. "Die zweite Brücke ist aber derzeit nicht finanzierbar", so Trettin.

Einen weiteren Schwerpunkt stellt das Saline-Museum dar. Hier soll ein sogenanntes Science-Center (Wissenschafts-Zentrum) entstehen, Halles frühere Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler hat dabei den Hut auf. In einem ersten Schritt soll nun ein Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben werden. Vorgesehen ist auch eine Verbesserung der Eingänge zum Saline-Museum. "Die kleine Tür am Uhrenhaus ist nicht so das Wahre", so Trettin. Ebenso soll rund um das Saline-Museum das Saale-Ufer neu gestaltet werden. Ob auch die Fundamente der alten Anlage freigelegt werden, steht noch nicht fest. Denn dadurch würden auch die dort vorhandenen Parkplätze entfallen. Aufwerten will Trettin auch den Zugang zum Park zwischen Museum und Bad. "Viele Besucher denken, am Tor des Saline-Bades ist Schluß", begründet Trettin die Idee.

Größtes Vorhaben aber ist der geplante Bootsanleger an der Elisabeth-Saale - der einzige öffentliche in Halle. Dort soll unter anderem ein 4 Meter breiter Steg mit einer langen Sitzbank entstehen. Damit will die Stadt den Wassertourismus ankurbeln. Auch ein Restaurantboot soll hier seinen Platz finden. Als Betreiber ist die Jugendwerkstatt Frohe Zukunft vorgesehen. Den Sophienhafen unterdessen könne man für dieses Projekt nicht nutzen, so Trettin. "Der gehört uns nicht, sondern befindet sich in Bundes- und Privat-Besitz." Doch Nutzungsideen gibt es einige, so für einen Yachthafen mit Dauerliegefläche Boote.

Das Gasometer soll künftig für temporäre Veranstaltungen genutzt werden. Bereits in diesem jahr ist eine Aufführung im Rahmen des "Theaters der Welt" vorgesehen. Für den wichtigsten Punkt aber - das leerstehende Karstadt-Kaufhaus - gibt es noch keine Pläne. Zwar gibt es laut Wirtschaftsförderung einige Interessenten für das Gebäude, Konkretes ist aber noch nicht dabei. Weitere Informationen zum gesamten Saline-Projekt finden Sie hier.

Ein Fazit

Anerkennend äußerten sich Thomas Felke (SPD) und Dietmar Weihrich (Grüne) zur geleisteten Arbeit der IBA-Planer. "Aber weniger ist manchmal mehr", sagte Felke mit Blick auf die vielen geplanten kleinen Projekte. Für Busmann keine Variante. Der IBA-Koordinator hält nicht viel von einigen wenigen Projekten. Denn es bringe nichts, nur an einigen Stellen etwas zu verändern oder aufzufrischen und den Großteil des Umfeldes unangetastet zu lassen. FDP-Stadtrat Hans-Dieter Wöllenweber regte an, das "Franckesche Gärten"-Projekt wegen der Konflikte komplett fallen zu lassen und das Geld auf die anderen IBA-Bausteine zu verteilen. "Das Projekt steht nicht infrage", machte Busmann deutlich. Er wolle weiterhin daran festhalten.

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