SN 14.9.08

Hochstraße angegriffen 
 
Autor: Martin Schramme


HALLE. Wasser auf die Mühlen der Hochstraßengegner: Wie jetzt aus Halles Stadtplanungsamt bekannt geworden ist, muss die Stadt nach der Millionen Euro teuren Sanierung der beiden Brücken über den Riebeckplatz nun auch die Hochstraße nach Neustadt kurieren. Im Moment gibt es nur Schätzungen, was das für 2013 avisierte Vorhaben kostet. 

Feuchtigkeit ist eingedrungen in die Stahlbetonwannen und aggressive Streusalze haben zusätzlich Schaden angerichtet.  Bewehrungsstähle sind angegriffen, sagte Halles Baudezernent Thomas Pohlack auf SN-Anfrage. Das Schadensbild sei ähnlich  wie bei den Brücken über den Riebeckplatz. Matthias Taube, amtierender Koordinator vom zuständigen „Team Brücken- und Wasserbau“ bei Halles Stadtverwaltung, bestätigte gegenüber SN, dass in der Folge der Ergebnisse einer  turnusmäßigen Brückenprüfung eine Sonderprüfung des Brückenbauwerks angeordnet worden ist. An vier Stellen der Stahlbetonkonstruktion aus DDR-Zeiten würden seit Januar Rissmessungen ausgewertet. Zudem sei der Beton untersucht worden, doch Hinweise auf die gefährliche, den Beton aufweichende Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR) seien nicht gefunden worden.

2013 sollen die Brücken komplett saniert werden. Die Zeit bis dahin wird gebraucht, um zu planen und Fördermittel zu beantragen, so Taube. Sieben Millionen Euro könnte die Sanierung kosten, besagen erste, grobe Schätzungen.

So eine Brücke besteht aus Konstruktionsbeton (Pfeiler und Hohlkästen) mit einer „normativen Nutzungsdauer“ von 70 Jahren und Opferbauteilen (Betonkappen), die viel schneller verschleißen, so Taube. Ein Abriss der 37 Jahre alten Hochstraße komme daher vorerst nicht in Frage, zumal die Infrastruktur darunter noch ganz neu sei.

„Die angekündigten Sanierungskosten für die Hochstraße sind  ein Millionen Euro teures Warnsignal an die Stadt Halle“,  polemisierte die Bürgerinitiative Hochstraße nach Bekanntwerden des Sanierungsvorhabens. Der Vereinsvorsitzende Jens Holger Göttner sprach von einem „Millionengrab“. Weiter sagte die Initiative: „Wenn man nur einen Bruchteil dieser Millionen in Planungsprojekte für alternative Verkehrswege investieren würde, könnte man sich zumindest eine kreative Option für ein Leben auch ohne diesen stadtgestalterischen Störfaktor offen halten.“ In der seit Monaten anhaltenden Diskussion war auch vom Bau eines Tunnels die Rede. Doch auf ein so aberwitzig teures Tunnelabenteuer wie in Leipzig wollen die Planer in Halle lieber verzichten.

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