MZ 25.11.2010

Hochstraße als belebte Grenze
Themenjahre: Architekt befürwortet zum Abschlusspodium den Erhalt der Trasse

Autorin: Heidi Jürgens

Die Hochstraße - seit Jahren ein Zankapfel in der Stadt - kam schließlich auch am Dienstagabend noch zur Sprache - ziemlich am Ende der Abschlussveranstaltung der Reihe der stadtweiten kulturellen Themenjahre. Im Stadthaus hatten sich Mitstreiter zusammengefunden, die elf Jahre lang unterschiedlichste Veranstaltungen zu wechselnden Jahresthemen organisiert hatten und nun im Rahmen einer Live-Sendung von MDR-Figaro zum einen Rückschau hielten, zum anderen aber auch in die Zukunft blickten.

Städtebauliche Aspekte, darunter auch die Hochstraße, spielten beim letzten Jahresthema "Halle verändert" eine wesentliche Rolle. Vertreter der Franckeschen Stiftungen plädieren unmissverständlich für den Abriss der Trasse, eine Bürgerinitiative setzt sich ebenfalls dafür ein. Viele Hallenser sind aber dagegen; zum einen aus verkehrstechnischen Gründen, aber auch, weil sie die Straße als Bindeglied nach Neustadt sehen. Für den Erhalt spricht sich nun auch der namhafte Architekt Stefan Rettich aus, den Moderator Stefan Maelck zu dem Streitobjekt befragte. Eine Betonlinie, auch wenn sie nicht schön sei, könne durchaus verbindend wirken und Zusammenhalt schaffen, meinte der Architekt. Die Hochstraße stelle zwar eine Barriere dar, die aber auch als belebte Grenze gesehen werden und bei der Orientierung helfen könnte. Den Abrissbefürwortern gab er zu bedenken, dass das Geld dringend anderweitig gebraucht werden könnte. "Es gibt Dinge, die muss man der nächsten Generation überlassen", so Rettich.

Neben dem Architekten äußerten sich auch Landeswirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU), Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) und Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, zu ihrer Sicht auf die Stadt und zu anderen Schwerpunkten, die künftig in Halle gesetzt werden sollten. Haseloff sah Halle als Stadt der Wissenschaft und Kultur, die aber auch eine starke wirtschaftliche Grundlage braucht, um ersteres zu finanzieren. Die Themenjahre, so Haseloff, hätten die Stärken der Stadt sichtbar gemacht und zur Entwicklung der Säulen Kultur und Wissenschaft beigetragen. Im Blick auf die "Kulturstadt Halle" sagte Szabados, man müsse Wege finden, das Umland mehr mit einzubeziehen. Das gelte sowohl für die Finanzierung als auch für die Wahrnehmung der bestehenden Angebote. Halle müsse auf die Potenziale Bildung und Wissenschaft und auf das "Bindegewebe" Kultur setzen, erklärte Müller-Bahlke. Es gelte, über Disziplingrenzen hinweg zusammen zu arbeiten. Wie das möglich sei, hätten die Themenjahre gezeigt. Der Stiftungsdirektor dankte ausdrücklich allen Beteiligten - vom Initiator Paul Raabe bis zu Joachim Dimanski, der fast alle Plakate gestaltete.

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