MZ 6.10.08

Risse unter dem Hallorenring
Gewölbe der Gerbersaale hat Schaden genommen

Autor: Andreas Lohmann

HALLE/MZ. Im halleschen Rathaus macht man sich Sorgen um den Bauzustand des Hallorenrings. Wegen großer Verkehrsbelastungen in den letzten Jahren sind im Untergrund Schäden an Gewölben, durch die die Gerbersaale fließt, entstanden.

Für das Jahr 2010 zeichnet sich daher ein großes Bauprojekt in der westlichen Altstadt ab. Dann sollen zeitgleich mit der Sanierung der Klausbrücke auch die rissig gewordenen Gewölbe der Gerbersaale abgedichtet und der Hallorenring neu gebaut werden. Die Gesamtkosten werden auf 9,5 Millionen Euro geschätzt.

Die Gerbersaale war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein offenes Gewässer. Dann baute man auf den Fundamenten der abgerissenen Stadtmauer ein Gewölbe und leitete den kleinen Bach dort hindurch. Über das Gewölbe wurde die Straße gebaut. Trockenlegen konnte man die Gerbersaale nicht, weil sie wichtig ist für die Ableitung des Altstadt Regenwassers in den größeren Mühlgraben, auf den sie an der Klausbrücke trifft. "Wir wollen das Gewölbe künftig als Stauraum für Regenwasser nutzen", sagte Stadtwerke-Sprecher Stefan Böttinger. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, müsste die Hallesche Wasser und Abwasser GmbH (HWA) in diesem Bereich einen völlig neuen Staukanal bauen. Folglich werde sich die HWA an den Kosten für das Gewölbe beteiligen. Das Mauerwerk soll innen mit Spritzbeton oder glasfaserverstärktem Kunststoff abgedichtet werden.

Die HWA hofft auf Fördermittel wie auch die Stadt Halle. Allein für die Gewölbe-Sanierung und den Straßenbau im Hallorenring werden 5,3 Millionen Euro veranschlagt. Noch nicht berücksichtigt ist dabei der Ausbau des südlichen Hallorenrings vor dem Glauchaer Platz. Sollte auch dieses Reststück in Angriff genommen werden, würden weitere 500 000 Euro benötigt.

Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) und Baudezernent Thomas Pohlack setzen darauf, dass das Land Sachsen-Anhalt der Stadt bei dem ehrgeizigen Projekt finanziell unter die Arme greift. Von Bauminister Karl-Heinz Daehre (CDU) lägen bereits "erste positive Äußerungen" vor, heißt es im Rathaus.

Die Dimension des Vorhabens überrascht nun selbst Stadträte, die mit halleschen Bauprojekten üblicherweise bestens vertraut sind. Stadtrat Frank Sänger (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses: "Der schlechte Zustand der Gewölbe im Hallorenring ist für mich neu. Das hat bisher überhaupt keine Rolle gespielt."

Bereits am Dienstag soll sich der Ausschuss mit der Beschlussvorlage beschäftigen. Darin enthalten ist auch das lange umstrittene Sanierungskonzept für die marode Klausbrücke und den angrenzenden Knoten Mansfelder Straße / Robert-Franz-Ring. Die CDU hatte gefordert, die Brücke so auszubauen, dass der Robert-Franz-Ring in Höhe der Brücke wieder in beiden Richtungen befahrbar ist. Dagegen sträuben sich die Verkehrsplaner im Rathaus. Sie wollen nach heftigen Debatten an ihrer Ursprungsidee, die Verkehrsführung so zu belassen, wie sie ist, festhalten. Demnach wäre der Robert-Franz-Ring nur stadtauswärts offen. In Richtung Innenstadt müsste weiterhin der Umweg über die Ankerstraße und den Glauchaer Platz genommen werden. Für diese Variante plädieren große Teile der Linken im Stadtrat wie auch der Fraktion Wir für Halle / Bündnisgrüne / Mitbürger.

Sänger schwebt dazu noch ein Kompromiss vor, der vorsieht, die jetzige Verkehrsführung zu belassen, jedoch die Brückendecke so zu gestalten, dass Zweirichtungsverkehr möglich ist. Dies kommt einer Überlegung nahe, die Frank Eigenfeld (SPD) ins Spiel gebracht hatte. In diesem Fall dürfte jedoch die Frage der Mehrkosten aufgeworfen werden. Für die Brücke hat die Stadt derzeit 1,2 Millionen Euro veranschlagt, für den Ausbau der Mansfelder Straße zwischen Klausbrücke und Schieferbrücke drei Millionen Euro.

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