MZ 7.5.09

Durchgangsverkehr im Visier
Zählung Mit Infrarotkameras wurden gestern in Halle massenhaft Fahrzeuge erfasst. Die Stadtplaner erhoffen sich auch Erkenntnisse zur Zukunft der Hochstraße.

Stehen Pkw samt Kameratechnik am Straßenrand, treten Autofahrer auf die Bremse. Schließlich handelt es sich in solchen Fällen oft um Geschwindigkeitskontrollen. An insgesamt 17 Stellen in Halle waren Mittwoch ebenfalls verdächtige Autos und Kameras anzutreffen. Allerdings hatte man es nicht auf Temposünder abgesehen: Im Auftrag der Stadt fand bis zum Abend eine landesweit bislang einzigartige Verkehrszählung statt.

Eine Messstelle war am Rennbahnkreuz eingerichtet worden. Dort nahmen fünf Infrarotkameras die Auto-Kennzeichen auf der Magistrale sowie auf den Zubringern vom Rennbahnkreuz-Kreisverkehr und von der B 80 auf. In einem Kleinbus überwachte Peter Mehl die Erfassung. Der 64-Jährige ist Chef der gleichnamigen Messtechnik-Firma aus Wolfhagen bei Kassel, die die Zählung durchgeführt hat. Auf einem Computerbildschirm kontrollierte Mehl die einwandfreie Funktion der Kameras. Wurde ein Kennzeichen erfasst, erschien es für kurze Zeit auf dem Bildschirm. Sekunden später verschwand es - das Computerprogramm hatte es dann in einen Zahlen-Buchstaben-Code umgewandelt und der Erfassungsliste zugefügt. Bis 14 Uhr wurden an dem Messpunkt rund 10 000 Autos erfasst. "Das System funktioniert nur dann sauber, wenn Infrarottechnik eingesetzt wird", erläuterte Mehl. Bei herkömmlichen Kameras bestehe die Gefahr, dass die Aufnahmen durch ungünstiges Licht undeutlich werden.

Mit der Erhebung will das Rathaus Daten zum Durchgangsverkehr und die Routen, auf denen er sich bewegt, gewinnen. So befanden sich die Messpunkte meist an Stadteinfahrten und -ausfahrten um zu schauen, wer wo in die Stadt rein- und wo wieder rausfährt. Die Ergebnisse sind für die Verkehrsplanung wie für die Führung der Fahrzeugströme, den Lärmschutz und die Einrichtung von Umgehungsstraßen bedeutsam. Auch sollen sie die Einschätzung erleichtern, wie wichtig die umstrittene Hochstraße ist und ob sie eventuell abgerissen werden könnte. Die Stadt lässt sich die Zählung 100 000 Euro kosten. "Die Daten werden uns Mitte Juli vorgelegt", so Rainer Möbius, Verkehrsplaner im Rathaus. "Danach werten wir sie in der Verwaltung aus."

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