MZ 02.11.10

Halle
Paddeln gegen den Strom
PULVERWEIDEN-WEHR
Kanuverein will dort einen Wildwasserkanal - die Stadtwerke möchten ein Kraftwerk.

Autor: Michael Falgowski

Am kräftig rauschenden Wehr der Elisabethsaale an den Pulverweiden ist ein heftiger Wasserstreit entbrannt. Die Akteure sind der Böllberger Kanuverein und die kommunalen Stadtwerke. Die Wassersportler planen schon seit rund einem Jahrzehnt am Wehr einen Wildwasserpark. Die Anlage soll aus einer 290 Meter langen sowie acht bis zwölf Meter breiten künstlichen Wasserrinne mit Gefälle bestehen. "Der Wildwasserpark wäre ein großer Gewinn für Halle. Wir rechnen allein mit rund 10 000 Gästen jährlich, die beim Wildwasser-Rafting Spaß haben wollen", sagt Vereinschef Uwe Pfannmöller. Bisher scheiterte das Projekt, für das bereits Baurecht besteht, an der Finanzierung. Geschätzte Kosten: vier Millionen Euro. Nun droht weiteres Unheil.

 

Kommunalbetrieb kritisiert Kanal

Gegen das ehrgeizige Projekt hat des Stadtwerke-Konzern Einspruch erhoben. Denn die kommunalen Energiewirtschaftler wollen am Elisabeth-Wehr ein Wasserkraftwerk bauen. Zwei Turbinen sollen 4,1 Gigawatt Strom im Jahr erzeugen, was für rund 2 100 Haushalte reichen würde. Dieses Projekt sehen die Stadtwerke durch den Wildwasser-Bypass gefährdet: Der schlucke zu viel Wasser und verhindere den wirtschaftlichen Betrieb des Kraftwerks. Die Argumente der Energiewirtschaftler, die beim Genehmigungsverfahren des Wildwasserparks immer mit am Tisch saßen, kann Martin Kehl nicht nachvollziehen. Kehl hat das Projekt der Wildwasserstrecke initiiert. "Die Saale führt ein Mittelwasser von 100 Kubikmetern pro Sekunde. Ein Kraftwerk braucht nur maximal 50", so Kehl, der am Planenaer Wehr selber ein Kraftwerk betreibt. Der Wildwasserpark würde aber nur zwölf Kubikmeter benötigen, dies zudem nicht permanent, sondern nur stundenweise. Außerdem gebe es mit dem Wehr ja eine Regulierungsmöglichkeit.

Bei den Stadtwerken war am Monatg kein Verantwortlicher zu sprechen. Entscheiden muss letztlich der Stadtrat. Denn die Kommune muss die Fördermittel für den Wildwasserpark beantragen, gleichzeitig aber die Interessen der Stadtwerke-Tochter im Blick haben. Montag hatten Pfannmöller und Kehl einen Termin im halleschen Rathaus bei Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann. Es ging um die Finanzierung des Wassersportkanals. In dessen Planung und Genehmigungsverfahren habe der Verein bereits mehr als 250 000 Euro investiert.

EU-Förderung bis 80 Prozent

"Der Wirtschaftsdezernent will prüfen, ob die von uns vorgeschlagene Förderung durch die EU funktioniert", sagt Pfannmöller. Neumann selbst wollte sich dazu nicht äußern. Nach Jahren vergeblicher Bemühungen setzt das Konzept nun vor allem auf die touristische Bedeutung des Kanals, was eine 80-prozentige Förderung ermöglichen könnte. Der Rest soll über Eigenleistungen und Kredite finanziert werden. "Wir rechnen mit 100 000 Euro Einnahmen im Jahr, so dass ein Kredit in zehn Jahren refinanzierbar ist", sagt Kehl. Der Stadtrat habe zuletzt 2009 für die Wasserrinne grünes Licht gegeben - wenn er die Stadt nichts koste. Unterdessen gerät das Wildwasserpark-Projekt unter Zeitdruck: Das Baurecht erlischt Ende 2011.

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