Super Sonntag 20.4.08

Für und wider die Hochstraße:
Abriss, Ersatz oder Erhalt?


Bildunterschrift:
Jürgen Henze (links) vom ADAC und Hans-Georg Ungefug von der Bürgerinitiative diskutieren nicht erst seit heute Abriss, Erhalt oder Ersatz der Hochstraße.
Foto: S. Christmann

 
Halle (sc). Für die einen ist es ein „Hochtodesstreifen aus Asphalt“ (Zitat aus einem Beitrag in „Die Zeit“) - für die anderen unverzichtbar und ein „verkehrstechnisches Meisterwerk“.
 
Kaum ein anderes Objekt in Halle spaltet die Bevölkerung in Halle mehr in Befürworter und Gegner, als die am 7. Oktober 1972 für den Verkehr freigegebene Hochstraße zwischen Riebeckplatz und Halle-Neustadt. Fakt ist: Mit 40 000 Fahrzeugen (in beiden Richtungen) ist die Trasse die mit am meisten befahrene in Halle und die wichtigste Ost-West-Verbindung der Stadt.
 
Fakt ist aber auch: sie ist stadtbildprägend im negativen Sinne (schneidet die südliche Innenstadt ab), setzt die Anwohner nicht geringen Lärm- und Abgasbelastungen aus und die Franckeschen Stiftungen fürchten nicht ganz zu Unrecht, dass es die Hochstraße sein könnte, die die Anerkennung der Schulstadt als Unesco-Welterbe verhindern wird.
 
Jürgen Henze, Vorstandsmitglied des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, ist mit der Hochstraße und ihren Problemen vertraut wie kaum ein anderer: er hat sie damals mit gebaut. Als ein „verkehrstechnisches Meisterwerk“ bezeichnet er sie heute noch immer, denn sie bewältigt Verkehr so schnell und massenhaft wie keine andere Verbindung, auf ihr läuft der Verkehr knotenfrei und flüssiger als anderswo, was zu vergleichsweise wenig Schadstoff-Austoß führt. Trotzdem habe man sich im Automobilclub, der in Halle 48 800 Autofahrer vertritt, mit Alternativen befasst.
 
Zum Beispiel mit dem Abriss und anderen Streckenführungen. Wie man es auch drehe und wende, meint Heinze, auch diese würden unweigerlich Wohngebiete belasten und Umwelt- und Landschaftschützer auf den Plan rufen.

Eine andere Streckenführung bedeute auch: einen neuen Saale-Übergang ins Auge fassen. Der und auch die Variante der Untertunnelung an gleicher Stelle würde umfangreiche Planungen und Vorbereitungen nach sich ziehen - womit eine ganze Generation (38 Jahre) beschäftigt wäre. Kurz- und mittelfristig hätte keiner etwas davon. Ein wie immer auch gearteter Neubau verursache immense Kosten (es wird von 150 Millionen Euro gesprochen) und dieses Geld habe die Stadt auf absehbare Zeit nicht. Mit dem Bund könne man dabei kaum rechnen, für den sei mit der Hochstraße eine leistungsfähige Verkehrsverbindung vorhanden und nach Schließung des Autobahnringes (A 143) dürfte kein weiterer Investitionsbedarf bestehen.
 
Fazit: aus verkehrstechnischer Sicht sei die Hochstraße derzeit nicht ersetzbar. Aber: die 20, 30 Jahre Lebensdauer, die die Hochstraße noch habe, könne man nutzen, um sich um eine wirklich tragfähige Lösung des Problems zu kümmern. Dann sei man eh zum Handeln gezwungen. Bis dahin könne man die Belastungen für die Anwohner mittels geeigneter Lärmschutzeinrichtungen deutlich mindern.

So lange will die Bürgerinitiative Hochstraße, die die 150 Millionen Euro für weit überzogen hält, nicht warten. Wenn dieser Tage die Gemeinnützigkeit anerkannt werde, könne man Spendengelder einwerben. Damit will man, so Hans-Georg Ungefug, Ingenieurbüros bezahlen, die Alternativrouten erarbeiten und zwar innerhalb der nächsten zwei Jahre. Es müsse, so Ungefug, auch viel mehr für die Vermeidung von Verkehr getan werden. „Wer zum Bahnhof wolle, laufe, nehme die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Rad!“

Der SUPER SONNTAG möchte mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, das Thema diskutieren. Soll die Hochstraße erhalten, ersetzt oder abgerissen werden? Mit welcher Alternativroute könnten Sie leben? Oder soll alles so bleiben, wie es ist? Schreiben Sie Ihre Meinung an: Redaktion SUPER SONNTAG, Kennwort „Hochstraße“, Fiete-Schulze-Straße 3, 06075 Halle, per E-Mail an: redaktionsupersonntag-hallede.
 
PS: Anonyme Zuschriften können nicht veröffentlicht werden. Die Redaktion behält sich das Recht zum Kürzen vor.

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