MZ 26.05.2011

Bauchef liebt den Song-Contest

Rathaus: Uwe Stäglin aus Berlin leitet künftig Halles Baudezernat. Als absoluter Fan war der 40-jährige bereits zehn Mal beim Finale des europäischen Musikwettstreits dabei.

Autor: Michael Tempel

Seine Augen blicken wach, und er wirkt einnehmend freundlich. Der Berliner Uwe Stäglin ist seit gestern ein Hallenser. Und ein wichtiger obendrein: Der 40-Jährige ist vom Stadtrat zum neuen Baudezernenten gewählt worden. Wobei das mit dem Hallenser noch eine Quasi-Bezeichnung ist. Laut Ausschreibung muss ein Dezernent seinen Hauptwohnsitz in Halle haben. "Ich bin ja heute erst gewählt worden. Die Wohnungssuche wird im Sommer ein Thema sein. Aber Halle als Wohnort kann ich mir sehr gut vorstellen", sagte Stäglin nach seiner Kür.

Zwei Anläufe nötig

33 der 51 anwesenden Stadträte hatten für Stäglin gestimmt. Damit setzte sich der Berliner gegen 13 Mitbewerber durch. Schon seit Tagen galt Stäglin als Favorit auf das Amt. Allerdings stand er gestern erst nach einem zweiten Wahlgang als neuer Beigeordneter fest. Im ersten Durchgang der geheimen Wahl erreichte Stäglin zwar mit 23 ebenfalls die höchste Stimmzahl, doch das war noch keine ausreichende Mehrheit. Nachdem sich SPD und CDU in einer Beratungspause auf Stäglin verständigt hatten, klappte es dann. Stäglin wird Nachfolger von Thomas Pohlack. Der 55-Jährige hört am 30. Juni auf, er hatte aus Gesundheitsgründen nicht erneut kandidiert.

Stäglin hat also bald einen neuen Posten. Völliges Neuland betritt er indes nicht. Seit 2002 ist der SPD-Mann Baustadtrat im Berliner Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf (rund 296 000 Einwohner). Welche Bretter er künftig an der Saale zu bohren hat, weiß der Ingenieur für Stadt- und Regionalplanung bereits: die ungeklärte Neugestaltung des Riebeckplatzes, der weitere Stadtumbau und die heiße Debatte um die Hochstraße. Auf die Hochstraße angesprochen, gab er sich gestern diplomatisch: "Sie ist aus städtebaulicher Sicht nicht überzeugend." Aber eine Meinung zur Zukunft der Trasse könne er erst entwickeln, wenn er alle Fakten und mögliche Alternativen kenne.

Einige weitere Steckbriefdaten Stäglins: 1,92 Meter groß, ledig, sportlich durch Fitness-Training und Radfahren - und absoluter Fan des "Eurovision Song Contest". Der künftige Chef von 690 Rathausmitarbeitern verriet gestern der MZ, dass er schon zehn Mal beim Finale des Musikwettstreits als Zuschauer dabei gewesen ist, darunter 2010 bei Lena Meyer-Landruts Sieg in Oslo sowie bei deren jüngst gescheiterter Titelverteidigung in Düsseldorf. "Ich sammle alle Lieder des Song-Contests als Singles. Von den etwa 2 000 Beiträgen, die seit 1956 dargeboten worden sind, fehlen mir noch etwa 100." Das nennt man Zielstrebigkeit. Eine Tugend, die er auch als neuer Baudezernent gut gebrauchen kann.

Leserbriefe:

Thema sollte zu den Akten gelegt werden
Zur Debatte um einen Teilabriss der Hochstraße

Das leidige Thema "Wegriss der Hochstraße" sollte endlich zu den Akten gelegt werden. Es reicht eben nicht aus, den Abriss der Hochstraße zu fordern und keine dem Verkehrsfluss und den entstehenden Kosten entsprechende Alternative vorzuschlagen. Da hilft es auch nicht, wenn der Verein prominente Leute als Befürworter um sich schart. Es sollte vielmehr seitens der Stadt die baldige Sanierung der Hochstraße in Angriff genommen werden.

Gernot Heinze, Halle

Die historische Aufnahme aus dem Jahr 1966 kann doch kein Beweis für die Abrissbefürworter sein: Es gab bedeutend weniger Autoverkehr; der Stadtteil Neustadt war zu jener Zeit noch viel mehr planerisch angedacht als gegenständlich errichtet; der kleine Parkplatz am Café Hopfgarten war offensichtlich ausreichend. Die Abriss-Befürworter sollten auch nicht unberücksichtigt lassen, dass der Rückbau der Hochstraße eine kolossale Abrisskette an anderen Ecken und Enden der Stadt mit sich brächte.

S. Gräser, Halle

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