Presse-Mitteilung 20.9.07 überregional

Halle an der Saale mit ähnlichen UNESCO-Welterbeliste-Problemen wie Dresden. Hochstraße aus 70er Jahren Störfaktor bei Stadtentwicklung. Aufnahme "Franckesche Stiftungen" in UNESCO-Welterbeliste gefährdet. Promi-Bürgerinitiative (u.a. mit Genscher und Blobel) setzt dagegen

Halle, 20.9.07. Halle an der Saale gilt als eine der besterhaltenen historischen Großstädte Deutschlands, nach Expertenmeinung als größtes Flächendenkmal seiner Art in der Bundesrepublik. Massiv gestört wird die Stadtentwicklung allerdings durch ein monströses Verkehrsbauwerk aus den frühen 70er Jahren – eine Hochstraße, welche die Innenstadt nach Expertenansicht brutal zerschneidet und die historische und mit massivem Einsatz öffentlicher Mittel sanierte historische Schulstadt "Franckesche Stiftungen" von der Altstadt abtrennt. Eine prominent besetzte Bürgerinitiative sucht jetzt nach Lösungen.

"Wir möchten der öffentlichen Diskussion zur kreativen Stadtgestaltung eine neue Qualität verleihen", heißt es in einer Stellungnahme der neuen  Bürgerinitiative. Man wolle in Kooperation mit Stadt, Land Sachsen-Anhalt und dem Bund Konzepte entwickeln, um die von Einwohnern schon mal als "Monster" heftig kritisierte Hochstraße durch andere Verkehrswege sinnvoll und vor allem verkehrsgerecht ersetzen zu können.

Prominente Unterstützer des Vorhabens sind unter anderen Halles Ehrenbürger Hans-Dietrich Genscher und Nobelpreisträger Günter Blobel, wesentlicher Förderer des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden.  Für ihn zeigt sich am Beispiel "Waldschlösschen-Brücke Dresden", in welchem Maße Verkehrsgroßbauten wichtige kulturelle Ziele gefährden können. Nach deren Bau dürfte bekanntlich das Elbtal aus der UNESCO-Welterbeliste gestrichen werden, ohne Abriss der Hochstraße in Halle droht der beantragten Aufnahme der dortigen "Franckeschen Stiftungen" in die Liste vermutlich ein Veto der UNESCO.

Mit den Zielen der BI Hochstraße identifizieren sich öffentlich inzwischen nicht nur Genscher und Blobel, sondern vor Ort auch knapp 120 engagierte Hallenserinnen und Hallenser aus allen Bevölkerungsschichten, vor allem prominente Wissenschaftler, Unternehmer, Kulturschaffende, Bauexperten und Stadtpolitiker. Die meisten von ihnen sind einem BI-Verein beigetreten.

Auch seitens der Stadtverwaltung gibt es hinter den Kulissen inzwischen ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft bei der Diskussion, wie man langfristig intelligente und vor allem verkehrsgerechte Alternativen zur Hochstraße schaffen kann, ohne wichtige Verkehrsbeziehungen in der Stadt zu stören. "Wir suchen jetzt auch auf internationaler Ebene nach kreativen Lösungsmöglichkeiten", sagt der Journalist und BI-Mitinitiator Hans-Georg Ungefug. Mit der in Halle ansässigen Bundeskulturstiftung gebe es dazu einen interessanten Meinungsaustausch zum Thema "Innerstädtische Verkehrsgroßbauten kontra kulturelle Stadtentwicklung".

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