MZ 31.1.09

Verkehrszählung an der Hochstraße

Die Stadt will für 70.000 Euro Alternativen zur umstrittenen Trasse ausloten.

Von Michael Tempel

Mit seiner Forderung nach einem Abriss hat Landes-Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) die Debatte um die Hochstraße in Halle wieder angefacht (die MZ berichtete). Wie Bürgermeister Thomas Pohlack gestern bestätigte, will es das Rathaus indes nicht bei Debatten belassen: Eine Verkehrszählung soll zeigen, ob die Hochstraße eher vom Durchgangs- oder vom Innenstadtverkehr genutzt wird und ob es Alternativen für die Trasse gibt.

"Spätestens Ende April soll die Zählung beginnen", sagte Pohlack der MZ. Geplant sei, neben der Menge auch die Kennzeichen der Fahrzeuge zu erfassen. "So wollen wir analysieren, woher die Fahrzeuge kommen und wohin sie wollen." Quell- und Zielverkehr nennen das die Fachleute.

Wichtige Daten erwartet

Wie Pohlack weiter sagte, könnten Daten zum Durchgangsverkehr Rückschlüsse ermöglichen, ob die Fertigstellung des Autobahnrings um Halle/Leipzig (A143) für Entlastung sorgen könnte. Zahlen zum innerstädtischen Verkehr ließen Schlussfolgerungen zu, ob die Fahrzeugmassen über andere Straßen abgeleitet werden könnten.

Olbertz hatte argumentiert, dass der Bedarf für die viel befahrene Hochstraße nach Fertigstellung der A 143 nicht mehr so groß sei. "Nach einem Abriss werden auch die Franckeschen Stiftungen wieder sichtbar, und wir könnten den Antrag auf Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste vorantreiben", so der Minister. Olbertz war lange Stiftungsdirektor. Er unterstützt auch die Bürgerinitiative "Hochstraße", die die Verkehrsader als städtebaulichen Schandfleck betrachtet und den Abriss fordert.

Olbertz erntet Proteste

Olbertz' Vorstoß hat aber Proteste vom Automobilclub ADAC und aus der SPD ausgelöst. Der ADAC hält einen Abriss für abwegig, weil die Hochstraße für den Verkehr unersetzbar ist. Das Gleiche meint der hallesche Landtagsabgeordnete Thomas Felke (SPD), der Olbertz vorgeworfen hat, unerfüllbare Hoffnungen zu wecken. Laut Pohlack sind für die Verkehrszählung im Haushaltsentwurf 70.000 Euro vorgesehen. Im Planungs- sowie im Finanzausschuss habe es bisher positive Signale dazu gegeben.

Über die Hochstraße rollen täglich 50.000 Fahrzeuge. Im Rathaus hat man generell nichts gegen einen Abriss. Doch Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) hat Vermutungen korrigiert, dass dies schon bald erfolgen könne. "Das steht derzeit nicht auf der Agenda", sagte sie mit Blick auf die Haushaltsmisere. Pohlack denkt ebenso in großen Zeiträumen: "Da werden wohl 20 Jahre vergehen. Vorher können wir uns keinen Abriss leisten." Neue Verkehrslösungen – überirdisch oder mit Tunnel – würden über 100 beziehungsweise 150 Millionen Euro kosten.

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