MZ 17.8.10

Wie eine Brücke zerbröselt
Paracelsusstraße Gutachten bescheinigt Stahl schlechte Qualität. Trasse schon teilweise gesperrt.

Autor: Frank Czerwonn

Die zweispurige Paracelsusstraße ist Teil der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung quer durch Halle. Doch jetzt droht der Schnellstraße Gefahr. Denn im Brückenbereich, der über die Carl-Robert-Straße führt, zerbröselt der Stahl. Statische Nachrechnungen des Tiefbauamts haben die Schäden ans Licht gebracht. Als Sofortmaßnahme wurde die Trasse zwischen dem Dessauer Platz und der Reilstraße teilweise gesperrt. Einen halben Kilometer lang steht in beiden Richtungen nur noch jeweils eine Fahrspur zur Verfügung. Als nächsten Schritt plant die Stadt sogar ein Verbot für Lkw.

"Die Spannbetonbrücke aus dem Jahr 1968 hält nur noch die Hälfte der Belastung aus, die bisher dort durch den Verkehr herrschte", erklärte Frank Gunkel, Teamleiter Brücken und Wasserbau im Tiefbauamt. Schuld sei die schlechte Qualität einer Stahlcharge aus den 60er Jahren. Deshalb würden nun in ganz Deutschland Bauwerke überprüft, bei denen dieser Stahl verwendet wurde. Das Ergebnis der Brücke über die Carl-Robert-Straße ist erschreckend: "Der dort verwendete Stahl ist so unglücklich hergestellt worden, dass er von sich aus zerfällt", so Gunkel. In Kombination mit der speziellen Bauweise der Tragkonstruktion könne diese bei zu großer Belastung versagen. "Bei dieser Bauweise gibt es zuvor keine Warnzeichen", warnt der Brückenchef. "Die Träger verbiegen sich nicht langsam unter zu großer Last. Vielmehr würde die Brücke gleich in sich zusammenstürzen."

Um das zu verhindern, wurde berechnet, was das Bauwerk noch aushält. Statt bisher 30 Tonnen seien es nur noch 16 Tonnen. Durch die Halbierung der Fahrspuren soll die Last reduziert werden. Doch das wird nicht reichen. "Deshalb werden wir wahrscheinlich ab Jahresende zusätzlich ein Verbot für Lastwagen ab 16 Tonnen erteilen", so Gunkel. Die werden dann voraussichtlich über die Wolfenstein- und die Reilstraße nach Trotha umgeleitet. An dem Konzept wird derzeit aber noch gefeilt. "Wir wissen, dass spätestens mit dieser Umleitung alle aufschreien werden", sagt Gunkel. "Doch es gibt keine Alternative."

Klar ist: Die gefährdete Brücke muss komplett erneuert werden. Nur die Betonwände, auf denen die Überführung montiert ist, bleiben stehen. "Die alte Brücke muss runter, danach wird eine neue draufgesetzt", so Gunkel. Dazu werde die Paracelsusstraße jeweils halbseitig gesperrt. Doch wann das geschieht, ist derzeit noch unklar. "Am liebsten wäre uns, wenn die Erneuerung in den nächsten zwei bis drei Jahren passiert", so der Experte aus dem Tiefbauamt.

Auf rund eine Million Euro schätzt er die Kosten des Teilneubaus. Wird die Brücke wieder in Fertigbauweise errichtet, belaufe sich die Bauzeit auf rund ein Jahr. "Aber nur, wenn die gesamten Mittel mit einem Mal fließen. Werden sie gesplittet, kann es durchaus zwei Jahre dauern", erklärt Gunkel. So lange wird auch die Umleitungsstrecke für die Lkw bestehen bleiben.

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