MZ 01.08.2011

Der neue Bauchef ist da
Uwe Stäglin tritt sein Amt als Dezernent an. Der Berliner plädiert für schnellen Osttangenten-Beschluss. Erstes Beratungsthema: Die Umweltzone.

Autor: Michael Tempel

Auf einem Schränkchen steht ein bunter Berliner Bär, den er von seinen Ex-Kollegen zum Abschied mitbekommen hat. Von seinem neuen Büro im Technischen Rathaus am Hansering blickt er aufs Fahnen-Monument. Uwe Stäglin hat gestern seinen ersten Arbeitstag als Halles Baudezernent gehabt. Osttangente, Riebeckplatz, Hochhaus-Scheiben, verfallende Altbauten: Auf den 40-Jährigen warten viele wichtige Projekte und Probleme. Sich zu diesen Streitthemen zu positionieren, hat er gestern noch vermieden. Zur Osttangente ließ Stäglin indes durchblicken: "Die Beschlüsse müssen schnell gefasst werden."

Einarbeiten angesagt

Am Morgen war der gebürtige Berliner zunächst von Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) vereidigt worden. Was ihn in Halle erwartet, dazu habe er sich bereits einen ersten Überblick verschafft. Jetzt gehe es für ihn darum, sich von seinen Mitarbeitern alle Details der einzelnen Projekte geben zu lassen. So auch für die Osttangente, bei der der Baubeschluss für den letzten Abschnitt wegen heftiger Anwohnerproteste aussteht - dabei wird die Umgehungsstraße dringend benötigt. Viel Zeit zum Händeschütteln hatte Stäglin nicht. Seine erste Beratung im Dezernat drehte sich um die ebenfalls umstrittene Umweltzone. Diese soll am 1. September in Kraft treten (siehe nebenstehenden Beitrag). "Da haben wir einen straffen Zeitplan", so Stäglin, der als Fahrrad- und Nahverkehrsfan andeutete, kein Umweltzonen-Gegner zu sein.

Seine Wohnung in Berlin hat Stäglin am Freitag aufgegeben, am gleichen Tag ist er in seine neue Bleibe in der halleschen Pfännerhöhe eingezogen. Die kommende Zeit wolle er nutzen, sein neues Umfeld weiter zu erkunden. "Halle bietet viel, das ist eine schöne Stadt." Eine schöne Stadt, die von einer Hochstraße zerschnitten wird. Von den Debatten um die Trasse hat Stäglin gehört. "Die Hochstraße ist keine Glaubensfrage, sondern eine verkehrsplanerische Frage", sagte er sachlich-diplomatisch. Vor einem Abriss müsse eine Alternative her, die den Verkehr aufnehmen kann. Überhaupt lege er Wert auf Sachlichkeit, meinte Stäglin - auch in Bezug auf den Stadtrat mit seinen komplizierten Mehrheitsverhältnissen. "Dort müssen wir gut vorbereitet rangehen und überzeugen."

Noch zwei Termine in Berlin

Politische Erfahrungen bringt Stäglin mit, der im Mai vom Stadtrat zum Nachfolger von Thomas Pohlack gewählt worden war. Bislang war das SPD-Mitglied Baustadtrat im Berliner Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf. Dort will er nach seinem Antritt in Halle noch zwei Termine, die wichtige Projekte seines bisherigen Schaffens betreffen, wahrnehmen: die Einweihung eines Uferwegs am Wannsee und die Eröffnung des Einkaufszentrums "Boulevard Berlin".