MZ 04.03.11 - 1

Halle
Verein will für Hochstraße kämpfen
Stadtentwicklung: Debatte um die Trasse entlang der Franckeschen Stiftungen geht weiter. Jetzt melden sich die Befürworter zu Wort

Autor: Michael Falgowski

Den ersten Kampf um die beiden Riebeckplatz-Hochhäuser hat sie verloren, die Bürgerinitiative um Reiner Halle. Obwohl sie am Ende durchaus die Öffentlichkeit gegen den Abriss des 65 Meter hohen Nordturms mobilisieren konnte. Aber man habe sich zu spät engagiert, sagt Halle. Er ist sicher: "Bei der Hochstraße passiert uns das nicht." Inzwischen haben der 73-Jährige und seine Mitstreiter sogar einen Verein gegründet. "Stadtgestaltung Halle" heißt der. Ein Name, der auch einen weitergehenden Anspruch formuliert.

Keine Alternative zur "Nabelschnur"

"Doch aktuell geht es uns um die Hochstraße. Wir glauben, dass es zu dieser Nabelschnur keine Alternative gibt", sagt Halle. Wieso? "Bei allen anderen Varianten würde der Verkehr nur vor die Türen anderer Leute verlegt." Der Verkehrsbauer war Ende der 60er Jahre Bauleiter für die Umgestaltung des heutigen Riebeckplatzes.

Auf dem Tisch in seinem Wohnzimmer türmen sich Pläne, Zeichnungen, Kopien und Zettel mit Berechnungen. Darüber beugt sich auch Jürgen Heimbold. Der ebenfalls 73-Jährige war seinerzeit Leiter für den Erdbau der Trasse, deren Pfahlfundamente bis 25 Meter tief reichen. "Wir sammeln jetzt alle Vorschläge und diskutierten Varianten der Verkehrsführung - und rechnen sie durch", erläutert er. In ein paar Wochen werde man fundierte Ergebnisse vorstellen können.

Klar sei jedoch bereits, so ergänzt Reiner Halle, dass die Forderung der Bürgerinitiative Hochstraße, die Elisabeth-Brücke als Saaleübergang zur Mansfelder Straße zu öffnen, nicht funktioniere. "Die Straße ist zu schmal. Und die Straßenbahn fährt dort auch", so Verkehrsbauer Halle. Auch den von der Stadt vorgeschlagenen Teilabriss und die Verlegung einer Fahrbahn nach unten sehe man etwa wegen der kreuzenden Straßenbahnen kritisch. Dennoch, versichert er, prüfe man ergebnisoffen.

Das mag sein. Dennoch sind alle Vereinsmitglieder und Unterstützer davon überzeugt, dass die Magistrale auf Stelzen die beste Lösung für den Verkehr in Halles Innenstadt bleibt. Und: "Nur um die Nordansicht der Franckeschen Stiftungen zu verbessern, sollen viele Millionen Euro ausgegeben werden", sagt Ingenieur Heimbold.

Das Argument, die Hochstraße könnte den Weltkulturerbe-Status der Stiftungen verhindern, lässt Reiner Halle nicht gelten. "Niemand weiß doch, ob das überhaupt stimmt."

Bisher hat der Verein "Stadtgestaltung" zehn Mitglieder. Dazu gehört auch Wolfgang Heinrich, bis 2002 Baudezernent von Halle. Mitstreiter sitzen auch in der Arbeitsgruppe, die derzeit das "Verkehrskonzept Halles 2025" erarbeitet.

Stimme in öffentlicher Debatte

Und auch darum geht es dem Verein: "Wir wollen ein Gegengewicht zu den Abrissbefürwortern schaffen". Bisher beherrsche allein die aktive Bürgerinitiative Hochstraße, die den Abriss der Trasse will, die öffentliche Debatte, so Halle. Für ihn ist klar: "Die Abrissbefürworter haben einen Traum. Aber der muss auf der Waage der Realität geprüft werden." Und dort werde er ein Traum bleiben.

Leserbriefe (auszugsweise)

Ein Beispiel nehmen an Zürcher Lösung

Ich empfehle einen Blick nach Zürich. Auch dort gab es eine Zufahrtstraße, die im Verkehr zu ersticken drohte. Der Verkehrsdezernent erhöhte zunächst die Taktfrequenz der parallel geführten Straßenbahn und bot in der Bahn Kaffee an. Danach sperrte er eine Spur Richtung Innenstadt. Die Empörung der Autofahrer blieb nicht aus. Aber er blieb hart und siehe da: Mit jedem Tag verringerte sich der Autoverkehr. Und schließlich reichte die eine Spur auch im Berufsverkehr aus. So wäre auch ein Teilabriss der Hochstraße möglich. Denn viele Hallenser würden sich über ein Unesco-Weltkulturerbe sicher freuen. Und dafür vorübergehende Verkehrsprobleme akzeptieren.
Frank Hoffmann, Halle.

Ohne Trasse gibt es Kosten und Staus

Nachdem durch einen Hochhausabriss die weitere Verödung des Riebeckplatzes gelungen ist, wird jetzt offensichtlich der Abriss eines Hochstraßenteiles von prominenten Personen ernsthaft in Erwägung gezogen. Aber jede andere Lösung durch die Stadt und über eine zusätzliche Brücke verursacht mehr Kosten, Abgase, Feinstaub und Staus.
Josef und Petra Weinhold, Halle

Bildunterschrift:

Seit 40 Jahren dient die Hochstraße als kürzeste Verbindung von Neustadt und Halle. Die Zukunft der Trasse ist umstritten

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