MZ 6.3.10

Bammel vor Plakettenpflicht

Umweltzone

Die Stadt legt einen Zeitplan zur Einführung der gelben und grünen Marke in Halles Innenstadt vor. Fuhrbetriebe sehen hohe Kosten auf sich zukommen.

Autor: Michael Deutsch

Im Auszug:

Für die geplante Einführung einer Umweltzone in Halle (MZ berichtete) gibt es nun erstmals einen Zeitrahmen. Im Juli nächsten Jahres - so die bisherige Planung - soll es losgehen, informierte Ria Steppan von der städtischen Pressestelle. "Fahrzeuge ohne oder mit roter Plakette dürfen dann nicht mehr in die Umweltzone fahren." Ab Januar 2013 gelte das Einfahrtverbot dann auch für Fahrzeuge mit gelber Plakette.

Diese Perspektive macht nicht nur manchem privaten Autofahrer Sorgen. Auch vielen regionalen Fuhrbetrieben ist bange. "Es herrscht Verunsicherung. Unsere Kunden sehen hohe Kosten auf sich zurollen, wenn sie Fahrzeuge umrüsten oder sich neue anschaffen müssen", erklärt Lutz Preußler, Regionalleiter von Tüv Nord Mobilität. Preußler, der die Fahrzeugtechnik von rund 80 Betrieben aus Halle und dem Saalekreis überwacht, befürchtet, dass etliche Lkw Halles Innenstadt fernbleiben müssten, wenn die Umweltzone kommt. Eintrittskarten sind dann die Plaketten, welche in der Reihenfolge Rot, Gelb und Grün für die beste Abgas-Kategorie vergeben werden.

Betroffen davon ist zum Beispiel Jörg Hermann vom Transport- und Natursteinhandel Hermann & Sohn aus Queis. Zehn Lkw ließ er kürzlich mit Rußpartikelfiltern für 48.000 Euro nachrüsten - die grüne Plakette haben jedoch nur fünf bekommen. Hermann: "Das heißt, dass die Hälfte meiner Fahrzeuge 2013 nicht mehr in Halle anliefern kann." Noch drastischer beschreibt der 46-Jährige die Auswirkungen auf seinen Natursteinhandel. Ein Kleinlaster und ein MAN-Lkw mit Ladekran, mit denen Baumaterialien fast ausschließlich bei Kunden in Halle angeliefert werden, haben wegen ihres Alters überhaupt keine Plakette vom Tüv erhalten. "Ich müsste für rund 120.000 Euro neue Fahrzeuge anschaffen", sagt Hermann. Doch das sei finanziell nicht machbar, er hoffe auf eine Ausnahmegenehmigung. Nach welchen Kriterien diese erteilt und was sie kosten wird, ist laut Steppan noch nicht klar.

Allerdings betont sie: "Die Hochstraße soll für alle Fahrzeuge zugelassen bleiben." Das werde zumindest anfangs auch für die Paracelsusstraße und die Berliner Brücke gelten. Voraussichtlich ab 2014 allerdings seien diese dann nur noch für Kfz mit grüner Plakette passierbar - vorausgesetzt, die Osttangente ist bis dahin fertig.

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