MZ 19.04.2011 - 2

Wo ist die alte Mauer hin?
KLAUSBRÜCKE Die Straßenbahnen von und nach Neustadt können wieder auf der normalen Route fahren. Die Gestaltung aber stößt auf unterschiedliche Resonanz.

Autor: Jan Möbius

Die Meinungen gehen weit auseinander. "Ist ordentlich geworden", meinte ein Hallenser beim Anblick der neuen Klausbrücke, auf der seit gestern wieder die Straßenbahnen in Richtung Markt und nach Neustadt fahren können. "Für meinen Geschmack zu viel Beton", sagte dagegen ein Passant. Und für Katharina Wallenthal ist es sogar ein Unding, dass die historischen Mauern, die vor dem Umbau die Klausbrücke nach links und rechts zum Mühlgraben begrenzt haben, nicht wieder errichtet worden sind. Ihren Platz nehmen nun Edelstahlgitter, teilweise mit durchsichtigen Sicherheitsscheiben versehen, ein. "Das hat mit der historischen Brücke nichts mehr zu tun", bedauert die 67-jährige Hallenserin.

Zur Gestaltung der Brückenanlagen hatte es im Vorfeld der Plaungen eine Architektenausschreibung gegeben. Dabei hat sich die jetzt umgesetzte Variante durchsetzen können. Wie Cornelia Eßrich vom Planungsbüro Haas und Beele, das für das Bauprojekt verantwortlich ist, sagte, sei bewusst auf eine neue Mauer verzichtet worden. "Die Schlichtheit der neuen Geländer an der Klausbrücke liegt aber dennoch im Denkmalschutz begründet." Denn der Blick der Passanten soll so mehr auf die Neue Residenz oberhalb des Bauwerks gelenkt werden. "Dieses Denkmal wird dadurch deutlicher hervorgehoben", sagte Eßrich.

Die seit April 2010 laufenden Bauarbeiten im Bereich Klausbrücke / Mansfelder Straße stehen kurz vor dem Ende. Zwar ist der Bereich für Autofahrer bis Ende April gesperrt, weil Teile der Fahrbahnen noch asphaltiert werden müssen. Die Straßenbahnen aber haben wieder grünes Licht. So können die Linien 2, 5, 10, 11 und 94 seit gestern Morgen auf der gewohnten Strecke über die Mansfelder Straße und den Hallmarkt bis zum Markt fahren. Die Umleitungen über den Franckeplatz gehören somit der Vergangenheit an. Nach Einschätzungen von Havag-Sprecherin Antje Prochnow sei der Start auf neuen "alten" Strecke geglückt. "Es gab keine Probleme", sagte sie.

Und was passiert mit den eigens für die Straßenbahnumleitungen am Franckeplatz verlegten Gleise und Weichen? "Es ist momentan nicht geplant, diese wieder zu entfernen. Sie wurden ja nicht als provisorische Baustellenvariante gebaut, sondern fest verlegt", sagte Prochnow. Weil früher das Abbiegen nach Neustadt am Franckeplatz für Bahnen vom Markt nicht möglich war, mussten diese Gleise eigens dafür gelegt werden. Nun sollen sie in der Erde bleiben, weil somit für Havariefälle zwischen Hallmarkt und Mansfelder Straße eine kurze und wirtschaftliche Umleitungsvariante gegeben ist.

Unter anderem wurden in den vergangenen Monaten rund um die Mansfelder Straße und die Klausbrücke Versorgungsleitungen, Bahngleise und zu Teilen bereits der Straßenbelag erneuert. Gleichzeitig wird auch noch bis September das Gerbersaale-Gewölbe unter dem Hallorenring saniert. So lange ist dieser auch stadteinwärts gesperrt. Die Arbeiten gehören zu dem seit Jahren größten Straßenbauprojekt in der Innenstadt. Kosten: rund 12,5 Millionen Euro.

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