MZ 18.05.2011

Tempo-20-Zone spaltet Hallenser
Verkehr. Die Geschwindigkeit in der Altstadt soll auf ein einheitliches Niveau gesenkt werden

Autorin: Ines Krause

Tempo 20 in Halles Altstadt - diese Ankündigung der Stadt stößt bei den Hallensern auf geteiltes Echo. Geht es nach den Vorstellungen der Verwaltung, so könnte diese Regelung schon im kommenden Jahr innerhalb des inneren City-Rings gelten. Betroffen wären dann alle Straßen und Gassen, die von einem geschlossenen Kreis aus Moritzburg,-Universitäts,- Hanse,- Waisenhaus,-Halloren- und Robert-Franz-Ring begrenzt werden.

Ziel der Aktion sei es, im Zuge eines Verkehrsentwicklungsplans bis zum Jahr 2013 sinnvolle Ideen für eine autoarme Altstadt umzusetzen. "Dabei geht es um ein verträgliches Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer", sagt Stadtplaner Jochem Lunebach. In diesem Sinne solle auch die Geschwindigkeit in der Altstadt gesenkt werden, und zwar auf ein "verträgliches Niveau", so Lunebach. In einer Arbeitsgruppe habe man sich inzwischen mehrheitlich für eine großflächige Tempo-20-Zone ausgesprochen. "Wir finden, dass das eine gute Lösung ist", so Lunebach. Denn bisher sei die Situation noch sehr unübersichtlich, gelten in verschiedenen Straßen ganz unterschiedliche Regelungen. "Auch im Sinne einer besseren Übersichtlichkeit ist es wichtig, für eine einheitliche Regelung zu sorgen", so Lunebach. Dies sorge schließlich auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

"Ich bin dafür", sagt Jacqueline Wesenberg. Sie arbeitet als Kellnerin im Kaffeeschuppen in der Kleinen Ulrichstraße. Dort hat sie in der Vergangenheit schon viele negative Erfahrungen mit Rasern gemacht. "Neulich hat mich beim Servieren im Außenbereich fast ein Auto erwischt", sagt sie. Insofern sei es gut, das Tempo in der Altstadt weiter zu begrenzen. Ähnlich sieht das Jana Schwarz. Bedenken hat sie nur insofern, "weil die Gefahr besteht, dass sich niemand an die Begrenzung hält. "Schon jetzt ist es ja so, dass zu wenig kontrolliert wird und viele Autofahrer zu schnell sind", sagt sie.

Diesen Bedenken hält Stadtplaner Lunebach entgegen: "Nur weil sich nicht alle an die Regelung halten, ist es kein Grund, sie nicht einzuführen." Außerdem, so meint er, werde es nicht ohne Kontrollen gehen. Zugleich appellierte er an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. "Wir können schließlich nicht überall Polizisten aufstellen", so Lunebach.

Für wenig sinnvoll hält dagegen der Hallenser Torsten Saatz die Pläne der Stadtverwaltung. "Ob in der Altstadt 20 oder 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden, ist unerheblich", meint er. Ganz abgesehen von den Kosten, die die neuen Schilder verursachen. Auch Dieter Jahr ist skeptisch. "Die Straßen in der Innenstadt sind sehr eng. Da ergibt es sich automatisch, dass die Autos langsam fahren", meint er. Deshalb hält er eine weitere Begrenzung der Geschwindigkeit für überflüssig.

Ein Blick ins Umland zeigt, dass auch andere Kommunen versuchen, mit Tempo-Zonen ihre Altstadt aufzuwerten. Erfahrungen mit einer großen Tempo-20-Zone gibt es zum Beispiel in Merseburg. Dort wurde vor fünf Jahren ein neues Verkehrskonzept umgesetzt. Ziel war die Verkehrsberuhigung in der historischen Altstadt, weshalb ein großes Areal rund um Schloss und Dom zur Tempo-20-Zone erklärt wurden. Inzwischen leben die Merseburger offenbar gut damit. "Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht", sagt Stadtsprecherin Elke Benne. Insbesondere die Tempo-Zonen seien gut angenommen worden. Dafür gebe es viele Belege: der Verkehr habe sich tatsächlich beruhigt, die Altstadt habe sich gut entwickelt. Kurz: Die Innenstadt sei attraktiver geworden. Pro und Kontra Seite 8

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