MZ 19.04.2011

Wenig begehrter Chefsessel
Baudezernat: Haushaltsmisere, schwer berechenbarer Stadtrat: Die Zustände in Halle machen die Suche nach einem Nachfolger für Beigeordneten Thomas Pohlack schwierig

 Autor: Michael Tempel

 Die Stadt Halle sucht händeringend nach einem aussichtsreichen Bewerber, der Baudezernent Thomas Pohlack beerben kann. Obwohl sich zwölf Interessenten beworben haben, werden ihnen kaum Chancen auf eine Mehrheit im Stadtrat eingeräumt. Die Dezernentenwahl (sie ist geplant am 25. Mai) wurde schon zwei Mal verschoben. Hier lesen Sie, warum das so ist und was es sonst noch Wissenswertes über den Posten gibt:

Warum gibt es noch keinen Favoriten auf das Amt?

Der bislang aussichtsreichste Kandidat, der Braunschweiger Vize-Baudezernent Hans-Georg Leuer, hatte vor Tagen seine Bewerbung aus "persönlichen Gründen" überraschend zurückgezogen. Dass ähnlich aussichtsreiche Fachleute eine Bewerbung scheuen, wird von Beobachtern den komplizierten und teils chaotischen Verhältnissen in Halle zugeschrieben: So sind die Spielräume für einen Dezernenten wegen des großen Haushaltsdefizits und fortlaufender Sparkonzepte begrenzt. Zudem ist es schwer für die Verwaltung, im bunt zusammengesetzten Stadtrat mit seinen großen Oppositionsfraktionen von CDU und Linkspartei, Mehrheiten für Entscheidungen zu bekommen. Das hat sich unter anderem beim Stadion-Umbau gezeigt. Auch wirft der öffentlichkeitswirksame Dauerstreit zwischen Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) und Innendezernent Bernd Wiegand kein gutes Licht auf das Arbeitsklima an der Rathausspitze.

Was passiert, wenn auch bei Ablauf von Pohlacks Amtszeit im Juli noch kein Nachfolger gefunden ist?

Dann würde zunächst ein Vertreter den Dezernentenposten übernehmen. Zudem müsste das Amt neu ausgeschrieben werden. Theoretisch ist auch denkbar, dass der Stadtrat die Hauptsatzung ändert und dass auf das Dezernat ganz verzichtet wird. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Wer sind die bisherigen Bewerber?

Klaus Schmitz-Gielsdorf (Leipziger Amtsarchitekt), Christoph Hansel (Geschäftsführer der Verkehrs Consult Leipzig GmbH), Bernd Bielecke (Chef des Zentralen Gebäude-Managements der Stadt Halle), Olaf Höfig (freier Architekt aus Halle), Michael Sonntag (Bereichsleiter im Erfurter Stadtplanungsamt), Heidrun König (Kunstgeschichts-Doktorandin), Sandra Lungershausen (Bautechnik-Studentin und Bauzeichnerin), Dietmar Türpitz (Prüfer im Bundesversicherungsamt), Heinz Kolb (Sachgebietsleiter bei der Landesdirektion Leipzig), Katharina Loth (Naturschutz- und Landschaftsplanungs-Studentin), Oliver Graumann (Fachbereichsleiter Stadterneuerung und Denkmalpflege Stadt Potsdam) und Michael Mügel (Zeitsoldat).

Warum haben sie nur geringe Chancen auf den Job?

Im Stadtrat traut man offenbar allen Bewerbern nicht zu, den hohen Anforderungen an den Baudezernenten und der Belastung gewachsen zu sein. Die Räte würden einen Kandidaten bevorzugen, der fachlich vielseitig ist und einschlägige Leitungserfahrungen hat. Zudem muss sie / er sich im Politikgeschäft auskennen.

Welche Aufgaben warten auf den neuen Dezernenten?

Er muss ein Dezernat mit insgesamt 690 Mitarbeitern führen, dem sechs Ämter sowie das Zentrale Gebäude-Management angeschlossen sind. Unter anderem gilt es, die Fertigstellung der Osttangente, den Umbau der Steintor-Kreuzung und die Ausbesserung der zahlreichen Winter-Straßenschäden voranzutreiben. Zudem sind mit Zündstoff beladene gesellschaftliche Diskussionen wie um die künftige Gestaltung am Riebeckplatz und über die Zukunft der Hochstraße zu führen.

Wie wird Pohlacks Arbeit bewertet?

Der gebürtige Jenenser und einstige Meißener Oberbürgermeister wird in der Verwaltung und im Stadtrat als Fachmann geschätzt, der durch sachliche Argumentation seine Standpunkte vertritt und verteidigt. Auch Kompromissbereitschaft zeichnet Pohlack aus. Bei mehreren heftigen Debatten im Stadtrat und bei Kritik wirkte er aber bisweilen leicht reizbar.

Was verdient der Baudezernent?

Laut Ausschreibung hat der Beigeordnete regulär Besoldungsgruppe B 5 und erhält damit ein Grundgehalt von 7 357,77 Euro brutto, zuzüglich einer Aufwandsentschädigung zwischen 303 bis 347 Euro. Als gleichzeitiger Bürgermeister und OB-Stellvertreter hat Pohlack Besoldungsgruppe B 6 (Grundgehalt 7 771,32 Euro).

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