Halleforum 9.9.08 Klausbrücke

Streit um Sanierung der Klausbrücke in Halle
Stadt legt neues Gutachten vor und informiert über eine drohende Sperrung des Hallorenrings. Denn die Gewölbe der Gerbersaale sind dringend  sanierungsbedürftig. Der Ausbau soll zusammen mit der Klausbrücke erfolgen. Gesamtkosten von über 10 Mio Euro.

(ens) In über 20 Sitzungen hat der Planungsausschuss der Stadt Halle (Saale) über einen Zweirichtungsverkehr auf dem Robert-Franz-Ring zwischen Anker-und  Mansfelder Straße diskutiert. Und über 20mal kam es zu keinem Ergebnis, immer wieder wurde eine Entscheidung vertagt. Im Mai fällte der Planungsausschuss dann immerhin eine Entscheidung und beauftragte die Stadt, den Zweirichtungsverkehr zu prüfen. Am Dienstagabend wurden die Ergebnisse vorgestellt und sorgten für heftige Diskussionen.

So stellte das von der Stadt beauftragte Planungs- und Ingenieurbüro Brenner aus Magdeburg dar, wie ein Zweirichtungsverkehr realisiert werden kann. „Technisch ist es möglich, aber wir würden es nicht empfehlen“, war das Fazit von Prokurist Ulrich Schütze. So würde der Verkehr bei einer Öffnung zunehmen, von jetzt 570 auf dann 720 Autos pro Stunde. 510 Autofahrer würden weiterhin den Bogen über die Ankerstraße fahren, der Rest den Weg über Klausbrücke und Hallorenring nehmen. Um in diesem Bereich Stauungen zu verhindern, schlagen die Verkehrsplaner zwei zusätzliche Ampeln vor – eine an der Kreuzung Robert-Franz-Ring/Ankerstraße und eine weitere an der Kreuzung Mansfelder Straße/Robert-Franz-Ring – durch diese Ampeln soll unter anderem verhindert werden, dass die Straßenbahnen im Stau stehen.

Abbiegespuren müsste es dem Gutachten zufolge vom Franz-Ring in Richtung Ankerstraße geben. Ob das wirklich nötig ist, zweifelte Frank Sänger (CDU) an. Auf die Linksabbiegespur in die Ankerstraße könnte man durchaus verzichten und das Abbiegen verbieten. Schließlich gebe es mit der Genzmer Brücke eine weitere Möglichkeit, auf die Saline zu kommen. Verhindern wollte Sänger damit eine Verbreiterung des Robert-Franz-Rings. Doch auch bei einem Verzicht auf die Abbiegespuren wäre die unumgänglich. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens müsste die Stadt bei Baumaßnahmen auch Rücksicht auf die Belange der Radfahrer nehmen und einen Radweg bauen, ebenso sind neue Fußwege nötig. Lösbar wäre eine Verbreiterung nur, wenn an dieser Stelle die Spundwand am Mühlgraben verlegt wird. Doch auch das sorgt für Kritik, unter anderem bei Ludwig Ehrler. "Der Mühlgraben ist ein Schatz für Halle." Ihn zu verbauen wäre eine Katastrophe.

Zweifel am vorgelegten Zahlenwerk äußerte Martin Bauersfeld (CDU) und nannte es „fragwürdig“. „Hier gibt es erhebliche Ungereimtheiten.“ Den Gutachtern warf er mangelnde Neutralität vor, weil diese bereits seit 4 Jahren  n geschäftlichen Beziehungen zur HAVAG stehen. Doch Planer Schütze wehrte sich. „Ich würde mich strafbar machen, wenn ich nicht unabhängige Gutachten erstellen würde“, entfuhr es ihm.

Sperrung des Hallorenrings? Doch der größte Knackpunkt des Abends sollte noch kommen: die Stadt erklärte, dass die 1895 entstandene Überbauung der Gerbersaale zwischen Hallmarkt und Klausbrücke dringend sanierungsbedürftig ist. In den letzten 10 Jahren seien vermehrt Bauschäden aufgetreten. Untersucht wurde bereits eine mögliche Sperrung für Straßenbahnen und Autos. „Wir standen schon kurz vor der Sperrung“, bestätigte Jens Otto von der Verkehrsplanung Halle. Diese ist zwar vorerst vom Tisch. Doch die Stadt machte deutlich, dass eine Sanierung wohl spätestens 2010 erfolgen muss, weil sonst eine Sperrung unumgänglich wird. Ideen zur Sanierung gibt es bereits. So gibt es Planungen, die Gewölbe mit Spritzbeton von Innen abzusichern. Erste Kostenschätzungen gehen von mindestens 5,5 Millionen Euro aus.

Kritik erntete die Stadt dafür, erst jetzt über den Zustand zu informieren. Dies hätte schon viel früher passieren müssen. Wegen der neuen Erkenntnisse bleibt wohl den Stadträten nichts anderes übrig, als schnell zu einer Beschlussfassung zu kommen, um eine sicherheitsbedingte Sperrung verhindern. Doch Ein- oder Zweirichtungsverkehr am Robert-Franz-Ring, das ist noch immer nicht klar.

Erfolgen soll die Sanierung der Gewölbe der Gerbersaale zusammen mit einer  Sanierung der Klausbrücke. Vom Land gebe es dafür bereits positive Signale, erklärte Planungsdezernent Thomas Pohlack. Noch nicht entschieden ist aber, wie nun der Verkehr an der Klausbrücke künftig rollen wird. Bleibt alles so wie jetzt, kostet eine Sanierung 4,2 Mio Euro. Durch einen Zweirichtungsverkehr am Robert-Franz-Ring könnten die Kosten auf bis zu 6,9 Mio Euro anwachsen. Zusammen mit dem Hallorenring würde die Sanierung damit über 10 Mio Euro kosten. Im Oktober will die Stadt entsprechende Beschlüsse vorlegen.

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