MZ 04.03.2011 - 2

Welterbe ist Segen, aber auch Fluch
Titelstädte machen vor allem gute Erfahrungen

Autorin: Theresa Henning

Die Frankeschen Stiftungen wollen Weltkulturerbe werden. Nach Ansicht von Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke verringert die Hochstraße die Chance auf den Titel. Doch würde Halle von so einem Status profitieren? Erfahrungen haben bereits andere Welterbe-Städte Sachsen-Anhalts gesammelt.

Große Aufmerksamkeit

"Die Aufnahme des Gartenreiches Dessau-Wörlitz in die Welterbe-Liste der Unesco im Jahr 2000 hatte keinerlei direkte Auswirkung auf die finanzielle Ausstattung", sagt Steffen Kaudelka, Sprecher der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Größere Aufmerksamkeit wirke sich jedoch auf die Förderer aus, die das Gartenreich unterstützten. "So können wir viele Projekte realisieren, die ohne den Titel kaum denkbar gewesen wären", erklärt er. Auch für die Beseitigung der Hochwasserschäden von 2002 sei der Image-Gewinn durch das Prädikat hilfreich gewesen. Ein direkter Zusammenhang mit steigenden Touristenzahlen lasse sich jedoch nicht ohne weiteres herstellen.

Auch Thomas Bracht, Geschäftsführer der Quedlinburg-Tourismus-Marketing GmbH, kann keine konkreten Zahlen nennen. Das liege aber vor allem daran, dass es für die Zeit vor 1994, als der Titel für das Ensemble aus Stiftskirche, Schloss und Altstadt vergeben wurde, keine Vergleichzahlen gebe. "Das Weltkulturerbe ist zugleich Fluch und Segen", sagt der Quedlinburger. Es bringe eine enorm positive Außenwirkung, aber auch Pflichten mit sich. Von der Unesco selbst gebe es keinen Cent, nur jede Menge Auflagen. Millionen seien deswegen investiert worden.

Unterstützung von Land und Bund

Auch Eisleben musste solche Auflagen erfüllen, bekam dabei aber Unterstützung von Land und Bund: Das Prädikat Weltkulturerbe, das die Stadt seit 1996 für die Luther-Gedenkstätten trägt, ist mit Fördermitteln verbunden. Allein 5,2 Millionen Euro fließen in das neue Museum "Luthers Sterbehaus", das im September 2012 eröffnet wird. Für das Geburtshaus seien die Summen vergleichbar gewesen, sagt Ute Klopffleisch, Sprecherin der Stadt Eisleben. Auf Messen reagierten die Besucher sehr stark auf das Stichwort Welterbe: "Der Trend geht vor allem bei älteren Kultur- und Bildungsreisenden dahin, Welterbestädte zu bereisen und Kulturdenkmäler zu besichtigen."

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