MZ 1.12.09

Stadtentwicklung
Das Zentrum soll attraktiver werden
"Masterplan" als Antwort auf die Einwohnerverluste

Mit einem neuen Stadtentwicklungskonzept soll Halle auf den fortschreitenden Bevölkerungsverlust vorbereitet und gleichzeitig attraktiver gemacht werden. Wie Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) gestern Abend ankündigte, wird bis zum Frühjahr 2010 der Entwurf eines "Masterplans Stadtentwicklung" erarbeitet. Dieser soll bis 2025 gelten und aufzeigen, wo in der Stadt welcher Bedarf an Wohnungen, Ver- und Entsorgungsanlagen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Spielplätzen, Bahnverbindungen und Straßen bestehen wird.

Klausur in Villa Jühling

Szabados hatte zuvor mit etwa 30 Vertretern der Stadtwerke, des Verkehrsbetriebs Havag, der Wohnungswirtschaft, der Stadtratsfraktionen und der Rathausspitze im Zentrum "Villa Jühling" an einer Klausur zur Stadtentwicklung teilgenommen. In der Runde, die vom Chef des Instituts für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung, Michael Schädlich, moderiert wurde, waren sich laut Szabados alle einig: "Wir wollen die Innenstadt stärken, ohne die anderen Stadtteile zu vernachlässigen.

Hintergrund dieser Aussage ist der ungebremste Einwohnerverlust, den Halle zu erleiden hat. Sind es derzeit etwa 233.000 Einwohner, rechnet man laut Szabados im Jahr 2025 mit nur noch 203.000. Besonders betroffen vom Schwund sind die Plattenbauviertel, während Innenstadtviertel Zuzug verzeichnen. "In einigen Stadtquartieren ist das Infrastrukturangebot viel zu groß", sagte Schädlich. Um die Wirtschaftlichkeit der Stadt zu sichern, müsse der Bedarf geprüft werden. Gleichzeitig müssten laut Schädlich die "Attraktivitäts-Schwerpunkte! in der Innenstadt, aber auch in den anderen Stadtteilen ausgebaut werden.

Nichts Konkretes

Auf konkrete Gestaltungsansätze wollten sich Szabados und die anderen Klausurteilnehmer nicht festlegen. "Es wäre falsch zu spekulieren", so die OB. Genaueres solle der Masterplan aufzeigen. Wegen des Einwohnerschwunds sind bereits 11.000 Wohnungen - vor allem in den Plattenbauvierteln - abgerissen worden. Weitere 9.000 sollen folgen. Daran würden keine Abstriche gemacht, hieß es. Der Masterplan soll die künftigen Abriss-Schwerpunkte aber neu definieren.

Kommentar

Von Michael Tempel

Hoffen auf konkrete Ideen

Halle steht vor allem wegen des rasanten Bevölkerungsrückgangs vor großen Herausforderungen, Welches Wohnungsangebot ist langfristig sinnvoll? Wie entsprechen Versorgungsleitungen, Straßenbahnverbindungen und Bildungseinrichtungen dem künftigen Bedarf? Diese und viele weitere Fragen will das Rathaus gemeinsam mit den Ver- und Entsorgungsbetrieben sowie mit der Wohnungswirtschaft in einem "Masterplan Stadtentwicklung beantworten.

Es ist richtig, eine langfristige Konzeption zu erstellen, die die Entwicklungsschwerpunkte bis 2025 aufzeigt. Gut ist auch, dass die Stadträte stärker einbezogen werden sollen. Aber außer dass die Attraktivität der Innenstadt und der Stadtteil-Zentren als Wohnstandorte gestärkt werden soll, wurden bislang keine konkreteren Ansätze genannt. Dabei gibt es allein in der Innenstadt mit dem Bahnhofsviertel, dem oberen Boulevard und der Spitze etliche Problembereiche. Im Frühjahr 2010 soll ein Masterplan-Entwurf vorliegen. DieHallenser erwarten, dass dieser dann auch griffige Lösungsideen beinhaltet.

Zurück zu "Medien-Berichte"