MZ 21.9.10 - 2

Zwischen Frust und Verzweiflung
Bauarbeiten. Neues Chaos an der Mansfelder Strße: Dezernent Pohlack verspricht nun, die neue Sperrung werde von geplanten sechs Wochen auf zweieinhalb gekürzt

Reiner Diller hat einen kleinen Ordner angelegt. Darin sammelt der Inhaber des traditionsreichen "Café König" all die Zeitungsberichte, die bereits erschienen sind zum Umbau der Klausbrücke und der Mansfelder Straße. Eine erbauliche Lektüre ist das nicht, und so wundert es nicht, wenn Diller sagt: "Wir haben es satt."

Reiner Diller und sein Café befinden sich quasi im Epizentrum des Durcheinanders. Die Klausbrücke ist seit Monaten gesperrt, und auch am Multimediazentrum (MMZ) ist das Chaos komplett: Dort können Autofahrer seit längerem nicht mehr von der Ankerstraße nach rechts in die Mansfelder Straße einbiegen. Nun führt eine neue Umleitung über die Packhofgasse und die Herrenstraße, in der deswegen die Einbahnstraßen-Regel aufgehoben ist. Doch längst nicht alle Autofahrer fanden am Dienstag den Weg. Selbst mancher Anwohner fand sich nicht mehr zurecht.

Verschärft hat sich die Situation dadurch auch für Helmut Lührmann. Der Senior-Chef des "Wohn-Centrums" im ehemaligen Karstadt-Kaufhaus wurde deshalb im Rathaus vorstellig. Und tatsächlich gab es auf seine Initiative hin am Dienstag einen kurzfristig angesetzten Vor-Ort-Termin mit Baudezernent Thomas Pohlack und der Bauleitung.

Das Gespräch endete mit einer - im Rahmen des Möglichen - guten Nachricht: Ursprünglich sollte die Sperrung am MMZ sechs Wochen dauern; Pohlack und die Baufirmen sagten zu, sie auf zwei, maximal zweieinhalb Wochen zu begrenzen.

Pohlack räumte auch ein, dass die Beschilderung nicht optimal gewesen sein. Man werde nachbessern, versprach er. Große Tafeln sollen die Orientierung erleichtern. Und auch die Zufahrt zum Wohn-Centrum soll deutlicher gekennzeichnet werden. Zudem ist seit zwei Tagen auch die Elisabethbrücke für den Autoverkehr freigegeben.

Die Sorgen der Geschäftsleute kann Pohlack vollkommen verstehen - eine Lösung, die alle zufrieden stellt, hat er nicht: "Wir sind in einer unheimlichen Zwickmühle", sagt er. Man wolle die Baumaßnahme so schnell wie möglich abwickeln. Das gehe aber nur, wenn die Straßen von beiden Seiten gesperrt werde - mit allen Nachteilen für die Anlieger. "Das ist eine verdammte Schere", die sich da öffne.

So will Helmut Lührmann denn auch bei allen Problemen das Positive betonen. Mit einem verkaufsoffenen Tag am kommenden Sonntag will er seinen Kunden demonstrieren: "Wir sind da. Und wir haben geöffnet." Manche unterstützende Maßnahme scheint indes nicht zu greifen: Der Bus-Shuttle sei schlicht "eine Luftnummer", sagt Café-Inhaber Diller. Tatsächlich sitzt in dem gelben Bus oft nur eine einzige Person: der Fahrer.

Havag-Sprecherin Corinne Richert räumt ein, der Shuttle, obwohl doch eigentlich auf Kundenwunsch eingerichtet, werde nur "wenig in Anspruch genommen". Man wolle die Nutzung des Busses weiter beobachten und dann entscheiden, ob er fahren wird, bis die Bauarbeiten beendet sind.

Reiner Diller hatte am Dienstag derweil immerhin ein Erfolgserlebnis. Er durfte die Versorgung der Bauleute übernehmen. Die waren mit rund 20 Mann angerückt, weil der komplette Bereich der Klausbrücke betoniert wurde. Ein gutes Geschäft, so Diller, und dennoch in der augenblicklichen Lage bestenfalls "ein Tropfen auf den heißen Stein".

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