SN 4.3.07

Hochstraße: Abriss nur mit Südtrasse
Hallenser Michael Joksch hat Vision erarbeitet - Oberbauleiter Jürgen Henze: Bau war notwendig

Autor: mas

Michael Joksch, hier bei einem Blick von einem Steg-Hochhaus auf Halles Altstadt und die Hochstraße, ist Hallenser mit Leib und Seele. Seine Vision ist ein Halle ohne Hochstraße und ohne Transitverkehr durch die Altstadt. Er sagt, eine Südumgehung muss kommen, dann ist ein Abriss denkbar.

Halles Hochstraße abreißen - ja oder nein? So neu ist die Diskussion nicht, doch jetzt kocht das Thema wieder hoch. Und während ein von Stadtprominenz angeführter akademischer Zirkel in einer Bürgerinitiative auf Alternativen und Abriss drängt, machen sich auch Otto-Normal-Verbraucher so ihre Gedanken.

Während der gemeine Hallenser in einer Internetumfrage klar gegen den Abriss gestimmt hat, hat sich Michael Joksch, gebürtiger Hallenser, 35, gelernter Konditor und Mitarbeiter einer Fast Food-Kette, die Mühe gemacht, aufzuschreiben und zu zeichnen, wie Halles City von Hauptverkehrsstrom und Hochstraße auf einen Schlag befreit werden könnte. Saale-Übergang und Altstadtumgehung im Süden, so seine Idee, sollen die Transitstadt entlasten. Dazu soll eine vierspurige Trasse an der Bahn-Strecke Angersdorf-Silberhöhe entlang geführt werden, die die B 80 im Westen mit der Europachaussee im Osten verbindet. Auf einen Schlag, so Joksch, könnte der Verkehr der Bundesstraßen 6, 80 und 91 von der Altstadt fern gehalten werden. Unter anderem Merseburger-, Delitzscher, Volkmann- und Paracelsus-Straße würden entlastet. Der Abriss der Hochstraße, auch das sagt Joksch, ist jedoch ohne einen dritten Saale-Übergang und die Umgehung im Süden nicht denkbar. Auf seinem täglichen Weg zur Arbeit von Neustadt nach Peißen erlebt er die neuralgischen Punkte. "Halle ist mein Hobby", heißt seine Erklärung, warum ihn das Thema so intensiv bewegt.

Dass das Thema Hochstraße so oder so viel Zeit beansprucht, ist auch anderen klar. So verlautete aus den Reihen der deutschen UNESCO-Weltkulturerbe- Kommission, dass die Hochstraße für die von den Franckeschen Stiftungen angestrebte Aufnahme in die Kulturerbe-Liste kein Hinderungsgrund ist. Doch, ergänzt Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahike seine Wiedergabe der Gespräche, müsse die Stadt erkennen lassen, dass sie den Abriss der Hochstraße ernsthaft betreibt. Allein im Rathaus sind nicht zuletzt die Diskussionen über einen dritten Saale-Übergang längst im Haushaltsdebakel versandet. Am Geld drohen alle Visionen zu scheitern.

Dabei ist inzwischen sogar der Oberbauleiter des einst 120 Millionen Mark teuren Brückenbauwerks, Jürgen Henze, bereit, an der Suche nach Alternativen zur Hochstraße mitzuwirken. Rückblickend sagt er zu einer der größten Baustellen der DDR: "Wir waren stolz drauf." Der Verkehr von vier Fernverkehrsstraßen musste gebündelt werden. Die Hochstraße war notwendig. Henze, der heute Vorstandsmitglied des ADAC Niedersachsen/ Sachsen-Anhalt ist, erinnert sich nicht ohne Stolz daran, dass die Spannbeton-Straßenbrücke am 7. Oktober 1971 dem Verkehr 80 Tage vor dem eigentlichen Termin übergeben werden konnte.

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