MZ 4.2.06

Hochstraße entbehrlich?
Franckesche Stiftungen sehen Ärgernis

Autor: Andreas Lohmann

Zum Für und Wider der Hochstraße in Halle zeichnet sich in diesem Jahr eine intensive Diskussion ab. "Die Hochstraße bleibt für die Franckeschen Stiftungen ein Ärgernis, sie ist die größte Einengung unserer Entfaltungsmöglichkeiten", klagt Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahike. "Wir sind überzeugt, dass die Hochstraße eines Tages weichen muss, damit die Stadt aufatmen kann", fügt er an.

"Wir werden eine Vision aufzeigen."
Friedrich Busmann, ehemaliger Planungschef

Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, darüber herrscht völlige Ungewissheit. "Derzeit ist die Hochstraße die leistungsfähigste Verbindung in Ost-West-Richtung", erklärt Josef Weber, kommissarischer Leiter des Stadtplanungsamtes. Unter den heutigen Verkehrsbedingungen sei ein Abriss nicht möglich. Was in einigen Jahrzehnten sein werde, lasse sich nicht vorhersagen.

Eine Ausstellung zum Stadtumbau, die am 12. Juni eröffnet wird, soll sich auch mit Alternativen zur Hochstraße beschäftigen. "Wir werden eine Vision aufzeigen, wie es ohne Hochstraße gehen kann",
sagt Halles früherer Planungsdezernent Friedrich Busmann, der die Präsentation vorbereitet und sich seit 1991 mit dem Hochstraßen-Problem beschäftigt. Ein Abriss sei unter bestimmten Bedingungen möglich. Uneins sei man darüber, "welche Voraussetzungen das sind." Nicht möglich sei es, die Hochstraße zu entfernen und auf der unteren Ebene alles zu lassen, wie es ist. "Dann muss dort etwas verändert werden", will Busmann noch nicht konkreter werden.

1971 war die Hochstraße über den Franckeplatz errichtet und dann schrittweise nach Westen - mit Brücken über die Saale - verlängert worden. Die Trasse, die den Verkehr nach Neustadt und zur B 80 aufnimmt, führt nicht nur nah an den Stiftungen vorbei, sondern beeinträchtigt auch das Elisabeth-Krankenhaus. Ublich ist eine Lebensdauer von 100 Jahren bei derartigen Bauwerken.

Müller-Bahike weist auf das Bestreben der Franckeschen Stiftungen hin, in das Unesco-Welkulturerbe aufgenommen zu werden. Sie seien ein einzigartiges Zeugnis sozialer Zweckarchitektur. Man stehe auf der Vorschlagsliste. Die Hochstraße behindere jedoch dieses Bemühen, sie verstelle den Blick auf die Gebäude und dürfe "nicht als gottgegeben hingenommen werden". Es müsse eine Diskussion über Alternativen in Gang kommen, fordert der Stiftungsdirektor.

Entscheidend ist, wie sich die Verkehrszahlen auf der Hochstraße entwickeln. Stadtplaner Weber glaubt nicht, dass sie in absehbarer Zeit stark zurückgehen werden, während Müller-Bahlke dies unter anderem mit Hinweis auf den geplanten dritten Saaleübergang und schrumpfende Einwohnerzahlen annimmt.