MZ 12.3.10

Abschied von "genialer Idee"
Franckesche Stiftungen: Die Einrichtung lädt zum letzten Themenjahr ein

Autor: Peter Godazgar

Bildunterschrift:
Historisches Waisenhaus und Hochstraße - beide sind Zeugnisse städtebaulicher Entwicklung. Wie sich Halle verändert hat und wohin die Entwicklung gehen kann, auch darüber wird im Rahmen des kulturellen Themenjahres diskutiert werden.

Zum Abschluss wird nochmal richtig geklotzt: "Halle verändert", so heißt das neue und auch letzte kulturelle Themenjahr der Franckeschen Stiftungen. In einer Woche wird es mit der Francke-Feier offiziell eröffnet. Gestern stellte Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke die zahlreichen Höhepunkte des Programms vor.

Zu Beginn der Pressekonferenz präsentierte Müller-Bahlke ein paar Fotos. Sie zeigten: den Freylinghausen-Saal, als er noch als Turnhalle genutzt wurde, das von Taubendreck völlig beschmutzte Universumsmodell, das halbverfallene Waisenhaus. Das Motto des Themenjahrs spiegele sich beispielhaft an der Entwicklung der Franckeschen Stiftungen, kommentierte Müller-Bahlke.

Ruinenfeld wird Bildungskosmos

Er erinnerte daran, dass der Wiederaufbau der Stiftungen von privater Seite ausging. Vor 20 Jahren gründete sich der Freundeskreis - seitdem habe sich das damalige "Ruinenfeld" zu einem neuen Bildungskosmos gewandelt. Aktuell gibt es sechs Bauprojekte. Mit deren Abschluss komme man der Gesamtrettung einen entscheidenden Schritt näher.

Die von einem seiner Vorgänger, Prof. Paul Raabe, ins Leben gerufenen Themenjahre seien eine "geniale Idee" gewesen, sagte Thomas Müller-Bahlke. Warum also wird die geniale Idee nicht fortgesetzt? Der Stiftungsdirektor nannte mehrere Gründe: Zum einen sei immer klar gewesen: Jedes gute Projekt brauche "einen Beginn und einen strukturierten Abschluss", um auszuschließen, dass es "irgendwann im Sande verläuft". Zweitens wolle man Raum schaffen für neue Projekte - etwa den 350. Geburtstag August Hermann Franckes, der im Jahr 2013 ansteht.

Drittens habe sich die kulturelle Landschaft Halles in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Franckeschen Stiftungen müssten nicht mehr im gleichen Maß wie früher die "Lokomotiven-Funktion" übernehmen. Weitere kulturelle Leuchttürme seien hinzugekommen - Müller-Bahlke nannte das Vorgeschichtsmuseum und die Stiftungen Händelhaus und Moritzburg.

Zunächst aber konzentriert man sich noch einmal voll auf das letzte Themenjahr. Erster Höhepunkt wird im Mai der Einzug des Familienkompetenzzentrums in das Haus der Generationen sein. Letzteres sei übrigens eine "bleibende Frucht" der Themenjahre: das Generationen-Haus entstand im Jahr der "Alterskultur".

Gespräch mit Peter Sloterdijk

Ein Glanzpunkt dürfte das Festwochenende rund um den 11. September werden - Motto: "Im Lichte der Erneuerung". Hochrangige Gäste werden erwartet, unter ihnen auch Hans-Dietrich Genscher. Außerdem sollen mittels einer spektakulären Illumination das Waisenhaus sowie Teile des Lindenhofs in die Zeit vor der Sanierung "zurückversetzt" werden.

Ansonsten gibt es zahllose Veranstaltungen, Vorträge, Tagungen. Das Jahresprogramm umfasst satte 300 Seiten. Im Juni gibt es wieder das beliebte Lindenblütenfest. Die Jahresausstellung beschäftigt sich unter dem Titel "Gebaute Utopien" mit "Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe". Und bereits am 30. April wird der Philosoph Peter Sloterdijk zum "5. Hallenser Gespräch" erwartet.

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