MZ 6.9.08

Artikel:

Planer haben marode Hochstraße im Visier
Schäden sichtbar - Sanierung notwendig - Vorbereitung läuft

Autorin: Heidi Pohle

Bildunterschrift:
Unter der Hochstraße am Franckeplatz darf nicht mehr geparkt werden - von der Unterseite der Verkehrsbrücke bröckelt Beton ab - ein Zeichen, dass diese Trasse saniert werden muss.

Noch laufen die Arbeiten an den Brücken über den Riebeckplatz bis Ende 2009, da haben die Stadtplaner schon ein nächstes großes Verkehrs-Bauwerk der Stadt im Blick - die Hochstraße. Die beiden Trassen von und nach Neustadt müssen ebenfalls saniert werden.

Die "Krankheiten" der Hochstraße gleichen denen der Brücken über den Riebeckplatz: Jahrelang eindringendes Wasser, zum Teil versetzt mit Salzen, hat die Bewehrung im Inneren rosten lassen. Risse im Beton, lose Brocken und sich lösende Schichten an den Kappen, auf denen die Geländer ruhen, seien das Ergebnis, erläutert Matthias Taube vom Tiefbauamt. Um Autos nicht zu beschädigen, sind von der Unterseite der Hochstraße schon größere Betonteile abgeschlagen worden; und seit geraumer Zeit darf auf den Streifen neben den Fahrbahnen nicht mehr geparkt werden. "Doch in absehbarer Zeit müssen sämtliche Dichtungen, Kappen und Fahrbahnen erneuert werden", so Taube. Das geschehe allerdings nicht vor dem Jahr 2013; die Vorbereitungen seien sehr umfangreich.

Zwar sei es nicht so, dass die Hochstraße akut einsturzgefährdet ist. Die beiden jeweils rund 800 Meter langen Trassen, Baujahr 1971, hätten aber nach rund 37 Jahren ihre "vorgegebenen Nutzungszeiträume" erreicht, wie Taube sagt. Das mache eine instandsetzung von Grund auf erforderlich. Das war bei den Riebeckplatz-Brücken - übrigens die allererste Hochstraße der DDR, die zwischen 1965 und 1967 errichtet wurde - sowie bei den bereits sanierten Brücken über die Berliner Straße (Baujahr 1968) auch der Fall. Hinzu komme, dass heute andere Vorschriften für solche Bauwerke gelten, zum Beispiel seien die Sicherheitsbestimmungen strenger.

So laufen derzeit die Vorbereitungen, um das Tragwerk der Hochstraße statisch nachzurechnen; die Tragkraft hat sich im Laufe der Jahre verringert. Immerhin rollen über diese wichtige Verkehrsader in beiden Richtungen täglich rund 76.000 Autos. "Wir haben Dauermessstellen für ein Riss-Monitoring an Höhe des Franckeplatzes eingerichtet", sagt der Fachmann.

Ausgehend von den Kosten für die anderen Brücken sei von einem Gesamtaufwand von etwa sieben Millionen Euro auszugehen, so Taube. "Wir hoffen, auch für die Hochstraße Fördermittel in Millionenhöhe zu bekommen, um die Verkehrsanlage auf den heutigen Standard bringen zu können", sagt er. Ob damit erneut die gesamten Kosten gedeckt werden können wie bei den anderen Brücken, ist noch ungewiss.


Kommentar:

Sanierung der Hochstraße
Alternativen nicht in Sicht

Von Heidi Pohle

Die Zahl der Autos, die in den 1970/80er Jahren über die Hochstraße rollten, kann man getrost als bescheiden bezeichnen im Gegensatz zu jener Flut, die nach der Wende einsetzte. Nicht nur mehr, sondern auch immer schwerere Fahrzeuge passieren täglich die Trasse von und nach Neustadt. Das hat dem Bauwerk zugesetzt, zumal selbst bei modernen Hochstraßen Verschleißteile nur begrenzt haltbar sind. Eine Sanierung ist also wohl unumgänglich, auch wenn sich Autofahrer, die in Halle eigentlich an Kummer gewöhnt sein müssten, schon jetzt im Stau stehen und endlose Umleitungen fahren sehen. Und sich fragen, ob das denn nie aufhört.

Aber was wäre die Alternative zur Sanierung dieser Verkehrsader? Der Abriss, wie ihn eine Bürgerinitiative fordert? Dann bräuchte man ein völlig neues Verkehrskonzept, das sehr viel mehr kosten würde wie die Sanierung. Oder den Dingen ihren Lauf lassen und gar nichts machen? Das widerspräche nun wieder sicherheitstechnischen  Vorschriften. Bleibt ein kleiner Trost - die Arbeiten beginnen erst 2013.

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