Halleforum 18.4.08

ADAC gegen Hochstraßen-Abriss

In den nächsten 20 Jahren keine Alternativen zum Abriss

(ens) Kann man auf die Hochstraße zwischen Halle und Halle-Neustadt verzichten und diese durch weniger störende Verkehrswege ersetzen? Genau das will der Verein "BI Hochstraße Halle an der Saale e.V." ausloten und Alternativen zur Hochstraße, die vorbei an den Franckeschen Stiftungen und dem Elisabeth-Krankenhaus führt, finden. Doch diese Alternativen gibt es laut ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt derzeit nicht. Der Automobilclub hat sich deshalb gegen einen Abriss der Hochstraße in Halle (Saale) ausgesprochen. Jürgen Henze, einst Oberbauleiter der Hochstraße und heute Vorstand beim ADAC, sagte, er sehe derzeit keine praktikable Alternative zu der wichtigen Ost-West-Verbindung, die neuesten Schätzungen zufolge von bis zu 72.000 Fahrzeugen am Tag befahren wird. Zwar sei die Hochstraße aus städtebaulicher Sicht störend, aber „ein verkehrstechnisches Meisterwerk“, so Henze. Auch ökologisch sei die Hochstraße sinnvoll. So werden Benzin schluckende Steigungen vermieden und der Verkehr könne kreuzungsfrei rollen – der Schadstoffausstoß dadurch verringert.

Tunnel statt Hochstraße?

Ins Gespräch gebracht wird immer wieder auch ein Tunnel, der die Hochstraße ersetzen soll. Dieser sei zwar technisch lösbar, würde aber einen enormen finanziellen Aufwand bedeuten. Außerdem müsste der Tunnel durch den schwierigen Baugrund bereits weit in Halle-Neustadt beginnen und in der Delitzscher Straße enden. Weil aber 72 Prozent des Verkehrs auf der Hochstraße Quell- und Zielverkehr der Innenstadt sind, würde ein Tunnel für diese Verkehrsteilnehmer keine Alternative darstellen. Den finanziellen Aspekt kann Hans-Georg Ungefug von der BI Hochstraße nicht nachvollziehen, er hält die Kostenschätzungen von 150 Mio Euro für weit mehr als überzogen.

Alternativrouten

Bereits zu DDR-Zeiten habe es zwar Planungen zu Alternativrouten gegeben, doch müssten diese heute noch einmal neu untersucht werden. So seien viele Grundstücke mittlerweile in Privatbesitz und bebaut. Und so wäre ein Ersatz der Hochstraße mit Härten durch zunehmenden Verkehr und Grundstücksenteignungen für die Hallenser in anderen Stadtteilen verbunden. „Es gibt keine Lösung, die alle glücklich macht“, so Henze. Eine Lösung durch die Saaleaue wurde bereits zu DDR-Zeiten aus Naturschutzgründen verworfen. Hans-Georg Ungefug regte Gespräche mit der Europäischen Union an. So könnte diese Tangenten-Variante vom Südwesten Halle-Neustadt durch das FFH-Gebiet zur B91 in Ammendorf vielleicht doch realisiert werden.

Kurzfristig schlug Henze die Anbringung von Schallschutzwänden vor. Dadurch könnte die Lärmbelastung um 10 Dezibel gesenkt werden. Bereits 1990 habe es Angebote aus Halles Partnerstadt Karlsruhe gegeben, die Verbindung mit Plexiglaswänden auszustatten. Das sei damals mit dem Verweis auf einen möglichen Abriss abgelehnt wurden. Doch der Abriss ist für den ADAC weiter entfernt denn je. Mit der Fertigstellung der A38 werde der Verkehr auf der Straße eher noch zunehmen. Und auch der Weiterbau der A143 – unter anderem durch das Vorkommen von Mopsfledermäuse derzeit noch nicht klar –werde kaum eine Verkehrsentspannung bringen.

Und so steht das Fazit für Jürgen Henze fest: „solange keine leistungsfähigen Alternativrouten bestehen, wird es keinen Abriss geben.“ In den nächsten 20 bis  30 Jahren – dann hat die Hochstraße ihre Lebensdauer erreicht – müssten nun Alternativen gesucht werden. Entweder die Sanierung der Hochstraße, oder vielleicht doch andere Routen. „Das ist aber ein Prozess von vielen Jahren.“

Ganz solange will die BI Hochstraße nicht warten. Durch Ingenieurbüros sollen nun Gutachten für Alternativrouten erstellt werden. Dafür werden derzeit Sponsorengelder eingeworben. Ziel: die Entwicklung „Intelligenter Ideen“ (Zitat: Ungefug) in den nächsten zwei Jahren. Ein zweiter Punkt ist für Hans-Georg Ungefug die Verkehrsvermeidung. „Das ist immer wieder ein gern genommenes Schlagwort“, so Jürgen Henze. Doch so einfach lässt es sich nicht realisieren. So gebe es Untersuchungen, dass der Gütertransport auf der Schiene länger als mit dem LKW dauere.

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