MZ 1.6.10

Zorn über die fehlende Umleitung
Staus durch die Sperrung der Hochstraße im Rahmen der IBA sorgen für Ärger.

"Nee, hier kannet nich sein", habe Nina Hagen berlinert, als sie am Sonntagnachmittag auf der Suche nach der Händels-Open-Bühne schließlich irgendwo in Ammendorf anhielt. Am anderen Ende der Stadt, am Rennbahnkreuz in Neustadt, hatte unterdessen auch der Fahrer des Band-Tourbusses den Motor ausgestellt. Keine Umleitungsschilder wiesen ihm den Weg zum Zentrum, als am Sonntag Halles Hochstraße im Rahmen der Internationen Bauausstellung (IBA) zur vielumjubelten Fußgängerzone wurde. "Ich bin mit dem Auto zu dem Bus gefahren, um ihn zum Hallmarkt zu lotsen. Anderthalb Stunden haben wir gebraucht", sagt Ulf Herden, Mitveranstalter von Händels open auf dem Hallmarkt. Ein Mitarbeiter holte Hagen ab.

Überall standen am Sonntag Autos am Straßenrand, die Fahrer studierten verzweifelt Straßenkarten. An den beiden verbliebenen Saalebrücken in Kröllwitz und Röpzig ging teilweise nichts mehr (die MZ berichtete). Nun hagelt es Kritik an der Verwaltung. Vor allem für Auswärtige erwies sich die fehlende Umleitungsempfehlung als verhängnisvoll, sie irrten durch Halle. "Eine schöne Aktion! Aber auf eine Umleitungskonzeption zu verzichten, unterstreicht die Unfähigkeit der halleschen Stadtspitze", so ein Leipziger auf MZ-online. Steffen Beier aus Bad Schmiedeberg fand es sogar "Quatsch", die Straße zu sperren. "Wo doch gerade die Infrastruktur in Halle bereits ein großes Minus verdient hat."

Im Rathaus bewertet man das entstandene Verkehrschaos eher als Teil des IBA-Projekts: "Der Stau war keine Überraschung. Er war ja als Provokation auch ein Stück weit eingeplant, um die Bedeutung der Hochstraße ins Bewusstsein der Hallenser zu rücken", sagte am Montag Baudezernent Thomas Pohlack. Offenbar hat man aber den Verkehr Straße an einem Sonntagnachmittag unterschätzt.

"In den Vorberatungen stimmten die Experten darin überein, dass es so schlimm nicht kommen würde", sagte Friedrich Busmann. Der Koordinator der IBA hatte die Idee, die Magistrale so "erlebbar" zu machen. Neben der Symbolik der Doppelstadt habe man auch zeigen wollen, welche Bedeutung die Magistrale habe.

Mit dem Staus sehen sich die Befürworter der Hochstraße nun bestätigt: "Längerfristig bleibt die Trasse unverzichtbar", sagt Jürgen Henze vom ADAC. Hans-Georg Ungefug von der Bürgerinitiative, die den Abriss der Trasse fordert, widerspricht: "Wir haben immer gesagt, dass vorher Alternativen gefunden werden müssen."

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