MZ 20.11.09

"Brandruine" wird saniert
Forum: Neustädter Schandflecke standen im Mittelpunkt des Interesses - Zieht das Finanzamt doch in Scheibe C?

Autorin: Heidi Pohle

In Neustadt ist viel Positives entstanden, Wohnungen wurden modernisiert, eine Straßenbahntrasse gebaut, Plätze und Freiflächen neu gestaltet. An so etwas gewöhne man sich schnell, wie Udo Mittinger, Chef des Neustadt-Vereins, sagte. Umso mehr ärgere man sich über Schandflecke im Stadtteil. Was wird damit? Das interessierte am Donnerstagabend rund 100 Neustädter, die der Einladung des Vereins und der Stadtverwaltung zu einem Forum gefolgt waren.

Im Kulturtreff standen natürlich auch die meist leeren Hochhausscheiben im Mittelpunkt. Stadtplaner Jochem Lunebach konnte dazu zwar nichts Neues sagen. Die Stadt wolle jedoch erneut alle Hebel in Bewegung setzen, damit in die Scheibe C doch noch das Finanzamt einziehe. Das Land als Eigentümer hatte sich von diesem Plan bereits verabschiedet.

Hoffnungsvoller sieht es da beim einstigen Datenverarbeitungszentrum an der Nietlebener Straße aus. Es gebe Signale des privaten Eigentümers, dass der hässliche Bau im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr abgerissen werde, so Lunebach. Das soll auch mit dem früheren Bauarbeiterzentrum am Zollrain geschehen; der Eigen- tümer will dort eine kleine Kaufhalle bauen. Auch der nördliche S-Bahnhof werde abgerissen, allerdings nicht gleich, sondern dann, wenn die Bahn Fördermittel dafür bekomme. Eine Alternative dazu sei nicht in Sicht. Und was wird aus der "Brandruine" an der Magistrale? In diesem Fall hatte Lunebach eine frohe Botschaft vom Eigentümer zu übermitteln: "Sie wird im nächsten Jahr saniert."

Das Thema Abriss hinsichtlich überzähliger Wohnhäuser bleibt aktuell. Denn noch immer gibt es Leerstand, noch immer verliert der Stadtteil, in dem rund 45 000 Menschen leben (von einst 90 000), Einwohner. Nach den Worten von Guido Schwarzendahl, Chef des Bauvereins Halle & Leuna, sollen in den nächsten Jahren rund 1 000 Wohnungen abgerissen werden.

Fragen gab es auch zum Passendorfer Schlösschen. Es lägen zwar noch keine Bauanträge vor, so Lunebach. Er habe aber berechtigte Hoffnung, dass der Eigentümer, der die Immobilie vor gut einem Jahr ersteigert hatte, es "zu einer schönen Anlage machen werde".

Das Thema Hochstraße und die Überlegungen der Stadt, den südlichen Teil der Trasse abzureißen (MZ berichtete), bewegt die Neustädter sehr, zumal sie befürchten, man wolle sie von der Altstadt abschneiden. Baudezernent Thomas Pohlack bekräftigte, die Stadtteile keinesfalls trennen zu wollen, sondern nach praktikablen Varianten der Verkehrsführung zu suchen. Er versprach für Anfang nächsten Jahres ein Forum, auf dem erste planerische Überlegungen zur Hochstraße vorgestellt werden sollen.