MZ 27.2.07

"Hochstraße ein Monster"
Prominente wollen Verein gründen - Suche nach Alternativen für Brückenbauwerk

Autor: Andreas Lohmann

Die im Jahr 1971 fertig gestellte Hochstraße durchschneidet Halles nördliche Innenstadt. Der freie Blick auf die prachtvolle Architektur der Franckeschen Stiftungen (im Foto das Waisenhaus) wird verstellt. Andererseits trug der Bau der Hochstraße wesentlich zur Beschleunigung des Verkehrs in Ost-West-Richtung bei. Ohne eine plausible Ersatzvarianteerschein ein Abriss undenkbar.

Die Bürgerinitiative Hochstraße verliert keine Zeit. Nach einem ersten Treffen vor wenigen Tagen soll am 26. März um 18 Uhr im Saal der Leopoldina die Vereinsgründung stattfinden. Ziel ist es, Alternativen zur Hochstraße, die an den Franckeschen Stiftungen und am Elisabeth-Krankenhaus vorbeiführt, aufzuzeigen. "Die Hochstraße ist ein Monster, so kann das auf Dauer nicht bleiben", sagte gestern der Architekt und frühere Stadtrat Dieter Lehmann.

Eine große Schar prominenter Hallenser will Mitglied im neuen Verein werden (siehe Beitrag "Prominente"). Als Vorsitzender soll der frühere Regierungspräsident Jens Holger Göttner fungieren, als Stellvertreter Ingo Kautz, von 1990 bis 1993 Planungsdezernent im Rathaus, und Burg-Kanz1er Wolfgang Stockert. Organisatorisch laufen die Fäden bei Hans-Georg Ungefug zusammen, der die Vereinsziele nach außen kommuniziert und gestern den Nobelpreisträger für Medizin, Günter Blobel (Rockefeller-Universität New York), als weiteren Unterstützer vermeldete.

Die Stadt lehnte es bisher ab, sich näher mit der Hochstraßen-Problematik zu beschäftigen. Sie verwies auf zu hohe Kosten eventueller Ersatzlösungen. Schätzungen gehen beispielsweise beim Bau eines Tunnels von 155 Millionen Euro aus. Das Baudezernat wollte gestern zunächst keine Stellungnahme abgeben und verwies auf Abstimmungsbedarf in der Verwaltungsspitze. Der Verein wolle keine Schärfe in die Diskussion bringen, sondern sich um Argumente in der Sache bemühen, sagte Ungefug. Man strebe die Gemeinnützigkeit an und sei bestrebt, Spenden einzuwerben. Gelinge dies, könne ein Ideenwettbewerb unter Architekten mit entsprechendem Preisgeld ausgelobt werden. Kautz ist der Meinung, die Hochstraße durchschneide die hallesche Innenstadt wie ein Messer. Sie erschwere es, die Franckeschen Stiftungen in das Weltkulturerbe der Unesco aufzunehmen und verhindere eine homogene Entwicklung der nördlichen Innenstadt. Lehmann glaubt, dass auf die Hochstraße eines Tages verzichtet werden kann, wenn der nördliche Autobahnring um Halle und vor allem ein dritter Saaleübergang im Süden gebaut werden. "Wir sind aber keine Traumtänzer, denn wir wissen, das wird nicht schnell zu machen sein", schränkte er ein. Dennoch sei die Zeit gekommen, über Alternativen nachzudenken und vor allem die Verwaltung aufzufordern, das auch zu tun.

PROMINENTE

Rückhalt für Verein

Im Verein Bürgerinitiative Hochstraße wollen unter anderen mitwirken: Bernd Göbel, Bildhauer; Uwe Graul, Architekt; Klaus Froboese, Intendant; Wolfgang Lässig, Chefarzt; Prof. Edgar Silber, Klinik-Leiter; Paul Raabe, ehemals Direktor der Franckeschen Stiftungen; Martin Rosenfeld, IWH; Reinhard Hentschel, Probst; Prof. Johannes Langenhagen, ehem. Burgrektor; Ludwig Schlereth, Notar.

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