Halleforum 25.6.09

Eine Busfahrt durch die IBA-Stadt
Friedrich Busmann und Andreas Haase stellten bei einer kleinen IBA-Rundreise in Halle (Saale) das Busprojekt vor, nachhaltige Ergebnisse der IBA sind bereits sichtbar

(una) Am Mittwoch stellten die Verantwortlichen der Internationalen Bau Ausstellung (IBA) von Halle ein weiteres Highlite für die Abschlusspräsentation 2010 vor, leider erst einmal nur mit Worten und nur auf dem Papier. Es handelt sich um einen ein Gelenkbus vom Typ Mercedes, zur freien Verfügung gestellt von der HAVAG. Der Architekt Andreas Haase vom Büro Complizen schwärmte regelrecht von dem Projekt. Das Innenleben gliedert sich in die sieben IBA-Projekte. Begonnen wird vorn mit den Hochhäusern, die Frankeschen Gärten und das problematische Glauchaviertel folgen. Der Gelenk-Mittelteil des Busses steht passend als verbindende und doch trennende Salineinsel zwischen dem alten und neuen Halle. Dem schließt sich das Quartier Tulpenbrunnen und Zentrum Neustadt mit seinem Skaterpark an. Für das letzte Projekt, die Magistrale fungiert der Bus in seiner ganzen Länge. Und diese Aufteilung wird auch im äußeren Erscheinungsbild des Busses zu erkennen sein.

Im Innern wird es Printpräsentationen mit Hintergrundinformationen zu den einzelnen Projekten geben, ein rund zwanzigminütiger Film wird das ganze abrunden. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm, untergliedert in Basis-, Zielgruppenspezifisches -, Vortrags- und Interventionsprogramm. Der Bus wird die einzelnen (insgesamt 7) IBA-Projekte in der Stadt Halle nach einem Fahrplan anfahren. An den Stellplätzen des Busses soll der ganze Parkplatz zur offenen Schau mit einbezogen werden. Es wird Programme für Kinder im Vorschulalter geben, dann vor Ort bei den Einrichtungen in Zusammenarbeit mit dem Halleschen Kinderkunstforum. Schüler werden vor Ort abgeholt, es wird Touren an andere IBA-Orte in Sachsen-Anhalt geben. Ab ende März 2010 ist wird es für den Bus einen Fahrplan geben. Den Umbau des Gelenkbusses übernimmt die Jugendwerkstatt in Halle.

Sichtbare Ergebnisse der IBA in der Stadt Halle konnte Friedrich Bussmann bei der Fahrt zu einigen Stationen vorweisen.

Erster kurzer Stopp war am Tunneleingang zu den Frankeschen Stiftungen. Eigentlich sollte in den Stiftungen der so genannte Rote Weg und die „Franckeschen Gärten“ durch die IBA umgestaltet werden. Dagegen sperrten sich aber die Stiftungen erfolgreich. „Wir wollen uns nichts überstülpen lassen“, so damals der Stiftungsdirektor Dr. Thomas Müller-Bahlke. Übrig geblieben von der Anfangsidee ist nur noch die Aufwertung des Tunnels zwischen dem Waisenhausring und den Franckeschen Stiftungen. Im Tunnelinneren werden senkrechte Lichtbänder ähnlich eines Stelenweges für die nötige Beleuchtung sorgen. Die Tunnelwände erhalten eine dunkle neutrale Farbgebung. Die Gestaltungsidee kam von der Leipziger Agentur SpielRaumPlanung, bis 3. August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Zweiter Anlaufpunkt war der Riebeckplatz, es ging um die beiden leerstehenden Hochhäuser am selbigen. „Dieser Leerstand ist eine Provokation“ so IBA-Koordinator Friedrich Bussmann. „Die Frage ist, was sind uns die Hochhäuser wert“, so Bussmann weiter. Eigentlich sehr viel, aber die Wirtschaftlichkeit stehe im Vordergrund. Mit einem Sanierungsaufwand von 14 Millionen je Hochhaus ist der Eigentümer, die HWG überfordert. Infrage komme nur der Abriss, dem aber ein Neubau folgen müsse. Sonst bleibe dort eine Wunde. Pläne für einen Neubau gibt es bereits, allerdings nur für einen Hochhausturm. 90 Meter sollen es werden, höher als die jetzigen mit ihren 66 Metern.

