SN 20.4.08

"Hochstraße ist ökologisch"
ADAC sieht für die nächsten 25 Jahre keine Alternative

Halle (mas). Halles Hochstraße bleibt stehen bis zum Ende ihrer regulären Lebensdauer. Davon ist Jürgen Henze, ADAC-Vorstandsmitglied, Hallenser und in der DDR Oberbauleiter der 780 Meter langen Trasse zwischen Franckestraße und der Ortseinfahrt Neustadt, fest überzeugt. Die Suche nach Alternativen sei kompliziert.

Als es 1965 mit der Baustelle Hochstraße losging, war Henze noch nicht dabei. Zahlreiche alte Häuser wurden abgerissen und in der Saaleaue ein Damm aufgeschüttet, der sich zwei Jahre setzen musste. Später stieß Henze dazu und übernahm die Oberbauleitung, bis die Verkehrsbrücke zwischen Alt- und Neustadt am 7. Oktober 1971, dem 22. Jahrestag der DDR, übergeben werden konnte. Seit 1990 wird immer wieder der Abriss der Hochstraße erwogen. In jüngster Zeit forciert eine Bürgerinitiative das Thema.

Auf einer Pressekonferenz am Freitag schaltete sich der ADAC aktiv in die Diskussion ein. Henze nannte erwartungsgemäß mehr Gründe gegen als für den Abriss der Hochstraße. Dass sie "städtebaulich störend" ist, bestreite man auch beim ADAC nicht. Doch in Hinblick auf den gewaltigen Verkehrsstrom, der auf der Ost-West-Achse durch Halle rollt (2006 waren es pro Tag 40.000 Fahrzeuge) ist die Straße "verkehrstechnisch ein Meisterwerk", so Henze. Außerdem sei sie ökologisch, weil der Verkehr ohne Ampelstopp und unnötig viele Steigungen die Stadt quere. Den ökologischen und volkswirtschaftlichen Effekt erklärte Henze am Beispiel einer Grünen Welle in Nord-Süd-Richtung durch Halle: "Pro Tag könnten 100.000 Liter Treibstoff gespart werden. Lkw noch nicht mitgerechnet."

Die bisherigen Alternativ-Vorschläge – Südtrasse durch die Saaleaue oder Tunnel – bewertet Henze kritisch. Die Südtrasse sei schon zu DDR-Zeiten aus Naturschutzgründen verworfen worden. In den damals gehaltenen Korridoren wären eine neue Prüfung und Grundstückserwerb notwendig. Ein Tunnel müsste aus technischen Gründen von Halle-Neustadt bis in die Delitzscher Straße gehen, erklärte Henze. Damit würde der Riebeckplatz unterlaufen, der Verkehrsknoten von vier Bundesstraßen (über 70.000 Fahrzeuge), um den es geht. Da die Hochstraße aus den genannten Gründen ihre Lebensdauer von noch 25 Jahren überstehen dürfte, wären allein Schallschutzmaßnahmen sinnvoll.

Hans-Georg Ungefug, Sprecher der Bürgerinitiative Hochstraße Halle an der Saale, sieht die Hochstraße als "Todesstreifen aus Asphalt", der durch intelligente Verkehrspolitik überflüssig werden könnte. Der Verein wolle Spenden einwerben und entsprechende Gutachten in Auftrag geben. Zum Abriss der Hochstraße bekannte er aber auch: "Das ist die Aufgabe für
eine Generation."

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