MZ 16.06.2011

Regenwasser macht Trasse zu schaffen
Hochstraße: Marode Entwässerung wird abschnittsweise erneuert. Arbeiten laufen bis ins kommende Jahr

Autorin: Heidi Pohle

Seit einigen Wochen künden immer mal Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie rot-weiße Warn-Baken auf der Hochstraße von Bauarbeiten. Was wird da gemacht? Wie Frank Gunkel vom Tiefbauamt sagt, werde seit April die Entwässerung des Bauwerks erneuert, zudem werden die Regenwasser-Einläufe repariert. Das alles sollte schon im vergangenen Jahr geschehen, allerdings spielte das Wetter nicht mit.

Die Entwässerungsleitungen verlaufen im Inneren der Hochstraße, die aus dem Jahr 1971 stammt. "Die Rohre waren verrostet", so Gunkel. Ersetzt werden sie durch Schläuche, so genannte Inliner. Zudem sei ein Drittel der 30 Einläufe repariert worden; in den nächsten Tagen werden noch die Abdeckungen auf der Fahrbahn angebracht. Gearbeitet wurde meist nachts.

Damit ist der erste von drei Bauabschnitten der 800-Meter-Trasse so gut wie fertig, der 140.000 Euro kostete. Gunkel rechnet, dass im Sommer weitergearbeitet werden kann, während Abschnitt drei dann 2012 folgt. Wobei die Bereiche über dem Glauchaer- und dem Franckeplatz erst mal ausgespart wurden. Die Arbeiten dort könnten nicht ohne gravierende Eingriffe in den Auto- und Straßenbahnverkehr erfolgen. "Wahrscheinlich nehmen wir diese Aufgabe ebenfalls nächstes Jahr in Angriff."

Die Instandhaltung der umstrittenen Hochstraße war nötig, weil durch das undichte Rohrsystem Wasser in den Baukörper geflossen ist. Besonders Frost und Tausalze setzten dem Material zu. Die Technik - ein Brücken-Untersichtgerät und Hubsteiger - sei gleich noch genutzt worden, um Risse im Beton zu verschließen und Abplatzungen zu verfüllen. Auch diese Schäden bestehen schon länger. Nicht erneuert werden konnten die Kappen, auf denen das Geländer ruht. Dafür wären rund sechs Millionen Euro nötig, die die Stadt momentan nicht hat.

MZ lädt ein

Soll die Hochstraße abgerissen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich am 24. Juni eine von der MZ veranstaltete Podiumsdiskussion auf dem Marktplatz von Halle. Eingeladen sind: Hans-Georg Ungefug von der Bürgerinitiative Hochstraße, die für einen Abriss eintritt; Rainer Halle, dessen Bürgerinitiative sich für den Erhalt des Bauwerks einsetzt sowie Jochem Lunebach, Chef des städtischen Planungsamtes. Moderiert wird die Diskussionsrunde vom halleschen MZ-Redaktionsleiter Gert Glowinski. Beginn ist 11 Uhr, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Kommentar:

Warmlaufen

Gert Glowinski findet, dass eine Diskussion zum Für und Wider der Hochstraße durchaus Sinn macht.

Nach 100.000 Kilometern kommen beim Auto meistens die teuren Reparaturen, sagt man. Spätestens dann steht die Frage: Verkauf, Schrottpresse oder doch wieder viel Geld ins liebgewonnene Gefährt stecken?

So ähnlich ist die Situation derzeit bei der Hochstraße in Halle. 40 Jahre steht das Ungetüm nun. An vielen Stellen muss dringend etwas getan werden, der Zahn der Zeit hat ordentlich an dem umstrittenen Bauwerk genagt. Für besonders dringliche Reparaturen gibt die Stadt nun mehrere 100.000 Euro aus, eigentlich müssten die Investitionen noch viel höher sein. Schon seit Monaten laufen sich Befürworter und Gegner der Hochstraße warm und warten auf diesen Moment - darauf, dass sich die Frage aufdrängt: Ist die Hochstraße die finanziell und planerisch sinnvollste Antwort auf die aktuellen Verkehrsprobleme unserer Stadt?

Ein schnelles und knappes Ja ist sicherlich genauso schwer zu geben, wie ein kategorisches Nein. Eine öffentlich geführte Diskussion ist deshalb ganz sinnvoll, immerhin gehört die Hochstraße mittlerweile zu Halle wie Händel und Halloren. Ob das aber für weitere 40 Jahre so bleiben soll, darüber kann man wirklich geteilter Meinung sein.

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