MZ 03.03.2011

Weltkulturerbe ab 2014?
Antragstermine für Franckesche Stiftungen sind nun bekannt.
Müller-Bahlke: Abriss der Hochstraße ist keine Vorbedingung.

Autor: Michael Falgowski

Täglich rauschen unmittelbar neben den Franckeschen Stiftungen auf der Hochstraße Tausende Autos entlang - in Höhe der zweiten Etage des grandios sanierten längsten Fachwerkhauses Europas. Für Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke ist die Autobrücke an der Nordflanke ein Ärgernis: "Die Hochstraße schneidet uns von der Altstadt ab", sagt er. Seit Jahren plädiert er für den Abriss.

Erst Antrag bringt Klarheit

Doch verhindert die Trasse tatsächlich auch den Titel des Unesco-Weltkulturerbes, den die Stiftungen anpeilen? Dies wird von den Gegnern der 700 Meter langen Magistrale auf Stelzen immer wieder ins Feld geführt.

"Ein Abriss der Hochstraße ist keine Vorbedingung für den Titel", stellt Müller-Bahlke gestern auf Nachfrage der MZ klar. Aber er fügt sofort hinzu: Ich bin mir sicher, dass wir nur eine reelle Chance haben, wenn sich die Stadt dazu bekennt, langfristig wenigstens auf die Südtrasse zu verzichten." Hilfreich wäre es wohl in jedem Fall. Diesen Eindruck habe man in Gesprächen mit Unesco-Mitarbeitern gewonnen. "Wirklich klar wird das aber wohl erst nach der Antragstellung."

In zwei Jahren könnte das Land Sachsen-Anhalt nun den Antrag auf Aufnahme der Stiftungen in die Welterbeliste einreichen. "Vor einigen Tagen hat uns die deutsche Beauftragte der Welterbe-Kommission bestätigt, dass 2014 oder 2016 über den Titel für die Stiftungen entschieden wird. Im ersten Fall müsste der Antrag 2013 fertig sein", so Müller-Bahlke.

Wann die Unesco-Welterbekommission über Franckens Stiftungen urteilt - 2014 oder 2016 - das hängt von der Sitzung des Gremiums Mitte dieses Jahres in Paris ab. Denn dort soll entschieden werden, ob Deutschland künftig für ein oder zwei Kulturgüter den Antrag stellen dürfe, in die Welterbeliste aufgenommen zu werden.

Auf Vorschlagsliste seit 1998

Bereits seit 1998 steht die als Armen- und Waisenanstalt gegründete Schulstadt in Glaucha auf der deutschen Vorschlagsliste für das Weltkulturerbe. Nun habe man endlich einen Termin, so Müller-Bahlke erleichtert. Der umfangreiche Antrag liege nicht in der Schublade, man habe aber bereits viele Vorarbeiten geleistet. "Im Antrag muss klar herausgearbeitet sein, dass die Franckeschen Stiftungen eine weltweit einzigartige soziale und pädagogische Zweckarchitektur des 18. Jahrhunderts darstellen." Und es gehe um das immaterielle Erbe - die Schulstadt sei kein Museum, sondern ein Bildungskomplex in historischen Mauern, in dem die Ideen Franckes heute noch lebendig seien. "Mit dem Weltkulturerbe mitten in der Stadt würde Halle aufgewertet. Die internationale Aufmerksamkeit auf Halle hätte zweifellos auch Effekte für den Tourismus", so Müller-Bahlke.

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