MZ 28.1.09

Zweiter Anlauf für Autobahnbau

Verkehrsminister Daehre kündigt ein neues Planverfahren der A 143 an. Derweil denkt Kultusminister Olbertz über den Abriss der Hochstraße nach.

 Mehr als zwei Jahre nach dem von Naturschützern erwirkten Stopp werden die Vorarbeiten für den Bau der Autobahn 143 (Westumfahrung Halle) wieder aufgenommen. Vorgesehen sei, im Frühjahr ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren für den 12,6 Kilometer langen Abschnitt einzuleiten, sagte Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Halle. Die bundeseigene Straßenplanungsgesellschaft Deges habe nach dem vom Bundesverwaltungsgericht angeordneten Stopp der Planungen weitere Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit vorgenommen. Der vorgesehene Trassenverlauf sei an einigen Stellen verändert worden.

Die A 143 soll den Autobahnring um Halle und Leipzig schließen und die A 14 (Magdeburg-Leipzig) mit der A 38 (Leipzig-Göttingen) verbinden. Gleichzeitig soll sie den innerstädtischen Verkehr in Halle entlasten. Die Kosten für den noch offenen Abschnitt belaufen sich auf etwa 150 Millionen Euro. Ziel des Planfeststellungsverfahrens ist die Schaffung von Baurecht.

"Ich wäre froh, wenn wir 2010 oder 2011 den Baubeginn hätten", sagte Daehre. Dies hänge auch davon ab, ob Umweltschützer erneut gegen die Autobahn klagten. Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Planfeststellungsbeschluss nach einer Klage des Naturschutzbundes Nabu für rechtswidrig erklärt, weil die Planungen bis dahin nicht den Anforderungen des europäischen Naturschutzrechtes entsprachen. Unter anderem sei der Schutz von Fledermäusen nicht ausreichend beachtet worden.

Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) erklärte unterdessen am Dienstag, er sei dafür, nach Fertigstellung der A 143 die Hochstraße in Halle abzureißen. Dann könnte der Antrag der Franckeschen Stiftungen, an denen die zu DDR-Zeiten auf Betonstelzen gebaute Trasse vorbeiführt, zur Aufnahme in die Liste des Unesco-Welterbes forciert werden, sagte Olbertz. Die vom Theologen und Pietisten August Herrmann Francke (1663-1727) gegründeten Stiftungen sind ein Sozial- und Bildungswerk im Fachwerkensemble. Die Hochstraße gilt als großes Hindernis für die Aufnahme der Stiftungen in die Unesco-Welterbeliste. Die Trasse ist derzeit eine der wichtigsten Verkehrsadern Halles.

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