MZ 25.03.2011

 

Abriss-Gegner haben sich formiert
Argumente werden erstmals vorgestellt

Wolfgang Heinrich wählt klare Worte: "Die Hochstraße abreißen zu wollen, ist politische Bilderstürmerei. Die Befürworter nehmen einen Verkehrsinfarkt in der Stadt in Kauf." Halles ehemaliger Baudezernent ist Mitglied des kürzlich gegründeten Bürgervereins Stadtgestaltung Halle, der sich am Donnerstag erstmals vorstellte. Das Ziel der Gruppe von meist altgedienten halleschen Bau- und Verkehrsexperten ist eindeutig: der Erhalt der Trasse auf Stelzen. "Die Hochstraße bündelt und konzentriert den Verkehr an nur einer Stelle und hält andere Stadtteile verkehrsärmer", sagte Vereinschef Rainer Halle, der sich bereits für den Erhalt der Riebeckplatz-Hochhäuser engagiert hatte.

Varianten werden geprüft

In den vergangenen Monaten haben die Vereinsmitglieder die bisher diskutierten Varianten für eine Hochstraßen-Zukunft geprüft und durchgerechnet. Nun verwerfen die Hallenser auch den von Halles Baudezernenten Thomas Pohlack ins Spiel gebrachten Teilabriss. "Die Nordbrücke allein ist zu schmal für Gegenverkehr. Zudem fehlt ein Notweg", so Halle. Auch den Verkehr komplett auf die untere Ebene zu legen, also die Hochstraße abzureißen, funktioniere nicht. "Dann würden bis zu acht Spuren nebeneinander liegen. Zudem könnte der Verkehr wegen der Kreuzungen pro Stunde nur 30 Minuten rollen."

Untersucht haben Halle und seine Mitstreiter auch die beiden Tunnel-Varianten. "Das scheitert an den zu steilen Rampen und an den Kosten." Ein Tunnel unter den Franckeschen Stiftungen würde 172 Millionen Euro kosten. Ein Tunnel anstelle der jetzigen Hochstraße 127 Millionen."

Neuer Akteur in der Debatte

Auch die von der "Bürgerinitiative Hochstraße", die sich für den Abriss der Trasse engagiert, vorgeschlagene Ertüchtigung der Mansfelder Straße als dritten Saaleübergang hält Halle für unmöglich. Sie sei zu schmal, könne den Verkehr nicht aufnehmen. Und er fügt hinzu: "Die Hochstraße ist sicher und tragfähig. Die in den nächsten drei Jahren geplante Sanierung für 6,3 Millionen Euro ist bei einem 40 Jahre alten Betonbauwerk normal - wenn auch zehn Jahre überfällig." Sie sei kein Grund für eine Abrissüberlegung.

Mit dem Verein für Stadtgestaltung ist nun ein neuer Akteur in die Diskussion um die Zukunft der Hochstraße in die Debatte eingetreten. Demnächst wollen seine Mitglieder eigene Vorschläge und Varianten zur Verkehrsstrategie in Halle machen.

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