MZ 20.9.08

Künftig mit oder ohne Hochstraße?
Bürgerinitiative fordert junge Leute auf, Ideen für ihre Stadt zu entwickeln

Autorin: Heidi Pohle

Wie stellen sich junge Leute das Leben in Halle in zehn bis 15 Jahren vor? Wie würden sie ihre Stadt gestalten, damit sie sich später dort wohl fühlen? Spielt die Hochstraße dann eigentlich noch eine Rolle? Diese Fragen richtet die Bürgerinitiative (BI) "Hochstraße Halle an der Saale" an Jugendliche bis 21. Anlass ist ein Ideen-Wettbewerb, den die BI am 1. Oktober startet. An 23 Schulen sollen Wettbewerbs-Unterlagen verteilt werden. Für die beste Arbeit - Zeichnung, Modell, Video, Fotomontage und anderes mehr - gibt es 500 Euro.

Hintergrund ist das Bemühen der Initiative, die Weichen für eine langfristige Stadtgestaltung zu stellen, und zwar jetzt. Wie Vorstandsvorsitzender Jens Holger Göttner sagte, gehöre dazu, Alternativen für die Hochstraße aufzuzeigen, die in 20 bis 30 Jahren realisiert werden könnten. Die Hochstraße als Verbindung zwischen Halle und Neustadt ist marode (die MZ berichtete) und soll 2013 für sieben Millionen Euro saniert werden. Das könne nur eine Zwischenlösung sein, so Göttner. "Ewig hält dieses Bauwerk nicht." Deshalb der Wettbewerb zur kreativen Stadtgestaltung mit jungen Leuten, weil sie dann in der Stadt leben werden. "Keine Idee ist zu gewagt, als dass sie nicht Beachtung finden sollte", sagte er.

Um den Wettbewerb ins Leben rufen zu können, hat Landtags-Vizepräsident Rüdiger Fikentscher (SPD) aus seinem Verfügungsfonds eine größere Summe bereitgestellt. Vielleicht helfe ja die Fantasie der jungen Leute, "den von uns als übel empfundenen Zustand der Hochstraße eines Tages zu beseitigen", sagte er.

Nach den Worten von Hans-Georg Ungefug, Pressesprecher der Initiative, sei die Hochstraße einst gegen den Willen der Verkehrsplaner gebaut worden: "Sie wollten einen Ringverkehr." Durch die Hochstraße seien Trassen zugebaut worden, die in ein neues Konzept nun nicht mehr eingebunden werden können. So etwas müsse künftig verhindert werden. "Wir müssen uns alle Optionen offen halten." Wichtig wäre eine Positionierung der Stadt, nach Alternativen zu suchen. Das würde auch den Franckeschen Stiftungen helfen, in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen zu werden. Und Ingo Kautz, stellvertretender BI-Vorsitzender, forderte von der Stadt verlässliche Zahlen, "ohne die eine langfristige Planung nicht möglich ist". Für 2009 habe die Stadt endlich eine große Verkehrszählung angekündigt.

Die Initiative will im nächsten Jahr in Halle einen Kongress veranstalten, um mit anderen deutschen Städten, die vor ähnlichen Problemen stehen, über Lösungswege nachzudenken.

Einsendeschluss ist am 30. November.

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