MZ 5.5.10

Nüchterne Debatte zur Hochstraße
Werkstattgespräch zur Zukunft der Trasse nach Neustadt: Abriss oder Erhalt?

War es noch im November bei einem öffentlichen Forum heiß diskutiert worden, so erhitzten sich am Dienstagabend bei einem Werkstattgespräch an der Frage "Was ist die Zukunft der Hochstraße?" die Gemüter keineswegs. Die Stadtverwaltung hatte in den englischen Saal der Franckeschen Stiftungen eingeladen, um Meinungen von Bürgern zu hören: Soll die Trasse, die von einigen als städtebauliche Sünde angesehen wird, vielleicht schon in fünf Jahren teilweise abgerissen werden oder ist sie als Ader zwischen Neustadt und der Altstadt unerlässlich?

Baudezernent Thomas Pohlack, der bei einem Forum der Internationalen Bauausstellung 2010 (IBA) selbst den Teilabriss der stadteinwärts führenden Trasse ins Spiel gebracht hatte, konnte als Diskussionsleiter nicht mit neuen Erkenntnissen nach Hause gehen. Während einige der Gäste sachlich für die Hochstraße argumentierten, hielten - wenig überraschend - vorwiegend die Mitglieder der Bürgerinitiative Hochstraße dagegen.

Studie soll erarbeitet werden

"Die Verkehrsprobleme werden durch einen Abriss nur auf die untere Ebene verlagert", warnte etwa der frühere Vorsitzende des Planungsausschusses, Ralf Müller-Gerberding, vor der von Pohlack angeregten Alternative, die zunächst in einer Studie durchdacht werden soll. Dieter Lehmann, Architekt und Mitglied der Bürgerinitiative bezeichnete dagegen die Hochstraße als "eine Wunde, die langfristig beseitigt werden sollte, auch wenn die Diskussionen darüber noch Jahrzehnte dauern".

Entwicklung für Stiftungen

Als emotionalster Fürsprecher für einen Abriss entpuppte sich Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen. Auch wenn die Hochstraße nach Angaben der Stadtverwaltung noch etwa 35 bis 50 Jahre halten kann, sei dies keine Daseinsberechtigung. "Ich appelliere an die Stadt und ihre Bürger, sich auf das identitätsstiftende Potenzial der Stiftungen zu besinnen, die auch ein Wirtschaftsfaktor sind", so Müller-Bahlke, der durch den Abriss auf Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Stiftungen hofft.

Mehr Licht ins Dunkel könnte demnächst eine Studie eines Dresdener Studenten bringen, der mit Interesse der Diskussion lauschte. Norbert Koch, angehender Ingenieur für Verkehrswesen an der TU Dresden, will sich in einer Studienarbeit mit dem Thema Hochstraße beschäftigen. "Dazu hatte ich heute auch schon Gespräche in der Stadtverwaltung", so der Student.

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