MZ 9.10.08 Saalebrücke

Kommt dritte Saalebrücke?
Das Verkehrsministerium in Magdeburg ist bereit, Geld für einen weiteren Übergang zu geben. Die Stadt will die Fertigstellung der A 143 abwarten

Autor: Jan Möbius

HALLE/MAGDEBURG/MZ. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) hält weiter am Bau einer dritten Saalebrücke in Halle fest. Wie Peter Mennicke, Referent in der Pressestelle des Ministeriums in Magdeburg auf MZ-Anfrage mitteilte, habe sich der Ressortchef "grundsätzlich zu einer Förderung des geplanten zusätzlichen Saaleübergangs in Halle bekannt" und sich für eine finanzielle Förderung des Bauvorhabens ausgesprochen. Im halleschen Rathaus ist man indes weiterhin zögerlich. "Wir wollen erst die Fertigstellung der Autobahn 143 abwarten", sagte Stadtsprecher Steffen Drenkelfuß am Mittwoch. Denn erst danach könne man einschätzen, ob anhand der dann noch vorhandenen Verkehrsströme in der Stadt überhaupt ein Bedarf für den dritten Saaleübergang im Süden Halles vorhanden ist. "Ganz vom Tisch sind die Überlegungen allerdings noch nicht", betonte Drenkelfuß.

Allerdings scheint man im Magdeburger Verkehrsministerium auch für die Zeit nach der Fertigstellung der A 143 Bedarf für eine zusätzliche Brücke über die Saale in Halle zu sehen. Denn das Ministerium hat für den Bedarfsfall Fördergelder in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt. Mennicke rechnet vor: "Die Gesamtkosten für den zweispurigen Ausbau zwischen der B 80 bei Angersdorf und dem halleschen Stadtteil Wörmlitz belaufen sich nach derzeitigen Berechnungen auf rund 35 Millionen Euro." Allein durch die Landesregierung könnten etwa 16 Millionen Euro bereitgestellt werden, hieß es. Allerdings würden sich die Zahlen auf drei Jahre alte Daten beziehen. "Neuere hat die Stadt Halle bislang nicht vorgelegt", so Mennicke.

Ohnehin zeigt man sich im Ministerium über das zögernde Verhalten im halleschen Rathaus sehr verwundert. Denn bereits zugesagte Fördermittel für die Planungsarbeiten der lange geforderten Trasse zwischen dem westlichen Neustadt und dem südlichen Halle hätte die Rathausspitze nicht abgerufen. "Für den Zeitraum 2006 / 2007 hatte das Verkehrsministerium rund 400 000 Euro allein für Planungsleistungen in Aussicht gestellt", so Mennicke.

Stadtsprecher Steffen Drenkelfuß sagte dazu: "Das Projekt wird bei uns nicht mehr forciert." Planungen würden derzeit nicht laufen. Deshalb sei es nicht notwendig, Fördermittel dafür zu beantragen. Zudem zweifle man inzwischen im Rathaus, ob ein dritter Saaleübergang tatsächlich zur Entlastung hoffnungslos verstopfter Straßen, wie etwa im Giebichensteinviertel, beitragen würde. "Da sind wir skeptisch", so Drenkelfuß.

Die abwartende Haltung der Stadtverwaltung ist allerdings nicht neu. Bereits vor zwei Jahren stand für das Rathaus fest, dass dem dritten Saaleübergang keine Priorität zukommt. Angesichts des Einwohnerschwundes sei offen, ob es einen tatsächlichen Bedarf gibt. Zudem gilt es als unwahrscheinlich, dass die Stadt Halle das Projekt trotz Förderung finanziell stemmen kann. Denn immerhin würden für die Kommune Baukosten von rund 15 Millionen Euro verbleiben. Und das Landesverwaltungsamt fordert zudem, dass die Stadt ihr Defizit von 247 Millionen Euro (Ende 2007) abbaut.

Bereits seit Ende der 90er Jahre wird in Halle über den Bau eines dritten Saaleübergangs diskutiert. Befürworter sehen in dem Vorhaben eine deutliche Entlastung vor allem der Verbindung von Neustadt in den Süden der Stadt.

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