Wochenspiegel Halle 17.3.10

Die hässlichste Straße Glauchas
Die Albert-Schmidt-Straße rückt wie einige andere Orte in Halle in den IBA-Mittelpunkt

Es sei die „hässlichste Straße Glauchas“, die sich die Mitakteure des Abschlussjahres der Internationalen Bauausstellung 2010 für ihre Aktivitäten ausgesucht haben, so IBA-Chefkoordinator Friedrich Bussmann gestern in einem Informationsgespräch mit Medienvertretern.


In der Albert-Schmidt-Straße, in der der höchste Wohnungsleerstand in Glaucha vorherrsche, soll am 31. März nicht nur der sich gerade im Ausgestaltungsbau befindliche IBA-Gelenkbus stehen, in dem sich jeder, der mag, über die insgesamt sieben IBA-Projekte informieren und mit den Akteuren ins Gespräch kommen kann. Für eine komplette Woche wird die Straße gesperrt, damit der Postkult e. V. gemeinsam mit der Standortgemeinschaft in einer Stadt-Spiel-Vision zeigen kann, was man alles aus dem hässlichen Straßen-Entlein machen kann.


Überhaupt spielt dieser IBA-Gelenkbus eine fahrend-tragende Rolle im Abschlussjahr in Halle. Er wird von April bis Oktober immer dort stehen bzw. dorthin fahren, wo es um die tragenden sieben Orte des Stadtumbaus in unserer an Bevölkerung schrumpfenden Stadt geht: Am Riebeckplatz, am Franckeplatz, in Glaucha, am Neustädter Tulpenbrunnen, auf der Saline-Halbinsel und im Zentrum von Halle-Neustadt.


Möglichst viele sind dann jeweils aufgerufen, sich an der Diskussion zur Entwicklung um den Standort zu beteiligen. Als Abreißzettel hängen ausschließlich im Bus Fragebögen aus, auf denen man seine Sicht zur Zukunft der Hochstraße, zu den Hochhausscheiben im Neustädter Stadtzentrum, zur Zukunft der Hochstraße, zum Imagewandel in Glaucha, zur neuen Saalebrücke oder zur Neugestaltung des Platzes am Neustädter Tulpenbrunnen schriftlich kundtun kann.


Aus den hier eingegangenen Meinungsäußerungen soll eine Dokumentation erstellt werden. Was nach dem IBA-Abschlussjahr mit ihr geschehen soll, ist allerdings noch nicht klar. Chef-koordinator Friedrich Bussmann verweist hier auf den Experiment- und Laborcharakter der IBA-Projekte. „Wir wissen alle noch nicht, was aus dieser Nebelküche kommt.“ Und man will es zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht wissen - jeder solle sich mit seiner Meinung in den Diskussionsprozess einbringen - egal, welche das sei.


Befürworter des Abrisses der beiden Riebeckplatz-Hochhäuser ebenso wie dessen Gegner, Hochstraßenfreunde genauso gleichberechtigt wie jene, die sie abgerissen sehen möchten. Nur eines müsse jeder im Hinterkopf haben: die an Bevölkerung schrumpfende Stadt. Bedenke man das nicht, seien die als Denkanstöße gedachten sieben IBA-Projekte von Halle nur schwer zu verstehen. Eine reine Denkfabrik sind sie dennoch nicht. Denn der Stadthafen auf der Saline-Halbinsel hat schon konkrete Gestalt angenommen ebenso wie der Skatepark im Zentrum der Neustadt oder die Umgestaltung des Quartiers am Tulpenbrunnen.


Und es gäbe bereits - ob es einem nun gefällt oder nicht - einen konkreten Termin, wann mit dem Abbruch eines der Riebeckplatz-Hochhäuer begonnen wird: nämlich am 25. Juni dieses Jahres! Auch die Neueröffnung des Saline-Badeinganges hat schon einen Termin, den 27. Juli. Und mit dem Bau der Saline-Brücke soll am 27. August begonnen werden. Am 30. Mai 2010 wird mit der „Hoch-Zeit auf der Hochstraße“ (die dafür extra auf einem Teilabschnitt gesperrt wird) des 20-jährigen Geburtstages der Zusammenlegung von Halle und Halle-Neustadt gedacht.


Mit den vielfältigsten Aktionen wird der Blick aller Hallenser auf die sieben Orte gelenkt - und so sollen sich auch die Vertreter der Stadtverwaltung in den Prozess mit einbinden und die genannte Dokumentation zu ihrer weiteren Handlungsgrundlage machen. So dass die Frage, was nach Abschluss des IBA-Jahres aus den Projekten, Meinungen und Anregungen wird, an dieser Stelle unbeantwortet bleiben muss.

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