MZ 25.6.09

Hochstraße einen Tag lang dicht
Die Trasse soll bei der Bauausstellung 2010 für ein Bürgerfest gesperrt werden

Von Michael Tempel

HALLE/MZ. Mit der Sperrung der Hochstraße in Halle warten die Organisatoren der Internationalen Bauausstellung (IBA) im kommenden Jahr mit einer spektakulären Aktion auf. Wie der IBA-Koordinatoer der Stadt, Friedrich Busmann, gestern ankündigte, wird die Trasse am 29. Mai 2010 für den Verkehr dicht gemacht und Schauplatz von sportlichen und kulturellen Veranstaltungen sein.

Ein Zukunftskonzept für die Hochstraße bzw. für den Bereich, in dem sie steht, ist eines der sieben IBA-Projekte in Halle. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob die städtebaulich umstrittene Anlage abgerissen werden soll oder nicht. Die Hochstraße ist Teil der "Magistrale" zwischen dem Riebeckplatz und der Neustadt.

"Wir wollen mit der Sperrung auf die Bedeutung der Debatte um die Hochstraße aufmerksam machen", sagte Busmann. Der genaue Absperrbereich stehe noch nicht fest. Im Gespräch sei der Abschnitt Waisenhausapotheke-Rennbahnkreuz. Das Stadtmarketing arbeite bereits an einem Programm für ein Straßenfest, so Busmann. Nach MZ-Informationen wird erwogen, auf der Hochstraße ein Standesamt einzurichten und Trauungen durchzuführen. Zudem sollen von der Hochstraße aus Golf-Abschläge möglich sein - eingelocht wird dabei ins Gasometer am Holzplatz. Darüber hinaus können sich auf der Magistrale an dem Tag Skater und Fahrradfahrer tummeln.

Die Bauausstellung findet im kommenden Jahr vom 8. April bis zum 15. Oktober neben in Halle und 18 weiteren Kommunen Sachsen-Anhalts statt. Überall werden Projekte präsentiert, die den Stadtumbau dokumentieren. Busmann hat gestern mit anderen IBA-Akteuren über den Stand der Projekte und die Vorbereitungen auf 2010 beraten.

Zu den IBA-Projekten in Halle zählen auch das Glauchaviertel, das Areal oberer Boulevard / Riebeckplatz, die Franckeschen Stiftungen, das Zentrum Neustadt samt Skaterpark, der Tulpenbrunnen und die Saline. Zwischen diesen Standorten sollen Besucher im nächsten Jahr auch mit einem "IBA-Bus" pendeln können, der zudem als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum genutzt wird. Zudem ist ein Rahmenprogramm mit Foren, Filmen und Kinderaktionen geplant.

Kommentar:

Nur Fakten zählen

Von Michael Tempel

Mit der geplanten Sperrung der Hochstraße für ein Straßenfest haben die IBA-Verantwortlichen ein Achtungszeichen gesetzt. Das Spektakel dürfte gut geeignet sein, das Augenmerk der Hallenser stärker auf die viel befahrene Trasse und die Debatte um deren Zukunft zu lenken. Genau das soll ja auch erreicht werden.

Doch allein mit Events ist das Problem Hochstraße natürlich nicht zu lösen. Notwendige Expertisen lassen sich damit nicht ersetzen. Die Schärfe der Diskussion über einen Abriss der Anlage hat gezeigt: Es muss ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob die Hochstraße langfristig Bestand haben soll und welche Alternativen es gibt. Diese Konzeptarbeit kann nur auf Grundlage klarer Fakten wie die Verkehrsdichte und mögliche Ausweichrouten geleistet werden. Die jüngste Verkehrszählung, die bis Mitte Juli ausgewertet werden soll, ist dafür ein wichtiger Schritt.

Die Daten können dazu beitragen, die öffentliche Debatte weiter anzufachen. Und das wiederum würde den Druck auf die planerische Tätigkeit der Behörden erhöhen. Zudem könnten externe Fachleute animiert werden, sich einzubringen.

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