Erster Alters-Tüv für Betonbauten

Drei Wissenschaftler aus Halle entwickeln eine neue Software, mit der die Statik von Betonbauten erheblich genauer berechnet und sogar deren Alterung simuliert werden kann. In diesen Tagen wollen die Gewinner des Businessplanwettbewerbs 2009 ihre eigene Firma „nonlin“ gründen.


Eine Firmengründung ähnelt durchaus einem Bauvorhaben. Zuerst gibt es eine Idee, dann einen Plan und einen Finanzier, mit dem sich das Ganze realisieren lässt. Sind alle Hausaufgaben erledigt, steht zum Schluss ein Gerüst, mit dem der Bau oder eben die Firma auf sichere Füße gestellt wird. Gleich beides – Existenzgründung und Bauvorhaben – stehen bei Stephan Mucha, Thomas Püschel und Gunter Schenck auf der Tagesordnung. Die drei am Institut für Mathematik der MLU angesiedelten Wissenschaftler, die jüngst den Landes-Businessplanwettbewerb in Magdeburg gewannen, haben ein neuartiges Computersimulations-Werkzeug zur Berechnung für Betonbauwerke entwickelt. Ihre Idee ist so innovativ und bahnbrechend, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) ihr Gründungsvorhaben mit 103.400 Euro über das EXIST-Programm fördert.

Basis ihrer Gründung ist ein computerbasiertes Modell zur Berechnung von Stahlbetonstrukturen. „Mittels einer dreidimensionalen Computer-Simulation ist es möglich, die statische Sicherheit auch in kritischen Fällen zu überprüfen“, erklärt Gunter Schenck. Die Software erstelle ein Abbild vom konkreten Beanspruchungszustand des Bauwerks – gleich ob von einer Brücke oder einem Hochhaus. Dabei werde genau ersichtlich, an welcher Stelle welche Kräfte auftreten. „Wir können sogar ins Innere einer Konstruktion schauen“, so Stephan Mucha, der auf die Trümpfe ihrer Software verweist. Mit ihr könnten Bauplaner nicht nur Sicherheitslücken aufspüren, sondern Kosten sparen. Viele Betonbauwerke seien aufgrund ihrer Komplexität einfach sehr schwierig zu berechnen. Kritische Bereiche würden dann baulich mit Blick auf die Sicherheit oft überdimensioniert. „Durch exaktere Nachweise der Standsicherheit sind bei großen Bauwerken aber Materialeinsparungen in Millionenhöhe möglich“, unterstreicht Mucha. Ein weiteres Plus der Nonlin-Software betrifft die Alterungs-Prognose, die eine Art Alters-Tüv ist. Dank dieser Simulation ließen sich Schäden in 30, 50 oder 100 Jahren prognostizieren, erklärt Thomas Püschel. In die Berechnungen können neben den mechanischen Belastungen auch Umwelteinflüsse einfließen.


Mit der Finanzspritze aus dem EXIST-Gründerstipendium wollen die drei Ingenieure nun im März ihre eigene Firma „nonlin“ gründen und ihr Software-Produkt zum praktischen Einsatz bringen. Die Diplomingenieure finden dabei auf dem halleschen Weinberg-Campus – im gewachsenen Umfeld aus Universität, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Technologie-Firmen – ideale Bedingungen zur Verwirklichung ihrer Selbstständigkeit vor. „Durch die Betreuer der Hochschul-Gründer-Netzwerke ,Scidea’ und ,Univations’ werden wir zudem professionell unterstützt“, lobt Stephan Mucha.

Businessplanwettbewerb

Beim 5. Businessplanwettbewerb Sachsen-Anhalt haben sich gleich zwei hallesche Gründer-Teams platziert. Das beste Geschäftskonzept stammt dabei von Stephan Mucha, Thomas Püschel und Gunter Schenck von „nonlin“, die ein Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro erhielten. Der mit 5.000 Euro dotierte zweite Preis ging an Jan Heise und Kai Naumann von der Biotech-Firma „NH Dye Agnostics“. Das Unternehmen, das aus dem halleschen Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) ausgegründet wurde, hat ein neuartiges Verfahren für den Proteinnachweis entwickelt. Zukünftig ist es damit beispielweise möglich, Krebstherapien deutlich effektiver an die Bedürfnisse einzelner Patienten anzupassen. Insgesamt wurden beim 5. Businessplanwettbewerb 24 eingereichte Geschäftskonzepte von der Jury bewertet. Der Businessplanwettbewerb Sachsen-Anhalt ist ein Projekt der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) und der Investitionsbank Sachsen-Anhalt im Rahmen der ego.-Existenzgründungsoffensive. Das Projekt wird aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt und der Europäischen Union gefördert.

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