MZ 18.10.10

Halle
Wenige Bauwerke, viel Theorie
Bauausstellung

Autor: Michael Falgowski

"Weniger ist Zukunft", so lauteten die Schlagworte der Internationalen Bauausstellung "Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010." Am Sonnabend ist sie mit einer Konferenz und einem Festakt in Halle zu Ende gegangen. "Weniger ist Zukunft" - dies beschreibt auch die Realität der immer weiter schrumpfenden Stadt Halle. Mit 207 Millionen Euro haben EU, Bund und Land innerhalb der IBA in 19 Kommunen Projekte gefördert. Mit ihnen wollen die Städte attraktiver werden und auf Leerstand und schwindende Bevölkerungszahlen reagieren.

Halle wählte das Thema "Balanceakt Doppelstadt". Dahinter steckt die Frage nach der gemeinsamen Zukunft Halles und Neustadts. Sieben Projekte wurden an der Magistrale, der Straßenverbindung der getrennten Stadtteile, angedockt. Acht Millionen Euro IBA-Fördergeld sind dafür geflossen. Plus zwei Millionen aus anderen Töpfen sowie rund 1,5 Millionen Euro aus der Stadtkasse. "In acht Jahren und auf sieben Projekte verteilt, ist das vergleichsweise wenig. Dafür haben wir gute Ergebnisse erzielt", sagt Thomas Pohlack. Halles Baudezernent bilanzierte bei der IBA-Abschlusskonferenz im Audimax der Uni Halles Beitrag. Dass nach acht Jahren nur wenige realisierte Projekte zu sehen sind - diese Kritik ließ der Bürgermeister nicht gelten: "Das ist ein grundlegendes Missverständnis: Das Label IBA hat weniger mit Bau zu tun. Es geht vor allem um Diskussionsprozesse."

Der Skaterpark: Der Skaterpark in Neustadts Zentrum gehört zu den wenigen Visionen, die Stein beziehungsweise Beton geworden sind. Er ist eines der beiden "Vorzeigeprojekte" Halles. Mit 1 400 Quadratmetern ist der Park einer der größten Deutschlands - und hat für eine Belebung des Neustädter Zentrums gesorgt. 1,4 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, die von einem Verein betrieben wird. Pohlack: "Das Projekt ist deswegen gelungen, weil die späteren Nutzer von Anfang mit im Boot saßen."

Das Glauchaviertel: Vor allem Glaucha habe weit über Sachsen-Anhalts Grenzen hinaus für Furore gesorgt, so Pohlack. "In drei Jahren wurde die Trendwende vom schlechten Image des Altbau-Viertels weg geschafft". Erreicht wurde dies durch einen Moderator im Viertel, der das Engagement der Bürger anregte und koordinierte, sowie durch eine Million Euro. Dieses Geld erhielten Eigentümer von maroden Häusern für die Sicherung ihrer Gebäude. "Das hat zehn Millionen Euro Investitionen ausgelöst". Vor allem hätten sich aber viele junge Leute und ein Verein angesiedelt. "In der Fachwelt ist bei Altstadtquartier-Sanierung schon jetzt vom Glaucha-Effekt die Rede", sagt Pohlack.

Die Saline-Insel: Die 4,3 Millionen Euro teure Belebung der Saline-Insel als Bindeglied zwischen beiden Stadtteilen ist weniger erfolgreich. Die geplante Saale-Brücke wird wohl erst 2012 fertig. Der neue Bootshafen wird von Wassertouristen praktisch nicht angesteuert und der Bau des Eingangs des Saline-Bades wurde aus Kostengründen zusammengestrichen und auf nächstes Jahr verschoben. Immerhin hat aber ein Investor mit dem Bau von Einfamilienhäusern begonnen.

Die Frankeschen Gärten: Wenig übrig geblieben ist von den Franckeschen Gärten in den Stiftungen. Die Hausherren verweigerten sich einem zu starken öffnenden Eingriff durch die IBA-Planer. Der Beitrag besteht nur aus einem kleinen Freiplatz und einem sanierter Fußgängertunnel.

Der Tulpenbrunnen: Die Sanierung und Umfeldgestaltung des Neustädter Tulpenbrunnens war erfolgreicher. Charmanterweise haben sich Bewohner des Quartiers aktiv daran beteiligt. Ein wirkliches Bauprojekt ist die, allerdings mit 1,35 Millionen Euro geförderte, Umgestaltung eines Neubaublockes der GWG.

Der Riebeckplatz: Die Zukunft des Areals Riebeckplatz samt der Hochhäuser gehörte dagegen zum theoretischen Teil. Teilweise mit großer Anteilnahme der Bürger wurde der Abriss der Häuser debattiert. Pläne für die Zeit danach aber fehlen. Übrigens informierten sich rund 5 000 Besucher in einem IBA-Info-Bus über Halles Projekte.

Die Hochstraße: Bei der Frage nach der Zukunft der Hochstraße wird noch immer diskutiert. Die Straße auf Stelzen war auch der Ort des lustvollen IBA-Höhepunkts: ein Straßenfest auf der für Autos gesperrten Trasse.

Der Abriss der Hochhäuser am Riebeckplatz läuft. Diese Möglichkeit ist auch für die Neustädter Scheiben-Hochhäuser wieder im Gespräch. "Ein wichtiges Ergebnis der IBA in Halle: Viele Tabus sind gefallen. Alles darf diskutiert werden", so Pohlack.

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