SN 8.10.06

Wunsch nach freiem Blick auf Franckes Erbe

Autor: mas

Bei den Dreharbeiten zum DDR-Film "ich bin 6" (sechs Jahre Halle-Neustadt) schoss Kameramann Wilfried Zerner 1970 auch dieses Foro vom Bau der Hochstraße (Blick stadteinwärts).

Halle ohne Hochstrße: So sah der Franckeplatz mit den Franckeschen Stiftungen in den 60er Jahren aus. Das Motiv ist als Postkarte mit Poststempel von 1967 verschickt worden.

Um 1970 wurde Halles Hochstraße gebaut. Seit der Wende wurde sie mehrfach in Frage gestellt. Nun soll eine "Bürgerinitiative Ersatz für die Hochstraße" die Diskussion um Für und Wider des Bauwerks vorantreiben. Das Ziel: Bedingungen dafür schaffen, dass die Franckeschen Stiftungen als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen werden.

Wie aus einem Schreiben hervorgeht, das an 600 ausgewählte, engagierte Hallenser gegangen ist und SN vorliegt, will eine Reihe Hallenser "in Kürze öffentlich und im Dialog mit der Stadt Halle Möglichkeiten diskutieren, ob und in welcher Form die Hochstraße zwischen Waisenhaus-Apotheke und Saale-Übergang perspektivisch durch andere Verkehrswege ersetzt werden kann". Dabei gehe es unter anderem darüm, die Franckeschen Stiftungen gemäß einem Vorschlag von 1999 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten aufnehmen zu lassen. Weiter heißt es, dass die Hochstraße die Innenstadt zerschneidet und im innerstädtischen Leben einen erheblichen, auch optischen, Störfaktor darstellt. Demgegenüber würden Stadtplaner immer wieder darauf hinweisen, "dass die Hochstraße eine immens wichtige Verkehrsader ist, die ohne erhebliche Beeinträchtigungen des innerstädtischen Verkehrsgeschehens allenfalls durch einen neuen Tunnel zwischen Riebeckplatz und Saale ersetzt werden kann." Doch ein Tunnel, argumentiere Halles Stadtverwaltung, sei nicht finanzierbar.

Zu den Gründern der Initiative gehören der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Thomas Müller-Bahlke, der ehemalige Rektor der Universität Halle, Reinhard Kreckel, der Bildhauer Bernd Göbel, die Architekten Uwe Graul und Dieter Lehmann sowie der Geschäftsführer der Stadtmarketinggesellschaft, Lo- thar Meyer-Mertel. Dem Einvernehmen nach will die Bürgerinitiative frei von Politik und Ideologie agieren, in die "festgefahrene Diskussion um einen Ersatz für die Hochstraße" Bewegung bringen und einen neuen Dialog zwischen Befürwortern und Gegnern einleiten.

zurück zu "Medien-Berichte"