Halleforum 20.9.08

Jugendwettbewerb zur Zukunft der Hochstraße

Verein schreibt Wettbewerb für Schulen aus, sich Gedanken über eine
Verkehrsplanung der Zukunft zu machen

(ens) Seit 1971 verbindet sich Riebeckplatz und Halle-Neustadt, die Hochstraße. Aber wird sie in 30 Jahren noch stehen? Und wie könnte sie dann aussehen?Genau damit soll sich jetzt ein Schüler-Wettbewerb beschäftigen, den die BI Hochstraße mit Unterstützung von Landtags-Vizepräsident Rüdiger Fikentscher ausgeschrieben hat. „Vielleicht hilft uns die Fantasie der jungen Leute, den von uns als übel empfundenen Zustand eines Tages zu beseitigen“, begründet Fikentscher sein Engagement. Er erinnerte an den Bau der Hochstraße vor über 30 Jahren. Mit der "damals üblichen Rücksichtslosigkeit" sei die Trasse quer durch die Stadt gezogen worden, ohne auf Denkmal- und Lärmschutz zu achten.

Für den Wettbewerb erhoffen sich die Initiatoren Unterstützung durch die Schulen. Insgesamt 23 weiterführende Schulen habe man angeschrieben, sagte Initiativen-Sprecher Hans-Georg Ungefug am Freitag. Diese sollten die Wettbewerbsunterlagen an die Schüler verteilen, die Zukunft der Hochstraße möglicherweise im Geographie-Unterricht behandeln. Ansprechen wolle man mit dem Wettbewerb Jugendliche im Alter bis zu 21 Jahren. Unter dem Motto „Leben in Halle ohne Hochstraße?“ sollen sie sich unter anderem damit beschäftigen, wie sie sich ihre Stadt in 15 Jahren vorstellen, was Halle bieten muss damit sie nicht wegziehen oder welche kreativen Ideen zur Stadtentwicklung ihnen einfallen. Auch der Frage, ob die Hochstraße aus Sicht der Jugend noch eine Bedeutung hat, ist Aufgabenstellung in dem Wettbewerb. „Wir wollen mal sehen, welche Dinge sich die Jugendlichen überlegen, wie man die Hochstraße ohne Verkehrschaos überflüssig machen kann“, so Ungefug. Für ihn ist die „optische Grenze“ Hochstraße der Hinderungsgrund, damit Altstadt und südliche Innenstadt zusammenwachsen können und „der tote Innenstadtraum“ wiederbelebt wird.

Planer Ingo Kautz berichtete von den Planungen zu DDR-Zeiten. Damals sei ein  Ringkonzept vorgesehen gewesen. Doch auf persönliche Intervention von Horst Sindermann ist es dazu nicht gekommen, stattdessen wurde die Hochstraße gebaut. „Gegen den Willen der damaligen Stadtplaner“, weiß Kautz. Nun gelte es, den Ring schnellsten fertig zu stellen. Damit gebe es irgendwann einmal die Option, auf die Hochstraße zu verzichten.

Eingereicht werden können die Wettbewerbs-Vorschläge bis zum 30. November. Dabei sind Modelle und Zeichnungen ebenso willkommen wie Fotokollagen und Videos. Alle Beiträge werden anschließend von einer Jury bewertet, die unter anderem aus Bürgermeister Thomas Pohlack, Halloren Schokoladenfabrik-Chef Klaus Lellé und Architekt Uwe Graul besteht. Für den ersten Platz winkt ein Preisgeld von 500 Euro. Der Zweitplatzierte bekommt 300 und der Drittplatzierte 100 Euro. Im Januar wird dann eine Jury die eingegangenen Vorschläge bewerten. Die Ergebnisse sollen dann im nächsten Jahr auch in einen nationalen Kongress einfließen. Dann werden sich in Halle Vertreter von deutschen Städten mit ähnlichen Problemen des Verkehrs treffen. Geplant ist auch ein internationaler Kongress.

Dass an einen schnellen Abriss der Hochstraße nicht zu denken ist, das wissen auch die Initiatoren. „Das Projekt richtet sich an die nächste Generation“, so  BI-Vorsitzender Jens Holger Göttner. Er hoffe auf „verrückte Ideen“. Man müsse einmal „raus aus dem ganz normalen Fahrwasser“. Frühestens in 20 bis 30 Jahren werde man wohl reell mit einem Abriss rechnen können. Eine Zwischenlösung ist für Göttner die derzeit notwendige Sanierung. Drumherum werde man wohl aber nicht kommen. Verschleißteile wie Dichtungen, Kappen und die Fahrbahn sind am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen. Ab 2013 will die Stadt das Bauwerk deshalb für 7 Mio Euro sanieren. Doch fest steht für Göttner: 2038 ist die Hochstraße am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen.

Ins Blickfeld bei Diskussionen um die Hochstraße rücken auch immer wieder die  Franckeschen Stiftungen. Diese wollen 2014 als UNESCO-Weltkulturerbe ernannt werden. Bei der BI wünscht man sich deshalb von der Stadt eine Absichtserklärung. Doch Hans-Georg Ungefug hegt Zweifel. Der Stadtrat sei ein schwieriger Partner. In Halle werde Partei- statt Sachpolitik betrieben, schimpfte er.

Zurück zu "Medien-Berichte"