Halleforum 4.5.10

Hochstraße: Untersuchung zur Zukunft
Werkstattgespräch über die Notwendigkeit der Hochstraße

Die Stadt Halle will eine Studie zur Zukunft der Hochstraße in Auftrag geben. Das sagte Baudezernent Thomas Pohlack nach einem IBA-Werkstattgespräch zur Hochstraße gegenüber HalleForum.de. Noch nicht entschieden sei aber, wer die Studie für die Stadt durchführe. Man habe mehrere Planungsbüros angesprochen.

In der gut zweistündigen Diskussionsrunde blieb Pohlack bei seiner bereits vor einem halben Jahr getroffenen Aussage, wonach man möglicherweise auf eine Hochstraßenbrücke verzichten könnte. In der studienmäßigen Untersuchung solle nun herausgefunden werden, ob durch einen teilweisen Rückbau die Leistungsfähigkeit eingeschränkt werde, so Pohlack. Mit Ergebnissen rechne er im Frühjahr. Diese sollen dann in die Planungen für die in spätestens fünf Jahren anstehende notwendige Sanierung des Bauwerks einfließen. Halle müsse aber weiter mit der Neustadt verbunden bleiben, reagierte Pohlack auf bestehende Bedenken der Neustädter.

Tiefbauamtsleiter Martin Heinz informierte in der Runde über Daten rund um das Bauwerk. 1971 seien beide Brücken eingeweiht worden. Die Lebensdauer betrage maximal 75 Jahre. 200.000 Euro pro Jahr benötige man aktuell für die Instandhaltung. Eine Sanierung würde 6,3 Millionen Euro je Brücke verschlingen. Die Verwaltung berichtete zudem von den Verkehrszählungen im vergangenen Jahr. Demnach wurden in Richtung Innenstadt 20.445 und in Richtung Neustadt 22.675 Autos gezählt. Hinzu kommen rund 15.000 Autos unterhalb der Hochstraße.

Die Hochstraße sei eine städtebauliche Wunde, sagte Architekt Dieter Lehmann. Dem konnte auch Jürgen Henze, einst Oberbauleiter der Hochstraße, beipflichten. „Aber verkehrstechnisch ist es die beste Lösung, die es gibt.“ Die Zeit der Restlebensdauer sollte die Stadt nun für Planungen einer Alternative nutzen. Stadtrat Olaf Sieber (Linke) sieht einen Rückbau der Hochstraße kritisch. Viel mehr sollte der komplette Verkehr der unteren Ebene nach Oben verlagert werden, meinte er. So könnten neuralgische Punkte entschärft werden. Ein Diskussionsteilnehmer fragte an, ob man nicht eine Trasse verbreitern könne, um so auf die zweite Brücke zu verzichten. Die Verbreiterung erachtete er für notwendig, um Rettungsfahrzeugen ein Durchkommen zu ermöglichen. Auch einen Tunnel sollte man nicht ausschließen, wurde vorgeschlagen, selbst wenn an eine Realisierung erst in 50 Jahren zu denken sei.

Professor Ahrens von der TU Dresden sagte, die Menschen müssten vom Mono- und Multimodul erzogen werden – also weg vom eigenen Auto, hin zu mehr Nutzung von ÖPNV oder Car-Sharing.

Ansonsten brachte die Diskussionsrunde kaum neues. Nur die bereits im November diskutierten Pläne, die TU Dresden stärker einzubeziehen, scheinen Wirklichkeit zu werden. Eine Studienarbeit zum Bauwerk soll geschrieben werden.

Ein "Berufskraftfahrer", wie er sich selbst vorstellte, hatte noch einen Vorschlag. Die Bürgerinitiativen für den Abriss der Hochstraße und gegen den Abriss der Riebecktürme sollten sich zusammentun. So solle man dafür sorgen, dass die Neustädter nach Halle kommen. So könnte man die Hochhäuser am Riebeckplatz füllen und bräuchte auch die Hochstraße nicht mehr.

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