Anschließend kurzer Stopp im Glauchaviertel am Kiosk Pinguin. Dort wurden sie erwartet von Mitgliedern vom Postkult e.V.. Sie waren am vergangenen Wochenende die Hauptorganisatoren der Fête de la Musiqe im Glauchaviertel, unterstützt durch die IBA. Aufmerksam auf das Viertel mit seinem hohem Anteil an unsanierten Häusern, und nun dort heimisch geworden, war der Verein im Rahmen des IBA-Projektes. Das Karo Architektenteam hat eine Sozialstudie erstellt. Hoher Leerstand, teils schwierige Bewohner, viele Bedarfsgemeinschaften, wer nicht betroffen ist wohnt dort nicht lange. Mit Hilfe des Stadteilmoderators wird dort inzwischen erfolgreich dagegen angegangen, unter anderem bekamen Hauseigentümer Geld für Sicherungsmaßnahmen. Und das Glauchaviertel nimmt seit kurzem teil an einem Bundesprogramm, als erster Erfolg ist die Gründung der Eigentümergemeinschaft zu verzeichnen.

Auf der Fahrt zum vierten Halt ein Blick und Ausblick zum Projekt Saline-Insel. Es wird eine neue Brücke von der Franz-Schubertr-Straße zur Saline geben, Baustart ist Juni 2010. Im selben Jahr ist die Eröffnung des Stadhafens geplant. Die Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados macht sich stark für eine Überdachung des Gasometers auf dem Holzplatz. „Und“, so Bussmann, „es gibt Grundstückskäufe auf der Saline, was es seit Jahren nicht mehr gegeben habe.“ Aber auch Andreas Haase hat so seine Visionen, er träumt von einer Kinderstadt auf der Saline mit Unterstützung durch das Thalia-Theater.

In Neustadt ging es zum Tulpenbrunnen, der im neuen Glanz erstrahlt. Gab es anfangs gegen das Projekt vorbehalte, wird das geschaffene von den Anwohnern nun gelobt, so freier Landschaftsgestalter Peter Weißenborn. Die kleinen Fließen im Boden des Platzes, vereinzelt eingelassen, kommen gut an. Die Galerie im Grünen hat auch eine Aufwertung erfahren, 2 Millionen werden insgesamt Investiert. Noch nicht fertig ist der Kinderspielplatz mit einem Flugsaurier als bespielbare Skulptur. Bemängelt wurde von Frau Szabados (auf Nachfrage) das der Kinder- und Jugendrat bei der Spielplatzgestaltung nicht mit einbezogen wurde.

Letzte Station der Skaterpark an der Neustädter Passage. Von Anwohnern skeptisch gesehen, von Rad- und Skaterakrobaten schon lange gewünscht. Noch nicht fertig, aber schon in Teilen genutzt wird er von der Szene. Aus der Luft gesehen soll das Ensemble den Schriftzug Halle ergeben.

Zurück geht es über die Magistrale, dem letzten Projekt, in dem auch die Hochstraße mit inbegriffen ist. Kontrovers darüber die Meinungen. Die einen träumen von ihrem Abriss, die anderen sehen sie als unverzichtbar. Für die, die Träumen, gibt es eine Bürgerinitiative in Halle, für die anderen steht (unter anderem) die Stadt. Man war sich anfangs nicht grün. Jetzt spricht man wieder miteinander, so Bussmann. Sogar gemeinsame Nenner wurden gefunden. Als angestrebtes Ziel für den (möglichen) Abriss wurde das Jahr 2030 als Zieldatum avisiert. Für ein weiteres Miteinander beider Seiten wird es einen Moderator geben, mit einem anderen Blickwinkel, er ist nicht von hier. Aus Dresden und ein Verkehrsexperte, so wurde versichert.

Und ein Event der besonderen Art verkündete Bussmann für das Jahr 2010. Am 29. Mai soll die Hochstraße als Ort für Veranstaltungen gesperrt werden. Gleichzeitig als Test: wie läuft es unten, wenn es ein oben nicht mehr gibt.

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